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Düsseldorf: Lehrer werden mit 46 — kein Traumjob

Düsseldorf : Lehrer werden mit 46 — kein Traumjob

Paul Lehmann, promovierter Diplom-Physiker, entschied sich vor zwei Jahren, Lehrer zu werden. Jetzt holt er mit 48 Jahren das Referendariat nach.

Düsseldorf. Früher hat Paul Lehmann komplizierte mathematische Gleichungen gelöst, heute beschäftigt er sich mit dem Dreisatz. „Unterfordert? Nein, so fühle ich mich nicht“, sagt er überzeugt. Auch heute stehe er vor Herausforderungen. Allerdings vor ganz anderen als noch vor zwei Jahren. Mit 46 Jahren entschied sich Lehmann dazu, Lehrer zu werden. Als Seiteneinsteiger, das heißt ohne Lehramtsstudium.

Lehmann hat Physik studiert, danach promoviert. Zehn Jahre arbeitete er in einer Computerfirma als IT-Projektmanager, bis er Opfer einer Kündigungswelle wurde. „Schon damals spielte ich mit dem Gedanken, Lehrer zu werden, kam dann aber davon ab“, erinnert er sich.

Er erkannte das Geschäft mit Photovoltaikanlagen für sich, machte sich selbstständig. „In dieser Zeit habe ich viel gelernt, vom Handwerk, aber auch vom Handel. Leider konnte mich der Job bald aber nicht mehr ernähren. Ich musste mir etwas Neues suchen“, sagt er. Ein Freund motivierte ihn, es nun doch mal als Lehrer zu versuchen.

Der Freund selbst hatte vor knapp zehn Jahren als Seiteneinsteiger am Berufskolleg Fuß gefasst. „Und hat es nicht bereut“, sagt Lehmann. Der Diplom-Physiker probierte sein Glück und bewarb sich auf eine Vertretungsstelle am Elly-Heuss-Knapp-Berufskolleg. „Der Zufall wollte es, dass gerade eine Stelle für Mathematik und Informatik frei war“, sagt Lehmann. Beides Fächer, die Teil seines Physik-Studiums waren. „Am Unterrichten hatte ich immer schon Spaß — in der Schule habe ich Nachhilfe gegeben, später Workshops geleitet“, sagt er.

Auch solche Erfahrungen wurden im späteren Bewerbungsgespräch an der Elly-Heuss-Knapp-Schule abgefragt. Wenig später fand sich Paul Lehmann im Computerraum vor mehr als 20 Schülern wieder und erläuterte die Excel-Grundlagen. „Das war schon etwas ungewohnt“, sagt er trocken. „Aber dank der Kollegen, die mir mit Unterrichtsmaterial aushalfen, klappte es ganz gut“, sagt er.

Am Ende des Halbjahres war Lehmann klar: Er will weitermachen - aber nicht ohne Perspektive auf einen sicheren Job. Sich von Vertretungsstelle zu Vertretungsstelle zu hangeln, kam für ihn nicht infrage. Seit August absolviert der 48-Jährige nun seine zweijährige berufsbegleitende Ausbildung, die dem Referendariat nachempfunden ist. Am Ende steht die Lehramtsprüfung. Wenn er die besteht, ist Lehmann dem klassisch ausgebildeten Lehrer gleichgestellt - auch finanziell.

Unterrichts-Vor- und -Nachbereitungen, der Austausch mit Schülern, Konferenzen, eigene Referate und Prüfungen im Rahmen der Ausbildung — das alles mache den Einstieg schwer. „Der Arbeitsaufwand und die Belastung in den ersten Jahren sind die eigentlichen Herausforderungen“, sagt er.

Aber lohnt es sich? Hat der promovierte Diplom-Physiker seinen Traumjob im Klassenraum gefunden? „Ich will den Begriff Traumjob gar nicht verwenden. Ein Traumjob ist einer von 1000“, sagt er. Ob er die Wahl wieder treffen würde, kann er heute nicht einmal sagen. „Ich hoffe, bald sagen zu können, dass sich die harte Einarbeitung gelohnt hat.“