Little Britain am Rhein: Düsseldorf feiert royale Heirat

Zum Jawort von Kate und William wird diese Woche „very british“ - auch bei den Düsseldorfern, die sich zunehmend für die englischen Vorlieben und Eigenheiten begeistern.

Düsseldorf. Großbritannien in Düsseldorf, da reihen sich die Beispiele aneinander wie die Schlösser im Immobilienportfolio der Queen. So hat das Lessing-Gymnasium unter Lehrer Thomas Wilkinson bereits seit zwei Jahren seine eigene Cricket-Mannschaft, an der Heinrich-Heine-Uni gibt es sogar ein Rugby-Team für Frauen und in der International English Library an der Kasernenstraße leihen beinahe genauso viele deutsche wie englischsprachige Besucher ihre Bücher aus.

„Die Bibliothek wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der Britischen Armee gegründet, heute sind rund die Hälfte unserer 1000 Mitglieder Deutsche“, sagt Roswitha Schirmer, die seit zehn Jahren ehrenamtlich in der Bücherei arbeitet. Der Renner sind zurzeit DVDs und Bücher über die Royals. „Dafür haben wir extra eine Themenecke eingerichtet“, sagt Schirmer.

Im International Store an der Kurfürstenstraße gibt es hingegen Spezialitäten anderer Art: „Food from home“ steht an der Tür und was man dort findet, ist zum großen Teil auch nur etwas für echte Engländer: „Bacon (gekochter Schinken) und englische Würstchen verkaufen wir am meisten“, erzählt Verkäuferin Sherley Lipscombe.

„Auch englisches Brot mögen viele Einwanderer“, sagt sie und verweist auf ein tiefgefrorenes Toastbrot. Ein eher merkwürdiges Vergnügen, bilden wir Deutsche uns auf unsere Würstchen- und Bäckereikultur doch durchaus etwas ein. Aber auch Nicht-Briten werden in den Regalen fündig. „Die Deutschen kaufen vor allem Chips und Tee“, sagt Lipscombe. Ja, von Tee verstehen die Engländer wirklich etwas.

Und ebenso schnell, wie sich die Düsseldorfer die britischen Gepflogenheiten zu eigen machen, so leicht fällt es auch den meisten Briten, im Rheinland anzukommen: „Die Mutter einer Freundin warnte mich einst, nicht nach Düsseldorf zu gehen, ich würde nur kleben bleiben“, erzählt Helen Hermes, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Heine-Uni. Die Bekannte behielt recht: Seit 16 Jahren ist die Engländerin nun schon mit einem Düsseldorfer und seiner Stadt verheiratet.

Helen Hermes, Engländerin

„Die Rheinländer sind eben sehr herzlich“, sagt Hermes. „Und das Leben hier ist auch gar nicht so anders als in England.“ Was das Wetter und die Küche angehe, da gebe es durchaus große Ähnlichkeiten. Schwieriger sei es ihr gefallen, mit ihrer britischen Höflichkeit immer den gewünschten Ernst zu vermitteln: „Die Deutschen verstehen nicht immer gleich, dass eine höflich gestellte Frage durchaus als direkte Aufforderung gemeint ist“, sagt Hermes. „Da gibt es schon mal Missverständnisse.“

Auch was denn heiß geliebten Fußball angeht, ebenfalls ein Sport, den wir uns bei den Engländern abgeschaut haben, bleibt jeder seiner eigenen Nation treu: „Die Weltmeisterschaft im letzten Jahr in Düsseldorf zu verfolgen, hat viel Spaß gemacht“, sagt Kevin Mutch, der seit zwei Jahren in der Innenstadt lebt. „Als Schotte musste ich mich auch nicht so schuldig fühlen, das deutsche Team anzufeuern.“ Seinen englischen Freunden hat er dies aber doch lieber verschwiegen.

Verfolgt hat Mutch die meisten Spiele im Pub. „Irish“ steht zwar dran an den urigen Altstadtkneipen mit den ausländischen Bieren, es treffen sich hier aber sowohl Iren als auch Briten und viele Deutsche. Englisches Ale und Cider (Apfelwein) kommen aus den Zapfhähnen ebenso wie Altbier und Hefeweizen. Auf den Bildschirmen laufen Bundesliga und englische Premier League, Formel 1 und Rugby. „Die Pubs sind ein wichtiger Treffpunkt“, sagt Mutch. „Ich schaue besonders gern Rugby, das kann man sonst nirgendwo sehen.“

Das TV-Highlight am kommenden Freitag bleibt aber ohne Zweifel das royale Jawort in der Londoner Westminster Abbey. Linda Longsden, Vorsitzende des Düsseldorfer British Women’s Club, organisiert dazu in ihrem Haus eine große Gartenparty: „Alle werden feierlich gekleidet und mit Hut erscheinen“, sagt Longsden. „Wir Engländer lieben es einfach, uns aufzustylen.“

Ihr Mann serviert zum Empfang des Brautpaares auf der Terrasse des Buckingham Palace als Butler verkleidet englischen Tee und Gin-haltigen Pimms. Auf der Hochzeitstorte prangen die Gesichter von Will und Kate und als Deko gibt es jede Menge Wimpel und Fähnchen mit dem Union Jack. „Die habe ich extra von meinem letzten Besuch in England mitgebracht“, erzählt Longsden. Da bleibt nur zu sagen: „Cheers und God bless the Queen!“

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