Wohin kommt das Bundesfoto-Archiv?

Kultur Kompakt : Essen will das Foto-Zentrum des Bundes haben

Die Ruhrmetropole tritt in Konkurrenz zur Landeshauptstadt.

Das Chaos um den Standort des neuen Foto-Zentrums ist perfekt. Nachdem Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) ein Bundesarchiv mitsamt Bundesmitteln von 41,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt hat, stellten die Parlamente in Berlin und Düsseldorf ihrerseits Mittel in den Etat und betonen den Standort Düsseldorf. Prompt zeigt sich Grütters „verwundert“, während Essen Nägel mit Köpfen macht und eigene Konzepte an Bund und Land schickt.

Essen hat gute Voraussetzungen in Beständen, Professoren und Studenten.  Die Folkwang-Universität der Künste meldet 200 Foto-Studenten und sechs Fachprofessoren für Theorie und Praxis. Düsseldorf hat 25 Studenten und einen Foto-Professor.

Die Sammlungen sind riesig. Das  Museum Folkwang deckt die gesamte Geschichte ab, mit regelmäßigen Ausstellungen und mit Foto-Kuratoren, die über die Krupp-Stiftung finanziert werden.

Das Historische Archiv Krupp greift gar auf 2,5 Millionen Bilder seit dem Sammlungsbeginn unter Alfred Krupp zurück. Das Ruhrmuseum besitzt vier Millionen Negative, mit Schwerpunkten in den 1930er und seit den 1950er Jahren. Mit keinem dieser Archive kann Düsseldorf mithalten.

Über das Konzept berichtet der Folkwang-Museumschef Peter Gorschlüter im Telefongespräch. Er nennt einen dreistufigen Arbeitsplan. Der erste Schritt ist die Zusammenarbeit aller Institutionen in der Restaurierung und Konservierung. Man werde noch in diesem Jahr ein gemeinsames Restaurierungsstudio mit zwei Planstellen einrichten und beim Museum Folkwang ansiedeln.

Zweitens arbeite man ab sofort in Wissenschaft und Bildung zusammen und plane internationale Symposien.

Drittens richte man ein eigenes Medienzentrum für Fotografie ein, fasse die großen, einmaligen Fachbibliotheken zusammen und digitalisiere das Material.

Gorschlüter betont zugleich, dass ein Bundesarchiv noch umfänglicher sei, weshalb man es nach Essen holen wolle. Man verfolge daher die weitere Entwicklung gespannt. Denn noch sei nichts entschieden.