Düsseldorf: Lohausen und Unterrath - Ein Leben in der Landezone

Düsseldorf: Lohausen und Unterrath - Ein Leben in der Landezone

Jetzt zur Ferienzeit donnern die Flieger im Minutentakt über Lohausen und Unterrath. Die WZ hat die Stadtteile am Wochenende besucht.

Düsseldorf. Wenn Martin Thiele mit seiner Freundin einen Sonnentag zu Hause genießen und plaudern will, schweigt er alle paar Minuten. Immer dann, wenn eine große Maschine über der Terrasse dröhnt, versteht er kaum noch sein eigenes Wort. Der Blick geht automatisch nach oben, um das Flugzeug genauer zu betrachten, die Größe einzuschätzen, den Namen der Airline zu lesen. Besonders imposant wirke der neue Airbus A 380: „Manchmal denke ich, hoffentlich rammt der Flieger jetzt nicht das Haus“, scherzt Thiele. Über Lohausen gehört das Dröhnen der landenden Flieger alle paar Minuten jetzt in der Ferienzeit zum Alltag. Und das Haupt-Rückreise-Wochenende kommt erst noch.

Gespräche draußen, ohne den Lärmschutz durch Dreifachverglasung, sind anstrengend. „Das nervt schon“, sagt Thiele. Seit einem Jahr wohnt er hier. Und er will bleiben, denn das Viertel gefällt ihm ansonsten gut. Er hofft, dass es ihm irgendwann so geht wie anderen Anwohnern — und er die Flieger trotz ihrer Lautstärke kaum noch wahrnimmt.

Einer seiner Nachbarn, ein Rentner, der seit Jahrzehnten dort wohnt, zeigt, wie es geht. Er schaltet den Rasenmäher aus — und redet einfach mit etwas lauterer Stimme über das Dröhnen der Flugzeuge hinweg. „Es sind eher Freunde, die sich am Lärm stören, wenn wir zusammen im Garten sitzen“, sagt er.

Dass gar nicht erst nach Lohausen ziehen darf, wer man sich an Fluglärm stört, findet Joachim Kukulies. Er selbst genießt Sonnentage im Garten und blickt dabei kaum mehr nach oben — nur für den A 380. Über den Mehr-Verkehr in den Ferien zuckt er die Schultern. „Das sollte einem gar nicht erst auffallen. Wer hier lebt, muss immer den regen Flugverkehr akzeptieren.“

Die vielen Reisenden sorgen aber nicht nur für mehr Verkehr in der Luft, sondern auch in den anliegenden Wohngebieten. Immer mehr Urlauber stellen ihre Wagen dort ab und laufen zum Hotel oder zum Terminal, berichten Anwohner wie Susanne Moritz und Jutta Stausberg. „Von uns aus ist man in wenigen Minuten am Flughafen. Vor unserer Tür stehen jetzt im Sommer viele Dauerparker von außerhalb. Dabei sind das private Parkplätze, die zu den Wohnungen gehören“, ärgern sich die beiden. „Wenn die Leute mit Rollkoffer in Richtung Flughafen losziehen, wissen wir schon, was los ist.“

Auch an der Sporthalle in Unterrath fällt die Entwicklung auf. „Bei Rollhockey-Spielen mit Gästen von auswärts kann es schon mal voll werden“, sagt Felix Kroha. „Wenn dann viele Parkplätze von Urlaubern belegt sind, ist das schon ärgerlich. Man sollte jetzt etwas dagegen tun, bevor es schlimmer wird und irgendwann zu spät ist.“

Auch Andrea Schröder hat von Bekannten schon von den großen Park-Problemen gehört. Trotzdem und trotz des Lärms ist für die Unterratherin die Ferienzeit doch die schönste Zeit. „Flugzeuge faszinieren mich“, sagt sie. Sie kennt sogar die Zeiten und Orte, wo sie sich bestimmte Flieger am besten beobachten lassen. „Ich liebe einfach den Blick nach oben in die Luft.“

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