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Kurzweilige Geschichts- und Biostunde im Ostpark

Freizeit : Kurzweilige Geschichts- und Biostunde im Ostpark

Ein Rundgang mit der Biologin Regina Thebud-Lassak macht Lust auf weitere Spaziergänge. Das Gartenamt bietet sie bis November an.

Es ist diesmal eine kleine Gruppe, die sich am Eingang des Ostparks an der Wittelsbachstraße in Grafenberg trifft. Fünf Frauen haben sich beim Gartenamt für die Führung mit Regina Thebud-Lassak durch den Stadtteilpark angemeldet. Mit der promovierten Biologin geht es an diesem bedeckten frühen Mittwochnachmittag gleich los, um die Frühlingsboten im Ostpark zu entdecken. Am Ende staune ich, wie viele dieser Boten es hier gibt, Pflanzen, deren Namen ich nie zuvor gehört habe und Bäume, die ich zum ersten Mal bewußt sehe.

Meine bescheidenden Kenntnisse über die Pflanzenwelt stammen wohl noch aus der Grundschulzeit. Damals sammelten wir Blätter und Früchte, die dann den Bäumen zugeordnet wurden. Auf dem Gymnasium gab es genau ein Jahr lang Biounterricht. Es herrschte Lehrermangel. Aufgrund der immensen Wissenslücken war eine freiwillige Wahl des Faches in der Oberstufe undenkbar. Im Ostpark genieße ich nun den „Unterricht“, den Regina Thebud-Lassak locker und humorvoll leitet.

Die gebürtige Düsseldorferin hat auch in ihrer Heimatstadt Biologie studiert. Schon als Kind ging sie mit ihren Eltern gerne im Düsseldorfer Stadtwald spazieren. Jetzt ist die 64-Jährige Renterin und bietet für das Gartenamt und auch die Volkshochschule die Führungen in der Natur an.

Die beginnt sie erst einmal mit einer kurzen historischen Einführung. Wir erfahren, dass der kleine Park ab 1899 am damaligen Stadtrand angelegt wurde. Damals gab es entlang der Wittelsbachstraße noch keine Wohnbebauung. Der acht Hektar große Park wurde aber ein beliebtes Ausflugsziel für die Düsseldorfer, berichtet Thebud-Lassak. Und sie erzählt, dass es am Weiher sogar ab 1919 einen Ruderbootsverleih und später Gastronomie gab. Doch das Bötchenfahren interessierte die Düsseldorfer in den 1960er Jahren nicht mehr. Der Park wurde vernachlässigt und erst ab 2006 von der Stadt saniert.

Nach der interessanten historischen Einordnung bittet die Biologin nun zum Rundgang. Und wie bei dem gesamten Angebot des Gartenamtes, ist es möglich, den Experten auf den rund eineinhalb bis zweistündigen Führungen auch Fragen zu stellen.

Nach wenigen Metern nun bleibt die Gruppe im Ostpark bereits wieder stehen. Der erste Frühlingsbote ist zu sehen: Das Scharbockskraut mit seinen gelben Blüten. Die Biologin greift zum Messer, holt eines der Pflänzchen aus der Erde. Und sie hat gleich wieder Wissenwertes parat: „Der Name Scharbock ist eine Verballhornung des Wortes Skorbut.“ Dazu sei es gekommen, weil die Vitamin-C-haltigen Blätter unter der Blüte schon den Seefahrern gegen Mangelerscheinungen halfen. Doch jetzt im März seien die Blüten schon zu weit, deshalb rät die Expertin von einer Kostprobe ab.

Es geht weiter, wir sehen Buschwindröschen, die ihre zarten Blütenblätter dank der Sonne am Vormittag geöffnet haben. Vereinzelt stehen noch ein paar Schneeglöckchen da, aber die warmen Tage im Februar haben sie früher blühen lassen als sonst. Thebud-Lassak macht immer wieder auf gelb blühende Sträucher aufmerksam. Die sehe man nur jetzt. „Man sollte sich die Stellen gut merken und im August spätestens wiederkommen“, sagt sie. Es handelt sich um Kornelkirschen. Die sind dann im Sommer reif, dann pflückt sie die Biologin, die den Tipp gibt, die Früchte zu Marmelade und Likör zu verarbeiten. Die Früchte — dabei zeigt sie der Gruppe eine Abbildung aus einem Pflanzenbuch — dürfen auch von Besuchern im Ostpark gepflückt werden. „Doch brechen Sie bitte dabei nicht die Äste ab. Die Kirschen, an die man nicht rankommt, lässt man den Vögeln“, sagt sie.

Weiter geht es vorbei den Sträuchern der Japanischen Zierquitte mit ihren lachsfarbenden Blüten. Auf dem Boden entdeckt sie violette Märzveilchen, die sie sofort fotografiert. Eine Ecke weiter lenkt sie die Blicke auf den blauen Blütenteppich der Parkwiese: „Das ist der Persische Ehrenpreis.“ Werden die Tage nun sonniger, sei der nur noch kurze Zeit zu sehen“, erklärt sie. Und macht noch kurz Werbung für ihre nächste Führung am Freitag, 22. März. Um 14 Uhr geht es in den Garather Schlosspark und da gebe es gerade einen noch prachtvolleren Blütenteppich.

Am liebsten würde ich wieder dabei sein. Denn so viel habe ich in keiner Biostunde gelernt. Dazu gibt es Tipps und man erlebt die Natur viel bewußter.

Infos zu allen Exkursionen unter der Nummer 0211-8994800 oder im Internet: www.duesseldorf.de/stadtgruen/freizeit/fuehrungen1.html.