Zero-Foundation Düsseldorf erhält Schenkung aus Nachlass von Galeristen

Kunst : Wie ein Kunstliebhaber am Welterfolg der Düsseldorfer Zero-Künstler mitwirkte

Kunstkritiker William E. Simmat förderte Otto Piene oder Heinz Mack mit einer Galerie. Nun erhält die Zero-Foundation eine Schenkung aus seinem Nachlass.

Otto Piene (1928-2014), Heinz Mack und Günther Uecker zählen zu den bekanntesten Künstlern der Gegenwart. Als das Trio vor rund 60 Jahren in Düsseldorf die Zero-Bewegung einläutete, war der Ruhm des Kunstmarktes allerdings noch weit weg. Zwar wollten sie die Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg erneuern, bei Null anfangen, wie der Name verhieß, zwar war Düsseldorf als damaliger Hotspot der Avantgarde-Kunst auch der perfekte Ort für Piene, Mack und Uecker, doch mussten sie ihre Feuer- und Rauchbilder, ihre aufblasbaren Himmelsskulpturen oder Lichträume erst einmal an ein breiteres Publikum bringen. Ende der 1950er Jahre existierten Off-Spaces (also nichtkommerzielle, unabhängige Ausstellungsräume für junge, unetablierte Kunst) oder Künstler-Galerien noch nicht. Die Zero-Gruppe stellte stattdessen in ihren Ateliers aus, die lagen in Hinterhof-Räumen einer einstigen Möbelfabrik an der Hüttenstraße.

Dass Piene, Mack und Uecker zu Senkrechtrechtstartern der Kunstwelt avancierten, sprich in internationalen Galerien in Italien, den Niederlanden oder den USA landeten, verdanken sie auch engagierten Kunstliebhabern. Einer von ihnen ist der Frankfurter Kunstkritiker und Psychologe William Ernst Simmat. Im Jahr 1962 gründete er in der hessischen Main-Metropole gemeinsam mit dem deutschen Zero-Künstler Hermann Goepfert (1926-1982), dem österreichischen Kunsthistoriker Wieland Schmied (1929-2014) und dem Berliner Galeristen Rochus Kowallek (geboren 1926) die „Galerie d - Vereinigung für moderne bildende Kunst“. Bis 1964 organisierte die Galerie vierzehn Einzelausstellungen von Künstlern der Zero-Bewegung und deren Umfeld sowie verschiedene Gruppen-Schauen.

Der Nachlass von William E. Simmat ist nun der Zero-Foundation in Düsseldorf geschenkt worden. Darunter befinden sich laut der Stiftung „einzigartige Korrespondenzen“, die detailliert darüber Aufschluss geben, welche Rollen Piene, Mack und Uecker im internationalen Künstlernetzwerk spielten. Sie versuchten etwa, im Briefwechsel mit Simmat Einfluss darauf zu nehmen, welche Künstler in der großen Schau „Europäische Avantgarde“ (1963 im Frankfurter Römer) gezeigt werden sollten, und welche nicht. Außerdem wird das Spezialarchiv der Zero-Foundation  um Fotografien, Kataloge, Einladungskarten, Kunstkritiken und Korrespondenzen erweitert.

Die Zero-Foundation befindet sich im ehemaligen Atelierhaus der Künstlergruppe an der Hüttenstraße. Sie will das Werk der Zero-Bewegung erhalten, präsentieren, erforschen und fördern.

zerofoundation.de

Mehr von Westdeutsche Zeitung