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Wie Museen von der Cardin-Schau im Kunstpalast lernen können

Feuilletönchen : Wie Museen von der Cardin-Schau lernen können

Der Kunstpalast zeigte, wie man eine Ausstellung zu einem attraktiven Erlebnis macht.

Am Sonntag ist im Kunstpalast die Ausstellung zum französischen Modezar Pierre Cardin zu Ende gegangen. Leider. Schade, dass sie nicht länger lief. „Fashion Futurist“ zählte zu den Schauen, die man immer wieder besuchen konnte, ohne, dass einem langweilig geworden wäre. Sie zog einen magnetisch an. Kuratorin Barbara Til, die im Kunstpalast den Bereich „Skulptur, Design, Angewandte Kunst“ leitet, hat es geschafft, eine Ausstellung zum Erlebnis zu machen. Sinnlich und informativ. Sie inszenierte das Werk des 97-jährigen Modeschöpfers in verschiedensten Formen. Überall „posierten“ Mannequins mit den faszinierend futuristischen Kleidungsstücken und Accessoires, mit denen Cardin zu einem Pionier-Designer der sogenannten „Space-Age“-Ära und der „Swinging Sixties“ avancierte. Er ließ sich vom Mode-Stil der anti-bürgerlichen Jugend- und Subkulturen inspirieren. Die Outfits sind schrill, bunt, sexy und witzig. Die Frauen tragen Astronautenhelme, Hosenanzüge im Harlekinmuster, in die Jacken der Männer sind Scheiben eingearbeitet, die an Schallplatten erinnern.

 Eine Jacke mit Scheibendetail, inspiriert von Schallplatten.
Eine Jacke mit Scheibendetail, inspiriert von Schallplatten. Foto: Thomas Frank

Zudem traf man auf Modezeichnungen, Filme, Fotos, Zitate und eingängige Texte, die auch klar gemacht haben, warum sich die Kollektionen eines Modemachers in einem Kunstmuseum wiederfinden. Erstaunlich, wie bildhauerisch Pierre Cardin gearbeitet hat. Zu sehen etwa an einem geometrisch konstruierten Hängekleid, zusammengesetzt aus einzelnen Plexiglasplättchen, die mit feinen Drähten aneinander befestigt sind. Beim Tragen verwandelt es sich in eine bewegliche Skulptur. Daneben prangte die Aussage des Modeschöpfers an der Wand: „Jedes Model ist eine architektonische oder plastische Konstruktion. Der einzige Unterschied besteht darin, dass seine Formen bewegt sind.“ Der Höhepunkt der Ausstellung war ein offener Spiegelkasten, in dem sich glockenförmige Frauenröcke oder Abendkleider wie Pflanzen erstreckten. In den Spiegeln verschwammen die Kreationen in all ihren Farben – die Installation mutierte selbst zum Kunstwerk.

So manchem Direktor und Kurator anderer Düsseldorfer (Kunst)museen zeigte Barbara Til, wie man auch „kunstferneren“ Besuchern auf attraktive Weise Kunst vermittelt.