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Basketball für Frauen: Die Erfolgsgeschichte der Düsseldorf Bascats

Basketball : „Runter von der Straße, rein in die Halle“

Derendorf Vor gerade mal vier Jahren gründeten sich die Bascats — ein Basketballverein rein für Mädchen und Frauen. Heute hat er sechs Teams und eilt von Erfolg zu Erfolg.

Erfolg ist das Produkt von Fleiß, effizienter Arbeit und Zeit. Das gilt auch für die Capitol Bascats – obwohl der Düsseldorfer Mädchen- und Frauen-Basketball-Verein gar nicht viel Anlaufzeit benötigt hat, um sich einen Namen zu machen. Bestes Beispiel ist die erste Damenmannschaft des 2015 gegründeten Klubs, die kürzlich den dritten Aufstieg in Folge realisierte und damit symbolisch für die rasante Entwicklung des von Roger Nagel und Sean Lowe initiierten Projekts steht.

„Mädchen und Frauen sind zu Unglaublichem in der Lage, wenn die Förderung stimmt“, sagt Lowe, der 2. Vorsitzende des Vereins. Unter dem Dach der Bascats sind mittlerweile sechs Damen-Mannschaften und Nachwuchs-Teams von der U 18 bis runter bis zur U 10 sowie Ballspielgruppen für die Jüngsten zuhause. „Die Bewegungskultur ist im 21. Jahrhundert bei der jüngeren Generation nicht mehr so ausgeprägt wie das früher mal der Fall war“, erklärt Lowe. Also ist das Motto des Vereins so klassisch wie prägnant: „Runter von der Straße“ und stattdessen ab in die Halle.

„In erster Linie freuen wir uns, wenn wir Kinder früh für den Sport begeistern können. Das ist für die Entwicklung von jungen Menschen einfach wichtig“, weiß der 35-Jährige. Dazu geben alle Verantwortlichen vor und hinter den Kulissen jeden Tag ihr Bestes. So wie für den Jurypreis-Wettbewerb bei Top in Düsseldorf, dem großen WZ-Sportverein-Voting. Bei der jüngsten Auflage gewannen die Bascats den Jurypreis – unter anderem auch, weil Lowe bis tief in die Nacht ein Video für die Gesamtpräsentation zusammenstellte, um damit bei der Jury zu punkten.

Auch die Eltern werden
immer mit eingebunden

„Uns war schon immer klar, dass nicht nur viel Arbeit auf uns zukommen wird, sondern auch viel Skepsis und Gegenwind unser Projekt begleiten. Aber: Wir sind sehr glücklich über die Entwicklung, die schneller verlief, als erhofft“, sagt Lowe über die Anfangszeit. „Von unserem Konzept waren wir von Anfang an überzeugt. Unseren Fünf-Jahres-Plan in drei Jahren geschafft zu haben, überrascht uns aber schon.“

Bei den Capitol Bascats achten die Verantwortlichen in den eigenen Reihen akribisch auf jedes Detail ihrer Arbeit. Denn nur so können die Trainer auch abseits von Ball und Korb den Zugang zu den Kindern und Jugendlichen finden.

„Disziplin ist im Sport ja immer ein so ein wichtiges Stichwort. Die Vorstufe ist aber erst einmal das Vorleben durch den Verein. Wir achten beispielsweise sehr penibel darauf, wie die Trainer ihren Job angehen, sie sind ja auch ein Stück weit Erzieher. Denn da kommen junge Menschen in die Halle, die noch sehr beeinflussbar sind, bei denen sich der Charakter noch bildet. Was du vorlebst und dann später einforderst, prägt die Kinder nachhaltig. Dazu gehört zunächst einmal, dass die Trainer immer pünktlich in der Halle sind“, erklärt Lowe, dem das Einbinden der Eltern gleichermaßen wichtig ist. „Wir haben es gerne, wenn die Eltern beim Training zuschauen und mitbekommen, wie mit den Kindern bei uns umgegangen wird. Es geht nicht darum, die Erwachsenen zu beeinflussen, sondern sie mit ins Boot zu holen.“

Ein weiterer Aspekt, der den Bascats wichtig ist: Jeder soll im Verein dort eingesetzt werden, wie es für sie zeitlich am besten passt. „Als wir uns Gedanken über das Konzept gemacht haben, ging es unter anderem auch um die Vereinbarung mit Schule, Studium oder Beruf – je nachdem, wie alt die Spielerinnen sind. Ab einem gewissen Alter ist es natürlich schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen. Unser Ziel ist es daher, für alle Ansprüche die richtigen Mannschaften zu haben“, sagt Lowe.

Verein ist längst Lebensaufgabe für Sean Lowe geworden

Der Verein wächst, die sportlichen Erfolge können sich bislang sehen lassen. Doch die Akquise von weiteren Sponsoren ist schwierig. Lowe: „Mich ärgert es, dass es viele Menschen im Marketing nicht mitbekommen haben, dass ein Wandel in Bezug auf die Vermarktungsfähigkeit von Frauen im Sport stattgefunden hat. Wir haben hohe Kosten, weil wir sehr viel bieten. Bei einem Mitgliedsbeitrag von 20 Euro im Monat kann sich aber jeder vorstellen, dass es nicht so einfach ist. Das, was wir uns erwirtschaftet haben, ist schon ordentlich. Aber über weitere Sponsoren würde sich natürlich niemand beklagen.“

Gerade bei den Trainern arbeiten die Capitol Bascats mit hochqualifiziertem Personal. Sean Lowe verbringt bei der Suche nach ihnen viel Zeit mit Recherche. Und wenn ein geeigneter Kandidat gefunden ist, gibt es die Anfrage. „Etwas Schlimmeres als ein ,Nein‘ kann ja nicht passieren. Es ist viel Arbeit nötig, um zu erkennen, wen du für ein solches Projekt begeistern kannst. Mit einigen von diesen hochkarätigen Trainern arbeiten wir schon länger zusammen. Da sind wir auch sehr stolz drauf.“

Die Arbeit bei den Bascats ist für Lowe längst zur Lebensaufgabe geworden. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden Roger Nagel, allen Trainern und Helfern möchte er dafür sorgen, dass Mädchen im Sport die gleichen Träume wie Jungs haben können. „Vor vier Jahren gab es ein Schlüsselerlebnis für mich. Da war ein kleines Mädchen, das ich gefragt habe, ob sie später Basketball-Profi werden möchte. Das geschah aus meinem naiven Grundverständnis heraus. Jungs, die Fußball spielen, sagen schließlich oft, dass sie später Profi werden wollen. Das Mädchen aber hat gesagt: ,Ich bin doch ein Mädchen. Wir können so etwas gar nicht werden.‘ Das hat mich in dem Moment einfach geschockt und ich hab mich daran erinnert, wie viel mir das als Kind gegeben hat, einfach nur davon träumen zu dürfen. Vor einem Jahr habe ich demselben Mädchen dieselbe Frage gestellt. Ihre Antwort war, dass sie jetzt Profi-Basketballerin werden möchte. Solche Erlebnisse freuen mich noch mehr als sportliche Erfolge.“