Düsseldorfer Schulen Latein ist einfach nicht totzukriegen

Gerade wählen Fünftklässler zwischen Französisch und Latein. Und allen Unkenrufen zum Trotz bleibt die antike Sprache beliebt.

Düsseldorfer Schulen: Latein ist einfach nicht totzukriegen
Foto: Sergej Lepke

Düsseldorf. Es ist eine Frage, welche in diesen Tagen auch in Düsseldorf wieder viele Familien entzweit: Latein oder Französisch? Der Sprache der alten Römer ist zuletzt immer wieder der Niedergang an den Schulen vorhergesagt worden, immer weniger Universitäten verlangen das Latinum — doch der Beliebtheit von Latein tut das keinen Abbruch.

Als einziges Gymnasium in der Stadt macht das Görres Latein ab der fünften Klasse zur Pflicht. Rektorin Christine Leithäuser sieht viele Vorteile, etwa das Kennenlernen einer komplexen Grammatik und präziser Ausdrucksweise. „Offenbar gibt es noch die Anerkennung für den Wert der Sprache in einer Zeit, wo viele meinen, Schule müsse vor allem praktisch verwertbar sein.“

Am Marie-Curie-Gymnasium haben die Fünftklässler gerade gewählt, immerhin rund 40 Prozent haben sich für Latein entschieden. Schulleiterin Kerstin Abs freut das, sie unterrichtet selber Latein. Auch sie glaubt, dass Latein die Lernfähigkeit verbessert. Zudem ist ihre Beobachtung, dass Kinder, denen zum Beispiel für Französisch das Sprachgefühl fehle, bei Latein trotzdem zu guten Ergebnissen kommen können.

Als Belohnung zum Latinum gibt es am „Marie Curie“ nach der zehnten Klasse eine Rom-Exkursion mit viel klassischem Programm. „Sie ist trotzdem sehr beliebt“, sagt Kerstin Abs mit einem Augenzwinkern.

Klar ist: Viele Eltern machen sich die Entscheidung für ihr Kind nicht leicht, etwa Silke Reinemer, deren Sohn Philip aufs „Fliedner“ geht: „Sein großer Bruder hat gute Erfahrungen gemacht. Wir waren damals sehr unentschieden, dann hörte ich, dass Kinder mit einer Neigung zu Mathe in Latein gut zurechtkommen.“ Das werde sich hoffentlich auch bei Philip bewahrheiten. Zudem falle ihm das Auswendiglernen leicht.

Eine Mutter vom Humboldt-Gymnasium hatte andere Motive: „Für mich gehört Latein zur Allgemeinbildung, deshalb habe ich meiner Tochter dazu geraten.“ Es gebe so viele Begriffe lateinischen Ursprungs. Zudem vermittle der Unterricht Geschichtswissen.

So entscheiden sich offensichtlich auch viele andere Familien. Düsseldorfer Statistiken gibt es zwar keine, doch NRW-Zahlen weisen in diese Richtung. Seit 2001 ist die Zahl der Lateinlerner im Land um gut elf Prozent gestiegen — ein Effekt, der zwar vor allem auf die zunehmende Zahl von Gymnasialschülern zurückzuführen ist. Allerdings entspricht die relative Zunahme in etwa der von Französisch.

Beim Philologenverband NRW löst das keine Überraschung aus. Der Vorsitzende Peter Silbernagel hat beobachtet, wie es in den vergangenen etwa 15 Jahren einen Stimmungswandel zugunsten von Latein gegeben habe.

Über die Gründe könne er nur mutmaßen: „Meine Beobachtung ist, dass Eltern das Fach Latein in besonderem Maße mit gymnasialer Bildung verknüpften.“ In einer Zeit, wo die Grenzen zwischen den Schulformen nicht mehr so klar seien wie früher, könne die antike Sprache auch eine Art Distinktionsmerkmal sein. Es gebe das Klischee, dass in den Lateinklassen eher die etwas stärkeren Schüler zu finden seien: „Und so völlig falsch ist das, glaube ich, auch nicht.“