Ärger um Scheidung der Handball-Ehe zwischen Neusser HV und ART

Jugendhandball: Ärger um Scheidung der Handball-Ehe zwischen Neusser HV und ART

Die Handball-Ehe zwischen ART Düsseldorf und dem Neusser HV steht vor dem Aus. Viele Jugendliche sollen nun nicht mehr gemeinsam Handball spielen. Viele ART-Eltern sind bitter enttäuscht.

Die ART-Verantwortlichen — und wohl eine kleine Zahl von Trainern des Vereins — haben beschlossen, die Handball-Ehe zwischen dem ART Düsseldorf und dem Neusser HV mit einem Schlag zu beenden. Das stößt keinesfalls auf ungeteilte Begeisterung unter den Jugendlichen, die am meisten von dem „Scheitern“ der Spielgemeinschaft betroffen sind.

Auch die Eltern der Mannschaften, die nicht beim ART in der Zukunft eine „neue“ Heimat finden werden, können die Entscheidung der ART-Führung nicht nachvollziehen. „Wir fühlen uns absolut wohl in der Handball-Spielgemeinschaft (HSG) und können nicht  erkennen, warum es eine solche Entwicklung gibt“, sagt Uwe Klause, der sich mit einem offenen Brief an die Vereinsführung des ART gewendet hat, aber nach eigenem Bekunden weder eine inoffizielle noch eine offizielle Antwort erhalten hat. „Es gibt aus unserer Sicht überhaupt keinen Grund, die Spielgemeinschaft aufzulösen.“ Angeblich soll dieser Ausstieg bereits seit einem halben Jahr in die Wege geleitet worden sein.

Klause, der selbst Handball-Trainer ist, versteht nicht, dass damit Freundschaften auseinander gerissen werden sollen, die inzwischen unter den Jugendlichen aus Düsseldorf und Neuss entstanden sind. Gerade die A-Jugend-Mannschaften werden vom ART nicht übernommen, der sich ganz auf die B1-, die jetzige C2-, zwei D-Mannschaften und ein E-Jugend-Team konzentrieren will. Dafür gibt es beim ART auch schon genaue Vorstellungen, wer diese Mannschaft betreuen soll. Aus der Sicht von Klause und wohl auch vieler anderer Eltern wird mit diesem Vorhaben die Spielgemeinschaft torpediert und ein eigentlich — zumindest im Jugendbereich — erfolgreiches Projekt zerstört. Und an finanziellen Überlegungen soll es dem Vernehmen nach nicht gescheitert sein.

Betroffene Spieler und Eltern stehen vor vollendeten Tatsachen

Das Schlimmste aus Sicht der Eltern der HSG ist aber die Informationspolitik des ART, der es angeblich nicht für nötig befunden hat, die Eltern und auch die Jugendlichen ausführlicher zu informieren und einzubinden. „Es hat kein Treffen stattgefunden, um die Meinung der Beteiligten einzuholen oder um überhaupt einmal eine Diskussion aufzunehmen“, sagt Klause, der es schon irritierend findet, dass lapidar erklärt worden war, die nicht im ART aufgehenden Mannschaften könnten sich ja an den neuen Kooperationspartner, die SG Ratingen, wenden. Es gehe einfach nicht an, dass über die Köpfe der Mitglieder hinweg, solche Entscheidungen getroffen werden. Es ist ein so gravierender Schritt, und dass ohne Not.“ Vor vollendete Tatsachen wurde die Elternschaft nur in einer von den Vikings eilig einberufenen Versammlung am 22. Januar gestellt — von ART-Abteilungsleiter Roman Perschke und Trainer Benny Daser. Würde dieser Plan umgesetzt, stünden wohl rund  80 Jugendliche und Senioren zum Saisonende 2018/2019 ohne Verein da.

„Einen Verein und eine Abteilung, die es ohne einen großen Teil genau dieser Spieler und Familien nicht mehr geben würde“, schreibt Klause in seinem „Offenen Brief“. „Denn nach der finanziellen Krise des ART, ausgelöst durch den Betrug des damaligen Abteilungsleiters Volker Haase 2015, waren sie es, welche die Handballabteilung des ART durch eine Zahlung von mindestens 200 Euro pro Spieler überhaupt am Leben erhalten und sichergestellt haben, dass Trainer und Hallenmieten bezahlt werden konnten.“

Vom Neusser HV besteht das Angebot, im Jugendbereich die Zusammenarbeit weiterzuführen. Die finanziellen Zusagen sollen den Beteiligten vorliegen. „Offensichtlich will die ART-Führung das Ganze aber ausdünnen, um nur noch mit den Talenten zu arbeiten“, sagt Klause. „Der Breitensport-Gedanke unter anderem bei den dritten Mannschaften wird da völlig außer Acht gelassen.“ Klause ärgert sich darüber, dass nun viele Jugendliche unter einer politischen Entscheidung so leiden müssen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung