Matthias Deutschmanns teuflisch gute Beratung im Düsseldorfer Kommödchen Der Sachverständige fürs Satirische

Düsseldorf · Kabarettist Matthias Deutschmann brachte sein Cello mit ins Kommödchen.

„Mephisto Consulting“ hat Matthias Deutschmann sein aktuelles Programm überschrieben, das er im ausverkauften Kommödchen vorstellte. Mephisto, so ließ er sein Publikum wissen, habe er schon immer spannender und witziger gefunden als Faust. Für den 63-Jährigen also der passende Namensträger für sein Beratungsunternehmen. Nach der Corona-Pandemie, so erzählte Deutschmann, hätte er schließlich ein weiteres Standbein gebraucht – und Beratung hätten seiner Ansicht nach einige nötig. Die Bundeswehr zum Beispiel, von der Ampel-Regierung ganz zu schwiegen.

Deutschmanns bissige Bestandsaufnahme zur Lage der Nation ließ nichts aus: Sahra Wagenknecht bescheinigte er eine toxische Beziehung, Olaf Scholz, dass man ihn nichts fragen sollte, wenn man Antworten erwarte. Und er schlug vor, Volker Pispers aus dem Ruhestand zu holen, um ihn als Kanzlerkandidaten aufzustellen. Ein junger Kollege habe ihm kürzlich gesagt, dass man keine Witze über das Gendern machen soll. Natürlich ließ sich Deutschmann davon nicht abhalten und hinterfragte genau dieses Thema. Er sei da ganz liberal, sage nicht mehr „meine Damen und Herren“, schließlich sei das ja eine „vorherige geschlechtliche Festlegung“. Stattdessen empfahl Deutschmann seinem Publikum, „bleiben Sie morgens so lange liegen, bis Sie wissen, als was Sie gehen wollen“.

Mit dem Düsseldorfer Traditionshaus Kommödchen verbindet Matthias Deutschmann eine lange Freundschaft. „Kay und Lore Lorentz habe ich meinen Beruf zu verdanken“, erzählte der gebürtige Betzdorfer. In den Jahren 1984 bis 1986 war er dort Texter. „Ich war jung, ich war wütend, und ich brauchte das Geld“, erinnerte sich Deutschmann augenzwinkernd an seine ebenso engagierten wie radikalen Texte, die Kay Lorentz damals auch schon einmal Kopfzerbrechen bereitet hätten.

Als Kabarettist hat sich Matthias Deutschmann in 40 Jahren einen festen Platz auf der Bühne und im Fernsehen gesichert. Sein Markenzeichen wurde das Cello – das er selbst als seinen „instrumentalen Rollator“ bezeichnet, weil ihn das Zupfen der Saiten beruhige und stabilisiere.

Deutschmanns teuflisch satirische Bestandsaufnahme blieb trotz der Triggerwarnung am Beginn des Abends, dass „dieses Programm Mikroaggressionen enthält“, unaufgeregt. Dafür trafen seine Pointen oft einen wunden Punkt, der das Publikum zwischendrin zu ungläubigen Ohs und Ahs hinriss. „Ich mag es, wenn die Emotionen zu mir auf die Bühne branden“, kommentierte Deutschmann.

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