Düsseldorf-Schützenfeste: Letzte Messe in St. Anna: Bei den Schützen gab es auch Tränen

Düsseldorf-Schützenfeste: Letzte Messe in St. Anna: Bei den Schützen gab es auch Tränen

Schützenfeste in Niederkassel, Itter, Rath und Unterbach: Vor St. Anna wurde getrauert, in Unterbach feierten drei Frauen ihr Debüt.

Düsseldorf. Eigentlich ist eine Messe zur Eröffnung des Schützenfestes etwas Schönes. Aber diesmal brachen einige Schützen in der Niederkasseler Kirche St. Anna in Tränen aus. Allen voran Britta Damm, die Frau an der Spitze von 15 000 Schützen und ehemalige Schützenchefin von Niederkassel. Vorausgegangen war die Ankündigung von Dechant Michael Dederichs, die Kirche am 26. August zu entweihen. Er empfahl den Schützen, die die Nachricht noch vor der katholischen Gemeinde erhaltalten hatten, die Messe künftig in Lörick im Schützenzelt zu feiern.

Niederkassels neuer Schützenchef Thomas Damm ging auf dieses Ereignis beim Zapfenstreich ein. Auch wenn der Verein keine Bruderschaft mit christlicher Ausrichtung sei, sei doch die Nähe zur Kirche immer wichtig gewesen. Nicht ohne Stolz meinte er: „Ohne die Schützen sind manche Messen nicht vorstellbar gewesen. Die Sankt-Anna-Kirche ist ein zentraler Punkt des Ortslebens, der fällt nun weg und hinterlässt eine große Lücke.“ Er hoffe mit dem Vorstand auf eine gute Lösung.

Nach dem 125-jährigen Jubiläum im Vorjahr hatte sich der Schützenverein völlig neu aufgestellt, mit einem jungen Vorstand. So wurden erstmals beim Zapfenstreich die Jüngsten gekrönt, und zwar Larissa Goebels und Paul Süßmilch (mit schickem Zylinderhut) als Pagenkönigspaar. Tambourmajor Günther Nießen legte einen besonders flotten Niederkasseler Marsch auf, nachdem auch das Regimentskönigspaar Sebastian und Romina Marx geehrt wurde. Und Vizechef Marc Klement gab ein besonders lustiges Querflötensolo inmitten des Tambourcorps.

Foto: Nikolas Golsch

Mit Siegrid van Straelen (52) hat Itter schon eine neue Königin. Denn während die drei anderen Schützenvereine, die am Wochenende gefeiert haben, erst heute auf den Königsvogel anlegen, wurde es in Itter schon Sonntag spannend. Kaum hatte der neue Schützenchef Norbert Schmitz nach Festzug und Parade die rund 300 Schützen im Festzelt begrüßt, wurde davor auf Prinzen- und Königsvogel angelegt. Anmelden musste man sich nicht, aufgerufen wurde jedes Mitglied der Bruderschaft, das über 25 Jahre alt ist. Am Ende trauten sich aber nur drei Mitglieder, Siegrid von Straelen hatte die sicherste Hand und regiert nun mit Ehemann Guido, der 2010 selber König war.

„Früher haben wir wie fast alle Vereine erst nach dem Klompenball am Montag den König ausgeschossen, doch dann haben wir vor über zehn Jahren den Königsschuss versuchsweise auf den Zeitpunkt nach der Parade vorgezogen. Und das kam so gut an, dass wir dabei geblieben sind“, erklärt Schützensprecher Robert Aust. Wundern braucht das niemanden, denn nach der Parade ist fast ganz Itter auf den Beinen und in Feierlaune.

Auch nach dem Königsschießen ging es auf dem Festplatz und im Zelt hoch her. „Es war bisher ein schönes Fest“, verabschiedete sich Ex-Königin Nina Rau. Aber auch ein anstrengendes: Schon am Samstag ging es bis weit nach Mitternacht hoch her.

Beim Schützenfest in Rath lief alles perfekt, auch ohne Schützenchef. Peter Skirde, der neue Oberst der Reiterfreunde, zog mit rund 450 Kameraden durch den Stadtteil. Hinter der Regimentsfahne lief Marlene Thyssen-Voss als kommissarische Schützenchefin. Sie hatte im Verbund mit dem Vorstandsmitglied Franz-Robert Maassen das Regiment auf ihrer Seite. „Es lief mehr als gut“, stellte sie mit leichtem Stolz fest.

Sie trug einen kleinen, dekorativen Vogel am Revers, den sie sich im letzten Jahr aus einem der Blumensträuße gefischt hatte. Den zweiten Vogel trug der Regimentskönig Friedrich Neuhaus, der mit seiner Königin Christina Gehlen besonders glücklich aussah. Das lag nicht nur an seiner Königswürde, sondern vor allem auch an seiner Gattin. Die trug nämlich das schönste Hochzeitskleid, mit lauter Perlen und Spitzen. Ihr Kommentar: „Ich hätte das Kleid auch gern zur Hochzeit getragen. Aber er hat mir den Heiratsantrag erst nach dem Kleiderkauf gemacht.“

Mitten im Königsjahr fand die Verlobung statt, im September wird geheiratet. Am Samstag führten die Jungschützen durch das Programm und hielten einen Rückblick auf ihr Jahr. Auch Sonntag gestaltete die Jugend das Programm. Und immer wieder gab es Tanzeinlagen mit der Band von Roland Brüggen.

Ein bisschen ungewohnt mag es für den ein oder anderen Unterbacher Schützen noch gewesen sein in diesem Jahr: „Zum ersten Mal haben wir drei Frauen in unseren Reihen“, sagt Elmo Keller, Vorsitzender der St. Hubertus Bruderschaft. Im Januar hatte der Verein als einer der letzten im Düsseldorfer Süden seine Satzung angepasst. „Das hat vor allem daran gelegen, dass wir starke Frauen bei den Jungschützen hatten“, sagt Keller. Die wollten nun auch bei den Altschützen mitmachen — und der Verein wollte sie nicht verlieren.

„Es ist noch ungewohnt und vor allem warm unter der dicken Schützenjacke“, befand etwa Svenja Hamacher (24), eine der ersten drei Schützinnen. Die Uniform wurde für die Frauen zwar leicht angepasst, Krawatte und dicke Schulterpolster sind aber geblieben. „Uns ist wichtig, dass wir nicht anders aussehen als die Männer. Schließlich sind wir keine neue Kompanie, sondern ein Verein“, sagt Sarah Schmidt (24).

Auf dem Festplatz an der Gerresheimer Landstraße war die Vorfreude auf den Samstagabend derweil groß. Höhepunkt sei nämlich ganz klar der Auftritt der „Steigenwälder“, sagt Vorsitzender Keller: „Die waren vor zehn Jahren zuletzt hier und haben unser Zelt richtig zum Beben gebracht.“ Man habe lange gespart, um den Auftritt finanzieren zu können: „Die sind teurer als andere Bands, aber alles Gute hat seinen Preis.“ Mit 15 Schaustellern war auch die Kirmes ein Publikumsmagnet.

Rund 30 aktive Mitglieder hat die Kompanie, besondere Freundschaft pflegt sie mit den Alt-Erkrather Schützen. Kein Wunder, dass König Matthias Theisen in seiner Amtszeit gleich mehrmals vorbeigeschaut hat. Heute Abend wird er seinem Nachfolger gratulieren: „Am Ende ging die Amtszeit schnell zu Ende, da bin ich schon traurig“, sagt der 27-Jährige Unterbacher.