Wie steht es um die Gaming-Kultur in Düsseldorf?

Feuilletönchen : Düsseldorf – die Stadt der digitalen Spiele

Das Next Level-Festival fand zum letzten Mal in Düsseldorf statt. Doch die NRW-Landeshauptstadt braucht weiterhin solche Veranstaltungsformate. Denn hier hat sich bereits eine Kultur der Computerspiele etabliert.

Computerspiele waren einst verrufen. Lange galten sie als Freizeitbeschäftigung von sozial inkompetenten Nerds. Später wurden sie mit dem polemischen Kampfbegriff „Killerspiele“ versehen und für eine gesamtgesellschaftliche Verrohung verantwortlich gemacht. Heute zählen Games längst zur Alltagskultur, ja noch mehr: Sie sind in den Rang von Kulturgütern aufgestiegen. Theaterregisseure entwerfen Stücke als Game-Parcours, Medienkünstler kreieren Videos mit Szenerien aus Computerspiel-Welten oder entwerfen interaktive Installationen, in die Besucher mit Virtual-Reality-Brillen eintauchen oder sie gar mit Konsolen selbst steuern können. Auch die Wissenschaftler haben die digitalen Spiele längst als Forschungsgegenstand entdeckt: Literaturwissenschaftler analysieren die Erzählungen, die Kunsthistoriker und Filmwissenschaftler die Bildsphären und Spielsequenzen, Musikwissenschaftler das Sounddesign.

Wie Kunst und Computerspiel Hand in Hand gehen, zeigte sich am vergangenen Wochenende beim Next Level-Festival im NRW-Forum. Der niederländische Künstler Marnix de Nijs präsentierte eine interaktive Installation namens „Ghosted Views“. Auf einer großen Leinwand flirrte das nachttdunkle Düsseldorf. Als blickte man aus einem Flugzeugfenster. Eine Säule mit fußballgroßer Metallkugel diente als „Steuerknüppel“. Man musste sie berühren, um über oder in die Stadt zu fliegen. Irgendwann landete man schließlich im Ehrenhof. Nur, dass alle Häuser und Gebäude aus Punktwolken bestanden, durchdringlich und somit wie Geister wirkten. Begleitet von apokalyptischem Sound. Ein spannender Kommentar auf unsere virtuellen Kartierungen von Landschaften. Über Google Street View können wir uns durch alle Gegenden der Welt manövrieren, ohne sie aufsuchen zu müssen.

Außerdem konnte man sich auf Spiele-Parcours tummeln, die eigens von Künstlern und Game-Designern kuratiert wurden. Sie haben Spiele ausgesucht, die nicht in erster Linie dazu dienten, zu unterhalten. In einem Spiel galt es, sich mit einem riesigen Hammer eine hohe Felswand hinaufzubugsieren. Immer wieder fiel man hinab und konnte nachempfinden, wie Sisyphos sich gefühlt haben musste. In einem anderen Spiel konnte man sich mit einer VR-Brille in eine Gefängniszelle hineinbegeben. Über Kopfhörer waren Stimmen von Menschen zu hören, die über ihr Leben in Einzelhaft berichteten. Ein Game ohne Spielziel oder Fortschritt.

Es ist schade, dass das Next Level-Festival nach drei Runden nicht mehr in Düsseldorf veranstaltet wird. Das liegt aber hauptsächlich daran, dass das NRW-Kultursekretariat als Initiator auch andere Städte als „Spielstätten“ berücksichtigen muss. Nächstes Jahr ist Essen an der Reihe. Es wäre aber zu wünschen, dass Düsseldorf ein eigenes Games-Festival ins Leben ruft, um sich als Stadt der digitalen Spiele zu etablieren. Denn mit Ubisoft Bluebyte residiert hier nicht nur einer der wichtigsten Spiele-Entwickler in Deutschland. Anfang Dezember wird das Holocafé eröffnen, wo zu Kaffee VR-Spiele ausprobiert werden können. Außerdem findet in der Filmwerkstatt am 13. Dezember wieder der Gametreff NRW statt, wo Spiele-Entwickler regelmäßig zusammenkommen. Zudem treffen sich Spiele-Entwickler im Coworking Space „Super 7000“ regelmäßig zum „Game Developers Meetup“. Und nicht zuletzt bildet die hiesige Mediadesign Hochschule Game-Designer aus.

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