Apostolos Hatzigiannidis ist Trainer beim DSC 99 Der Architekt des Lacrosse-Booms

Düsseldorf · Apostolos Hatzigiannidis engagiert sich beim DSC 99. Gerade ist er vom Lacrosse-Verband zum Trainer des Jahres ausgezeichnet worden.

Trainer Hatzigiannidis Apostolos in seinem Element als Trainer der Lacrosse-Jugend.

Trainer Hatzigiannidis Apostolos in seinem Element als Trainer der Lacrosse-Jugend.

Foto: RP/Ralph-Derek Schröder

Für die Lacrosser des DSC 99 ist Apostolos Hatzigiannidis ein echter Glücksfall. Der 42-jährige US-Amerikaner, der nur liebevoll „AP“ gerufen wird, hat sich an der Diepenstraße ganz der rasanten und schnellen Sportart verschrieben und sorgt mit seinem Einsatz für einen neuen Boom. Die Sportler aus Gerresheim hatten sehr unter den Beschränkungen während der Corona-Zeit gelitten. Die Zahl der Mitglieder war stark gesunken. Doch nun zeigt die leidenschaftliche Basisarbeit des gebürtigen US-Amerikaners Wirkung. Unter Hatzigiannidis wuchs gemischte Lacrosse-Jugend binnen fünf Jahren von fünf auf etwa 25 Spielerinnen und Spieler von sechs bis 16 Jahren.

Und auch die ersten sportlichen Erfolge stellen sich beim Nachwuchs ein. Die weibliche U12 des DSC 99 holte sich jetzt in einer Spielgemeinschaft mit den Mainz Musketeers bei der Deutschen Jugend-Meisterschaft den Vizemeistertitel, die weibliche U16 erreichte den dritten Platz. Und Hatzigiannidis durfte auch einen ganz persönlichen Erfolg verbuchen: Er wurde vom Deutschen Lacrosse-Verband (DLaxV) im Rahmen der Titelkämpfe als Deutschlands Jugend-Trainer des Jahres ausgezeichnet.

Es ist der Lohn für eine ganz besondere Arbeit, die der gebürtige New Yorker auf den Lacrosse-Plätzen im Osten der Stadt leistet. „Es gibt für mich als Jugend-Trainer nichts Schöneres, als die sportliche Entwicklung der Nachwuchsspieler zu erleben, zu sehen, wie sie von Woche zu Woche besser werden“, sagt er. Aber AP ist beim DSC 99 nicht nur als Nachwuchscoach zu erleben, er ist auch Spieler der ersten Männermannschaft, Teammanager und Schiedsrichter.

Hatzigiannidis ist ein zurückhaltender und bescheidener Mensch. Er tritt privat und beruflich so auf, wie er sich im harten Lacrosse-Sport durchsetzt: Mit viel Empathie für seine Mitmenschen, einer Menge Spielintelligenz und viel Spaß am Spiel. Mit seiner Körpergröße von 1,72 Metern hat er im körperlichen Zweikampf mit den Männern mit den breiten Kreuzen keine Chance.

Trainer findet immer eine Lücke im gegnerischen Abwehrverbund

Aber den braucht er auch gar nicht, denn mit seiner Erfahrung und dem Gespür für die richtige Situation geht er dem Körperkontakt möglichst aus dem Weg. Er findet immer eine Lücke im gegnerischen Abwehrverbund, durch die er ohne Zweikampf elegant hindurchschlüpfen kann.

Die Energie und Freude, die er aus seinem Sport gewinnt, vermittelt er mit Hingabe dem Nachwuchs des DSC 99. Spaß steht bei ihm immer im Vordergrund. Beim Jugendtraining fällt nie ein negatives Wort. „Die Kinder kommen nur wieder, wenn sie Freude am Spiel haben“, sagt er. „Es geht irgendwann auch um Leistung, ums Gewinnen, und dann kommt der Druck. Aber dem kam man am Besten mit Freude begegnen.“ Und so sind die Übungseinheiten – fröhlich, positiv, es wird viel gelacht. Hatzigiannidis spricht während des Trainings viel mit seinem breiten amerikanischen Akzent. Nicht nur, weil ihm für manche Situationen die deutschen Vokabeln fehlen, sondern weil dann auch die Aufmerksamkeit der Kinder größer ist, wie er sagt. „Get it, go Peter, go, go, go”, so feuert der Coach seinen Schützling Peter im Trainingsspiel an. Doch dann wirft sein Gegner, Quentin, sich bäuchlings hin, streckt den Stick aus und schnappt Peter den Ball doch noch weg: „Good Job!“, schmettert AP über den Platz.

Der Coach hat sich ein rechteckiges rotes Polster zur Hilfe geholt, mit dem trainiert er die Kinder, beim Angriff aufs Tor auch hartnäckigere Verteidiger auszuspielen. AP bedrängt jeden gerade so, wie er es aushalten kann: „Du musst nicht aufhören“, feuert er ein jüngeres Kind an, das stehenbleibt, als es sich in die Enge getrieben fühlt, „Full Contact!“ Ein 15Jähriger dagegen meistert die Begegnung mit dem Trainer mit Bravour, drängt ihn zurück und bringt seinen Ball ins Tor: „Well done!“ gratuliert AP. „Zuerst warst Du zu sehr Gentleman, aber jetzt hast Du den Angriff drauf.“

Die Auszeichnung für ihren Coach zum Jugendtrainer des Jahres finden die Kinder richtig. „AP ist der Beste“, sagt der zehnjährige Kolja Maucher, sein zwölfjähriger Bruder schwärmt: „AP ist sehr lustig und nett – er ist ein toller Mensch.“ Die 15jährige Maris Jahn meint: „Mit AP steht der Spaß im Vordergrund, so lernen wir schnell und der Ehrgeiz entsteht von allein.“

In der vergangenen Saison waren AP und die Jugendmannschaften viel auf Reisen. Ein Jugend-Spieltag ging in Nürnberg über die Bühne. Doch genau das genießt der Coach. Der Sport gebe ihm eine Menge zurück. „Ich habe durch Lacrosse viel von Deutschland gesehen. Und ich habe Freunde gewonnen“, sagt er. „Außerdem bekommt man in der Mannschaft das Gefühl, dass man zu etwas Großem gehört.“

Lacrosse lernte und spielte AP zuerst auf einer staatlichen Universität in New York. 2001 war er dann erstmals in Deutschland – als Austauschschüler in Frankfurt. Seit Juli 2014 arbeitet er für die PR-Abteilung der Messe Düsseldorf – gleichzeitig machte er seine ersten Schritte beim DSC 99. So begann die starke Bindung zwischen Klub und Coach. Und der Weg ist selbstverständlich noch lange nicht vorbei. Die Frauen- und Männer-Teams werden von der aktuell so starken Nachwuchsarbeit auch bald profitieren, da ist sich AP sicher. „Wir spielen mit den Männern derzeit in der 2. Liga. Aber wird werden sicher in die 1. Liga zurückkehren.“ Aber nur, wenn auch der Spaß stimmt.