Wie Düsseldorfer Kinos auf einen möglichen Rekord-Sommer reagieren

Kino : So wappnen sich Düsseldorfer Kinos für einen zweiten Rekord-Sommer

Verkostungen, Familienprogramme, Filme für Anime- oder Opern-Fans – Lichtspielhäuser setzen auf das Erlebnis.

Die Wetter-Experten schlagen seit Monaten Alarm: Der Sommer 2019 könnte noch extremer werden als der Rekord-Sommer 2018. Noch trockener, noch heißer. Wie hat sich der vergangene Super-Sommer auf die Besucherzahlen in den Düsseldorfer Kinos ausgewirkt? Locken die Lichtspielhäuser in der Hitze-Periode Fans mit Sonderveranstaltungen? Und leiden sie unter Film-Streaming-Diensten wie Netflix oder Amazon Prime oder Video-Plattformen wie YouTube?

Für alle Kinos in Düsseldorf war 2018 kein einfaches Jahr. Nicht nur, dass der Sommer sehr heiß war, auch die Fußball-WM machte den Film-Theatern zu schaffen. Die Multiplex-Kinos Cinestar, UCI und Ufa-Palast veröffentlichen aus Wettbewerbsgründen keine Besucherzahlen, doch verzeichneten sie 2018 bundesweit einen drastischen Zuschauerschwund: nur acht Millionen Menschen kamen ins Kino, das sind 15 Prozent weniger als im Vorjahr – so die Zahlen der Filmförderungsanstalt (FFA). Die Düsseldorfer Filmkunstkinos mussten trotz Rekord-Sommer und Fußball-WM nicht so erhebliche Besuchereinbußen hinnehmen: 168 000 Menschen kamen ins Atelier im Savoy, Bambi, Cinema, Metropol und Souterrain – im Vergleich zum Vorjahr mit 174 000 Besuchern ein Rückgang von drei Prozent. Das habe vor allem an den ersten vier Monaten 2018 gelegen, in denen zahlreiche Besucher in die Programm-Kinos strömten, sagt Programmleiter Kalle Somnitz.

Für den Sommer 2019 geben sich sämtliche Düsseldorfer Kinobetreiber optimistisch. Sie setzen auf das Kinoerlebnis: „Gerade, wenn es draußen heiß ist, kann man hier sehr gut entspannen und in einem gut klimatisierten Saal Filme genießen, vorher oder oder nachher noch einen Cocktail bei uns oder im Medienhafen trinken oder ein Kaltgetränk in unserer Lounge“, sagt Stephan Kalkbrenner, Theatermanager vom UCI Düsseldorf. Außerdem wolle man Familien mit dem „We-are-Familiy-Preisangebot“ ins Kino locken: Erwachsene zahlen in Begleitung von Kindern in allen Vorstellungen den Kinderpreis. Das Cinestar versucht Kunden mit einer sogenannten „Loyalty Card“ zu binden, das bedeutet, etwa für 5 Euro den Film der Woche oder jeden elften Film gratis sehen zu können. Der Ufa-Palast hat ein „Ferienkino“-Programm (15.7.-25.8.) entwickelt. Für „Der König der Löwen“, „Toy Story“, „Pets 2“ oder „Benjamin Blümchen“ zahlen Kinder und Jugendliche 4,50 Euro, Erwachsene 5,50 Euro. Auch das UCI setzt auf „Kinder-Lieblinge“, bedient aber auch Anime-Fans mit „Detektiv Conan“, Star-Trek-Fans mit der Doku „Star Trek: What We Left Behind“, Rock-Fans mit dem Konzertfilm „The Cure“ zum 40. Jubiläum der britischen Band oder Klassik-Liebhaber mit „Jonas Kaufmann: Eine italienische Nacht“, dem legendären Konzert des Opernsängers aus der Berliner Waldbühne im Sommer 2018.

Auch die Programmkinos veranstalten Events rund um ihre Filme. Zum Auftakt des japanischen Films „Ramen Shop“ wurden Besucher mit japanischer Nudel-Suppe verkostet. Auch Kooperationen mit dem Luxus-Supermarkt Zurheide sind geplant. Inhaltlich setzen sie auf die neuen Filme von Regie-Hochkarätern Quentin Tarantino (“Once Upon A Time in ... Hollywood“), Jim Jarmusch (“The Dead don’t die“) und Pedro Almodóvar (“Leid und Herrlichkeit“).

Streaming-Dienste oder Video-Plattformen betrachten alle Düsseldorfer Kinos nicht als bedrohliche Konkurrenz, zumal neue Studien besagen, dass die Nutzer von Video-on-demand-Angeboten sogar eher häufiger ins Kino gehen als der Durchschnitt.

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