Lehrermangel: Griechische Kinder besetzen ihre Schule

Lehrermangel: Griechische Kinder besetzen ihre Schule

Seit Beginn des Schuljahres gibt es kaum noch Unterricht in den Naturwissenschaften. Schüler fürchten um ihren Abschluss.

Düsseldorf. Schon seit Monaten brodelt es in den Schülern der griechischen Schule am Heerdter Sandberg. Dann geht alles ganz schnell. Vor zwei Tagen fassen sie den Entschluss: Wir besetzen die Schule.

Seit Mittwoch 7 Uhr harren die rund 250 Schüler im Schichtbetrieb in den Unterrichtsräumen aus. Und warten. Warten auf eine Reaktion, darauf, dass sich das griechische Konsulat endlich regt. „Seit Beginn des Schuljahres haben wir keinen Physik-, Chemie- oder Biologieunterricht mehr“, sagt Anastasia Pappa.

Am Nachmittag diskutiert die 17-Jährige mit anderen Schülern und Eltern vor dem kleinen Seiteneingang des Gebäudes. Es herrscht ein aufgebrachtes Stimmengewirr. Die Gruppe versucht zu begreifen, warum es niemanden zu interessieren scheint, weshalb sie aus Verzweiflung zu solch drastischen Mitteln greifen.

„Drei oder vier Stunden Unterricht am Tag, das ist für mich keine Schule“, sagt Anastasias Mutter Anna Pappa. Seit August sei dem zuständigen Schul-Koordinator im griechischen Konsulat bekannt, dass Lehrer fehlen. „Bis heute hat niemand reagiert“, regt sich Pappa auf und fragt: „Wie sollen die Kinder denn ihren Stoff lernen, wenn keine Lehrer da sind?“

50 Pädagogen werden nach Angaben eines Vaters in den fünf griechischen Schulen in NRW benötigt, geschickt worden seien aus Griechenland jedoch nur 16. „Und dann sind das auch noch Lehrer, die die falschen Fächer unterrichten. Was sollen die Kinder mit einem zusätzlichen Sportlehrer, wenn sie doch Naturwissenschaftler brauchen?“, sagt er.

Die Lehrer der Schule werden aus Griechenland entsandt und haben befristete Verträge. Laufen diese aus, müsse der Schul-Koordinator des jeweiligen Bundeslandes für Ersatz sorgen.

Für Schüler in der zwölften Klasse — wie Anastasia Pappa — bedeutet der Lehrermangel auch Zukunftsangst. „Im September müssen wir die Abschlussprüfungen in Griechenland ablegen“, sagt sie. Doch wie solle das gehen, wenn ein Teil der Prüfungsfächer nicht erteilt werde?

Deshalb wollen die Schüler das Gebäude erst räumen, wenn es feste Zusagen aus dem Konsulat gibt. Sie haben Schlafsäcke dabei und wollen weiter hier übernachten. Bis Mittwochnachmittag gibt es keine Reaktion. Auch für die WZ ist der Erziehungsattaché Georgios Varvatis nicht zu erreichen.

Das Lyzeum (Klasse zehn bis zwölf) der griechischen Schule ist bereits im Februar dieses Jahres in den Schlagzeilen gewesen. Damals wurde bekannt, dass die Oberstufe bis 2016 geschlossen wird (siehe Infokasten). Der Entschluss resultiert aus einer Reform, die 2011 im griechischen Parlament beschlossen wurde.

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