Little Tokyo mitten in Düsseldorf erkunden

Stadtführung : Little Tokyo mitten in Düsseldorf erkunden

Die neue Stadtführung „Sushi, Sake & japanischer Lifestyle“ bietet kulinarische Einblicke in das japanische Viertel der Stadt.

Sushi-Geschäfte, exotische Lebensmittel und japanische Schriftzeichen gehören rund um die Immermannstraße zum Straßenbild. Das japanische Viertel gehört für die Düsseldorfer zu ihrer Stadt. Wie außergewöhnlich das Viertel ist, ist vielen nicht bewusst. „In Deutschland gibt es keine andere Stadt mit so einer großen japanischen Gemeinde“, sagt Ole Friedrich, Geschäftsführer von Düsseldorf Tourismus. Um diesen Unique Selling Point bekannt zu machen, bietet die Stadt Düsseldorf künftig zwei Mal im Monat eine Stadtführung unter dem Motto „Sushi, Sake & japanischer Lifestyle“ an, eine „Expedition ins Little Tokyo am Rhein“.

Die japanische Tradition und Mentalität sollen über das kulinarische Erleben vermittelt werden. Auf der zweistündigen Tour gibt es japanisches Gebäck, Sake, Sushi und eine japanische Teezeremonie. „Essen ist das Thema Nr. 1 für Japaner und sie bringen viel Zeit und Geld dafür auf“, sagt Petra C. Fujiwara. Die Stadtführerin ist eine Japan-Kennerin: Nach ihrem MBA in Tokyo hat sie ab 1979 in mehreren japanischen Unternehmen gearbeitet und vor 36 Jahren einen Japaner geheiratet. Japan ist „ihre zweite Heimat“.

Die Stadtführung beginnt im Herzen des japanischen Viertels vor dem Hotel Nikko Düsseldorf. Seit den 1950er Jahren hat sich hier ein Zentrum der japanischen Wirtschaft und Kultur entwickelt. Düsseldorf galt für viele japanische Unternehmen wie Mitsubishi, Nikkon oder Hitachi als „Schreibtisch des Ruhrgebiets“. Mittlerweile leben 8000 Japaner in Düsseldorf, knapp doppelt so viele in NRW. „Diese 15 000 strömen am Samstag in das kleine Zentrum in Düsseldorf, weil hier die Infrastruktur vorhanden ist“, sagt Fujiwara. Unter anderem Büchereien, Lebensmittelgeschäfte, Restaurants, Einrichtungsgeschäfte und Sentos, öffentliche Bäder.

„Es gibt keinen anderen Ort außerhalb Japans, an dem Japaner so authentisch leben“, sagt Fujiwara. Die Stadtführerin weiht die Besucher in das Leben der Japaner ein. In den Japanischen Clubs werde die Tradition gepflegt und Kendo, Karate oder Judo praktiziert. „Die Clubs sind integrativ, hier kann jeder, der Interesse hat, mitmachen“, sagt Fujiwara. Im Geschäft Kyoto, „dem Franzen auf der Immermannstraße“ kann man klassische japanische Wohnkultur erstehen und im Takaji liegt der Schwerpunkt auf Mangas und Animés. „Das ist ein Mekka für Manga-Fans aus ganz Deutschland“, sagt Fujiwara.

Ein Teller Sushi, Teil der Stadtführung "Little Tokyo" in Düsseldorf. Foto: Anke Strotmann

Bei einer Tee-Verkostung im ANMO Art-Cha auf der Bendemannstraße zeigt die Teemeisterin Motoko Dobashi, welche Sorgfalt und Mühe die Zubereitung des Grünen Tees erfordert. Die kleinen Teetassen haben etwa den Durchmesser eines Eierbechers. Dobashi füllt gerade so viel Tee hinein, der normalerweise als kleiner Schluck gelten würde. „Der Tee ist wertvoll, jeder Tropfen ist wichtig“, sagt die Teemeisterin und erklärt, dass Japaner Tee zur Entspannung trinken. Die Japanerin genießt es, in Düsseldorf zu leben. „Ich fühle mich wohl und werde nicht komisch angeschaut, weil wir hier so konzentriert leben“, sagt Dobashi.

Teilnehmer der Führung lernen japanisches Fast-Food kennen

Die Teilnehmer der Stadtführung lernen auch, dass Japaner täglich drei Mal Reis essen. Dieser wird in verschiedenen Formen dargeboten, unter anderem als „Onigiri“, japanischem Fastfood. Eine Kostprobe erhalten die Teilnehmer am Ende der Stadtführung bei Hiroaki Ando im „Maruyasu“. Sein Vater kam 1965 als Bergmann nach Deutschland, bevor er vor 30 Jahren sein erstes Sushi-Geschäfte gründete. „Die hohe Kunst des Sushis liegt in der Behandlung des Thunfischs“, sagt Ando, der wöchentlich sechs Thunfische à 250 Kilogramm für die neun Sushi-Läden in Düsseldorf und zwei in Frankfurt bezieht.

Die Japan-Expertin Petra C. Fujiwara schätzt wie Japaner besonders das japanische Essen. Sie kann nicht nur über interessante Aspekte der japanischen Kultur berichten, sondern hat auch zahlreiche Tipps für gute Restaurants. „Das japanische Viertel ist ein schönes Pflaster, wenn man japanophil ist“, findet sie.

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