„Licht in der Kette“: Mit spitzer Feder voll daneben

„Licht in der Kette“: Mit spitzer Feder voll daneben

Auch Journalisten sind nur Menschen – und machen Fehler. Die meisten werden rechtzeitig korrigiert. Zum Glück: Lesen Sie hier, was Sie dieses Jahr nicht lesen mussten.

Düsseldorf. Am Ende eines langen Arbeitstages, wenn die Konzentration schwächelt, hobelt der ein oder andere Journalist Sätze aus der Sprache, die besser nicht in der Zeitung stehen.

Dann schlägt die Stunde der Korrekturleser: Sie sollen Sprachpanschereien tilgen - und meist gelingt das auch. Sie gaben der bösen Krankheit "Schweinerippe" das nötige "g", drehten das Wortspiel "Vor dem Fest ist nach dem Fest" in die richtige Reihenfolge - und verhinderten, dass "die Temperaturen bei null Grad einfrieren".

Ebenfalls nicht zu lesen war, wie Oberbürgermeister Dirk Elbers mit dem Gesetz der Schwerkraft in Konflikt gerät: Er "nahm die drei Meter hohe und 1800 Kilo schwere Stahlkonstruktion aus den Händen von Obermeister Helmut Eibler entgegen". Eine ähnliche Problemlage gab es auch bei den Touristen, die vor exotischen Souvenirs gewarnt werden sollten: "Weder lebendig noch ausgestopft sollten Elefanten in der Hand von Touristen das Land verlassen."

Kontraproduktiv wäre auch dieser Hinweis gewesen: "Die Feuerwehr warnt eindringlich, brennende Kerzen immer zu löschen, bevor man den Raum verlässt." Besonders gefährlich aber ist es, wenn Redewendungen bis zur Unkenntlichkeit verdreht werden. "Allmählich lichten sich die Gebäude"? Geht ebenso wenig wie die Aussage über einen Angeklagten vor Gericht: "Der 71-Jährige ist das schwächste Licht in der Kette." Dankenswerterweise haben die Korrekturleser dafür gesorgt, dass aus dem Licht ein Glied wurde.

Allerdings sind auch sie nur Menschen - weshalb es die Wortschöpfung "Expressomaschine" in die Zeitung schaffte, genauso wie die unglaublich große Kastanie, die an der Altenbergstraße umstürzte: "Der Schaden wird auf rund 15 000 Autos geschätzt." Und weil es wohl auch 2010 wieder viele lange Arbeitstage geben wird, wünschen wir den Fehlerfahndern vorsichtshalber schon jetzt "Nerven wie Stahlnetze"!

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