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Kunstpreis Düsseldorfer Aufklärungsdienst: Homöopathie und Co.

„Kunstpreis für kritische Geister“ : Kunst, die sich kritisch mit Religion und Irrationalismus auseinandersetzt

Der „Düsseldorfer Aufklärungsdienst“ bringt eine Sonderausstellung ins Stadtmuseum.

Die Menschen glauben an etwas. Und wenn dann die gewünschte Wirkung eintritt, sagen sie sich und anderen: „Siehste! Wusst’ ich’s doch, das hilft.“ Oder sie gehen noch weiter: „Das ist der Beweis.“ So ist es bei der Homöopathie, bei der Bachblütentherapie, beim Lichtfasten und anderen esoterischen Heilsversprechen. Und gewiss auch bei der Frage, ob ein Gebet zum christlichen Gott, zu Allah oder einer anderen divinen Autorität die gewünschte Wirkung hatte. Über solche Fragen lässt sich trefflich diskutieren, und Humanisten wie die von der Giordano-Bruno-Stiftung oder ihr regionaler Ableger, der „Düsseldorfer Aufklärungsdienst“ (DA), tun das immer wieder gern. Doch die Düsseldorfer Gruppe hat noch einen anderen Ansatz: das Thema über die Kunst zu erschließen.

Ihr Art-Award, ein „Kunstpreis für kritische Geister“, steht in diesem Jahr unter dem Thema „…wirkt nicht über den Placebo-Effekt hinaus“. 630 Künstler und Künstlerinnen haben ihre Arbeiten zu dem mit insgesamt 7000 Euro dotierten Wettbewerb eingereicht. Die 68 besten Beiträge werden vom 15. bis zum 23. August im Stadtmuseum (Öffnungszeiten: Di bis So, 11 bis 18 Uhr) in einer Sonderausstellung zu sehen sein. Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt am 23. August in einer Online-Preisverleihung. Auch die Besucher des Stadtmuseums habe ein Wörtchen mitzureden. Sie können per Stimmzettel den mit 1000 Euro dotierten Publikumspreis bestimmen. Über die Vergabe der drei Hauptpreise urteilt eine Jury aus Kunst und Wissenschaft.

Wir haben auf dieser Seite zwei der am Wettbewerb teilnehmenden Kunstwerke abgedruckt. Allerdings ohne Namen der Künstler, weil die Jury die Sichtung und Bewertung der Arbeiten anonym, also ohne Kenntnis des Künstlernamens, vornimmt. Daher auch an dieser Stelle keine Namensnennung. Wohl aber eine kleine Interpretationshilfe: Das obere Bild mit dem Titel „Zum Frühstück Schokolade“ zeigt eine Frau auf der Suche nach Glück, nach Einheit, nach Zweisamkeit, nach Sinn und Sicherheit. Die Bude vollgestopft mit allem, was Wunder, Heil und Genesung verspricht. Das Werk unten heißt „Schrei nach Freiheit“. Dieser Schrei wird durch das Angebot der goldenen Konsumpille beantwortet.

Werktitel: Schrei nach Freiheit (Digitalprint einer 3D-Arbeit, 60 x 90 cm), Künstler noch anonym. Foto: Künstler

In der Ausschreibung des Preises machte der DA den teilnehmenden Künstlern deutlich, worum es geht: „Wir glauben, weil wir uns etwas erhoffen. Doch an was genau wir glauben, wird extern formuliert – von Heilsbringern jedweder Couleur. Seien es Homöopathen, Anthroposophen oder eben die Megaplayer der Religionen, die Trost, Beistand und Heilung durch ein allmächtiges Wesen suggerieren. Doch der von Gläubigen erfahrene göttliche Beistand ist bei Lichte besehen auch nicht mehr als ein Placebo-Effekt.“ Diese Einsicht solle künstlerisch aufgegriffen werden.

Und wie haben die Künstler das nun umgesetzt? Eine Antwort erwartet ab Samstag die Besucher des Stadtmuseums. Darüber hinaus kann man die Vernissage auch im Internet verfolgen: Samstag, 15. August, 18 Uhr, über den Link www.youtube.com/c/GiordanoBrunoStiftung-Video.

Der DA setzt im Übrigen nicht nur auf die Kraft der Kunst, sondern auch auf die Überzeugungskraft der Worte. Die Ausstellung wird begleitet von drei Vorträgen, wegen Corona allerdings nur online zu verfolgen. Am Dienstag, 18. August ab 18.30 Uhr spricht Michael Schmidt-Salomon, Philosoph und Vorstand der Giordano-Bruno-Stiftung, über „Fakten, Fakes und gefühlte Wahrheiten: Warum es uns so schwerfällt, rational zu sein.“ Am 20. August ab 18.30 Uhr fragt sich der Physiker Holm Gero Hümmler, ob die „Quantenphysik die Esoterik erklärt?“. Und am 22. August ab 18.30 Uhr spricht die Homöopathie-Kritikerin Natalie Grams unter dem Titel: „Ist das Heilkunst, oder kann das weg?“. Links zu den Vorträgen, zur Online-Vernissage und Preisverleihung unter

www.aufklaerungsdienst.de