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Düsseldorf: Kunstakademie: Gregor Schneider als Bildhauer berufen

Düsseldorf : Kunstakademie: Gregor Schneider als Bildhauer berufen

Montag stellte der Senat unter Rektorin Rita McBride wichtige Weichen für die Zukunft am Eiskellerberg.

Düsseldorf. In einer knapp vierstündigen Mammut-Sitzung arbeitete am Montag der Senat der Kunstakademie alle wichtigen Themen ab. Als Leitungsgremium des Hauses änderte er die Verfassung, schlug einen neuen Kanzler zur Berufung vor, segnete das Programm für Akademie-Ateliers ab und nahm neue Ehrenmitglieder in seine Reihen auf.

Außerdem entschied er sich für eine Berufung, die eine kleine Sensation ist: Aus drei Vorschlägen für die Besetzung einer Bildhauerstelle entschied er sich dafür, Gregor Schneider als Professor ans Haus zu holen.

Gregor Schneider, derzeit noch Professor in München, ist die Überraschung. Sein großer Vorteil ist nicht nur das internationale Renommee, das er seit der Verleihung des Goldenen Löwen auf der Biennale von Venedig genießt, sondern auch seine Nähe zu Düsseldorf. Er wohnt im benachbarten Mönchengladbach-Rheydt, hat dort sein berühmtes „Haus u r“ und ein riesiges Atelier. Und er spricht Deutsch.

Der Künstler ist aus der Kunstakademie Düsseldorf hervorgegangen, hatte parallel dazu in Hamburg studiert und ist Meisterschüler von Fritz Schwegler. Bei der großen Überblicksausstellung in der Kunstsammlung NRW, die von der Akademie unter Rektor Tony Cragg zusammengestellt wurde, hatte man ihn allerdings vergessen. Als er sich meldete, damit man ihn wenigstens in den Katalog aufnahm, wurde ihm selbst dieser Wunsch abgeschlagen. Nun hat sich die Meinung am Eiskellerberg seiner Kunst gegenüber ganz offensichtlich geändert. Wann er anfängt, ist allerdings noch unklar.

Schneider steht für ein neues Bild des Bildhauers. Er arbeitet nicht in Räumen, sondern mit Räumen. Er stellt keine Plastik irgendwo hin. Seine Vorliebe gilt dem schwarzen Raum, der alle architektonischen Vorgaben an Höhe, Tiefe und Ecken wegblendet. Der Mensch sieht im Schwarzen nichts. Letztlich zielt Schneiders Kunst auf existenzielle Fragen. Dazu gehört der schwarze Kubus mit den Ausmaßen der Kaaba genauso wie der Sterbezimmer. Mit beiden Arbeiten löste er auch Kritik aus.

Interessant ist auch die zweite Personalie. Jochen Beißert wechselt als Kanzler von der Kunstakademie Dresden nach Düsseldorf. Er löst Dietrich Koska ab, dessen Vertrag nicht verlängert wird. Koska hatte zugelassen, dass die Stellenanzeige für seinen Posten falsch abgefasst wurde, so dass die Stelle neu ausgeschrieben werden musste.

Breiten Raum in der Senatssitzung nahm die sogenannte Grundordnung ein. Das neue Kunsthochschulgesetz der Landesregierung sieht eine Änderung der Zusammensetzung im Senat vor, die Akademie beschloss jedoch einen Ausnahmeantrag. Statt eine Parität zwischen Studenten, Mitarbeitern und Professoren im Senat herzustellen, will sie dabei bleiben, dass die Hochschullehrer weiterhin eine Mehrheit haben. Unabhängig davon sollen sich aber auch alle an der Akademie Tätigen angemessen vertreten fühlen. Rektorin Rita McBride betonte: „Es hat eine lange Tradition, die Kunst stets in den Mittelpunkt zu stellen.“

Das Konzept für die Akademie-Ateliers in den alten Rheinbahn-Hallen am Steinberg wurde abgesegnet. Außer Meisterschülern der Akademie sollen auch internationale Künstler aufgenommen werden. Das Rektorat kann nun Verhandlungen mit der Stadt und dem Land aufnehmen.

Neue Ehrenmitglieder sind Piene, Mack und Sieverding.