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Zirkus Upsala: Mit Artistik wieder ins Leben finden

Zirkus Upsala: Mit Artistik wieder ins Leben finden

Soziales Engagement und Kunst: Bereits zum fünften Mal gastiert der Straßenkinderzirkus aus St. Petersburg im FFT.

Düsseldorf. Kann eine Stadt in einem Koffer stecken? Beim Zirkus Upsala schon. Ein Mann zieht mit einem Koffer durchs Land, der mit den schönsten Fantasien gefüllt ist. Als er ein trauriges Mädchen trifft, erzählt er ihr von einer wundersamen Stadt, die sich in seinem Koffer befindet, und öffnet ihr so den Weg in eine fröhlichere Welt. Das Stück "Stadt im Koffer" eröffnet heute das diesjährige zweiwöchige Gastspiel des Zirkus Upsala, dem Straßenkiderzirkus aus St. Petersburg im FFT Juta.

Den Kindern einen Weg in eine fröhliche Welt öffnen - das wollen auch die Verantwortlichen von Upsala. Bereits seit dem Jahr 2000 bemühen sie sich, die Kinder von der Straße der russischen Metropole zu holen und sie wieder in ein normales Leben zu integrieren. Das beinhaltet regelmäßigen Schulbesuch, aber eben auch sechsmal die Woche Training in Artistik.

"Wenn sie nicht mitmachen dürfen, ist das für sie eine Strafe", berichtet Larisa Afamaseva. Die 32-Jährige stammt aus Sibirien, hat Regie studiert und bisher alle der sieben Stücke mit den Kids erarbeitet. Mitterweile machen 50 Kinder im Alter von sechs bis 20 Jahren mit. Neu sind dabei zwei Gruppen mit Behinderten.

Lange hat sie und die anderen acht erwachsenen Betreuer für das Projekt kämpfen müssen. Erst nach drei Jahren und diversen Notunterkünften konnten sie in Russland ein festes Domizil in einer Sporthalle finden. Im Sommer trainieren sie standesgemäß in einem Zelt. Die Kreativen erhalten tägliche Unterstützung durch Sozialarbeiter und Mediziner. "Der Zirkus und die Artistik ist dabei nur eine Methode, dass die Kinder wieder zu sich finden", erzählt die Regisseurin. Dabei verlangen sie und ihr Team Disziplin von jedem einzelnen: "Die Kinder müssen regelmäßig kommen und mitmachen. Drogen, Alkohol und Zigaretten sind strikt verboten, gerade auch, weil viele Kinder von ihrem Leben auf der Straße einen Drogenhintergrund aufweisen."

Die Stücke entwickelt sie spielerisch. "Es gibt schon eine Grundidee, meist mit einem philosophischen Hintergrund, aus dem heraus wir die Stücke entwickeln", erklärt die Russin in gutem Deutsch. Schließlich hat sie in Deutschland mittlerweile viele Partner für ihr soziales Projekt gefunden. Die Düsseldorfer Obdachlosenhilfe "fiftyfifty" ist dabei ganz wichtig. Bereits seit 2003 holt sie Upsala regelmäßig nach Düsseldorf, wo der Zirkus im Juta gastiert. Die Einnahmen kommen dem Zirkus zugute.

Ursprung Der Zirkus Upsala entstand 2000, als Straßenkinder im Zentrum von St. Petersburg Zirkuskunststücke vorführten. Die Regisseurin Larisa Afamavesa (Foto) hat alle sieben Stücke mit den Kindern einstudiert.

Vorstellungen im FFT Viele Vorstellungen sind bereits ausverkauft, Karten gibt es noch für "Stadt im Koffer" am 14., 15. und 20. 7. sowie für "Rundes Märchen" am 21. und 22. 7. Karten unter Tel. 0211/87 67 870.