Kunstpalast - Rennwagen, die Lieblinge der Museums-Besucher

Kultur : Rennwagen, die Lieblinge der Museums-Besucher

Der Kunstpalast präsentiert das Auto als Design-Objekt, und die Gäste sind beglückt.

Ausstellungsräume sind heilige Räume. Im Kunstpalast defilieren normalerweise Besucher an Werken von Cranach, Rembrandt oder Zero vorbei. Pro Bild blicken sie höchstens eine Minute auf. Doch derzeit ist alles anders. Sie beugen und knien sich, recken und strecken sich, um die Rennwagen wie Kultobjekte zu umrunden. Obwohl es nach Gummi und nach Geld riecht, wirken sie glücklich. Die 29 ikonischen Rennwagen verdrehen ihnen den Kopf. Wir waren auf Stippvisite im Ehrenhof.

Das Publikum Es stammt aus allen Generationen, ist alt oder jung, reich oder arm, Enkel oder Großmütter, Vater, Sohn oder Tochter, Mutter mit Baby, Pärchen und Single. Es kommen Frauen allein, weil sie die Autos nicht den Männern überlassen wollen. Es befinden sich sehr viele Erstbesucher darunter, die noch nie im Haus waren. Seltener sind die Kunstkenner, die die Ophey-Ausstellung besuchen, um anschließend doch noch bei den Autos zu landen.

Die Käufer Der Shop ist eine wahre Fundgrube für die Besucher. Stapelweise Spielautos werden abgeschleppt. Autos als Flaschenöffner, Dekomotiv, Puzzle, Rätsel und Lektüre. Besonders beliebt sind farbige Kunststoffautos, aus denen der Zipfel eines Luftballons herausragt. Bläst man den Ballon auf, so fährt das Auto. Die Kassiererin freut es, denn der Shop ist eigentlich kleiner geworden. Nach Meinung der Käufer allerdings viel besser als früher. Und er liegt jetzt perfekt am Ein- und Ausgang. Jedermann muss an ihm vorbei. Vor dem Eintritt in die Ausstellung reservieren sich die Kunden schon die ersten zukünftigen Geschenke.

Die Fotografen Es wird geknipst wie der Teufel. Endlich mal eine Schau, wo man das darf. Die Säle sind allerdings recht dunkel, um die ikonischen Autos ins rechte Licht zu bringen. Prompt bringen die Gäste ganze Rucksack-Ladungen mit Stativen, Blenden und diversen Kameras mit. Natürlich murren sie, wenn sie das Gepäck an der Garderobe lassen müssen. Einfacher haben es die Handy-Besitzer. Da ihre Geräte nicht blitzen, dürfen sie fast alles tun und lassen, was sie wollen.

Der Senior Heinz Marius steht neben einem alten Alpha, reagiert auf den Overkill seines aktuellen Autos und sehnt sich in die 1950er Jahre zurück. Er sagt: „Wenn ich heute in meiner Klimbimkiste sitze, wo alles elektronisch ist, was ich gar nicht verstehen kann, möchte ich am liebsten einen schönen Oldtimer kaufen. Möglichst einen mit Zwischengas, denn früher waren die Autos ja nicht voll synchronisiert. Man musste den Schalthebel rausziehen, durchkuppeln, Gas geben, durchschalten und wieder Gas geben. Ich konnte den VW-Käfer wie im Schlaf fahren. Als Schüler hatte ich das Buch Neues Universum bekommen. Da wurde beschrieben, wie ein Auto gefahren, geschaltet und gekuppelt wird. Ich habe mir selber aus alten Federn und Scharnieren Pedale gemacht, das Ding lag dann auf Brettern vor mir auf dem Sofa und ich habe geübt: Gas geben. Bremsen. Der Fahrlehrer sagte: ‚Da sieht man, wer schon schwarz gefahren ist.‘“

Die Seniorin Rita Otto hat eine Art Card, geht in alle Ausstellungen und war keineswegs enttäuscht, statt Kunst Autos zu sehen. Sie sagt: „Was haben die Leute früher für schöne Autos gebaut. Ich könnte mir das nicht leisten, aber ich freue mich über diese Hingucker. Es ist kein Sakrileg, Autos auszustellen. Es ist Kunst. Es ist Schönheit.“

Das Kind Rubens Hammer ist zwölf Jahre alt. Er äußert sich begeistert über das Flügelauto, bewundert den roten Innenraum, die silbernen Radkappen und vergleicht die Türen, die heute viel tiefer enden. „Hier müsste man eigentlich hochsteigen, um reinzukommen“, sagt er. Der Vater freut sich über den kleinen Schlaumeier. Sie hätten am letzten Montag zusammen einen Porsche Carrera GTS gekauft, und der Sohn wusste von technischen Dingen, von denen er noch nie etwas gehört habe. „Bilder würde sich Rubens nicht angucken. Aber Autos sind spannend.“

Der Ingenieur Christian Greis kommt mit der 15-jährigen Tochter Anne. Er ist Ingenieur bei einer großen Autobaufirma. Für ihn geht es um Funktion und Formgebung. Er sagt: „Wir Ingenieure müssen dafür sorgen, dass die Gestaltung stimmt. Zu 80 bis fast 90 Prozent ist das Design ausschlaggebend für den Kauf. Das Auto muss toll aussehen. Aber das Design muss auch die Funktionen aushalten, die Aerodynamik, den Auftrieb, die Sicherheitssysteme. All diese Aufgaben, die aus der Technik kommen, müssen mit dem Design vereinbar sein.“ Beim Gang durch die Ausstellung erklärt der Vater, warum etwas sein muss, und die Tochter urteilt, ob es optisch gut gelöst ist oder nicht.

Die Großmutter Sie hat ihren Enkel Julian aus Leipzig zu Besuch und ein ganzes Veranstaltungsprogramm zusammengestellt. Die Autoschau ist der große Favorit. Julian revanchiert sich: „Die Beleuchtung der Autos ist perfekt. Man kann alle Details gut erkennen.“

Öffnungszeiten: Di-So 11-18 Uhr, Do 11-21 Uhr (läuft bis zum 10. Februar).

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