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Tonhalle: Wie aus einem Musikstück über die Erde Filmmusik wird

Tonhalle : Wie aus einem Musikstück über die Erde Filmmusik wird

In der Tonhalle wird Johan de Meijs 3. Symphonie „Planet Earth“ erstmals gemeinsam mit einem Film gezeigt.

Wenn man die Musik des niederländischen Komponisten Johan de Meij, insbesondere seine dritte Symphonie „Planet Earth“ hört, muss man sogleich an große Leinwand denken. Doch das dreisätzige Stück, das 2005 im Auftrag des Nordniederländischen Orchesters entstanden ist, war gar nicht als Filmmusik gedacht. Erinnern indes die eingängigen in bunte wirbelnde und schwirrende Klangeffekte eingebundene Melodien, die mächtigen Bläsersätze, die mitreißenden Klangteppiche und die ohnehin wunderbar dicht orchestrierte Textur dieser Musik doch wirklich an den Sound von Hollywood; und das in bester Manier. Jener Klang, der von Komponisten wie Korngold und Co. aber auch beispielsweise Gustav Holst geprägt ist, hat seine eigenen Gesetze.

Bei Filmmusik geht es um den großen Pinsel, um das Satte und eine Stimmung sogleich perfekt treffende Moment, um Effekte, die dennoch höchst kunstvoll gemacht sein müssen. Filmmusik braucht sich nicht zu schämen, wenn sie Gutes von anderen Komponisten kopiert oder Klischees zitiert, wenn sie auf altbewährte Rezepte setzt und diese in immer wieder berauschende Musik fügt. Auch Johan de Meijs Musik ist derart unbefangen und nutzt die gesamte Palette der heute zur Verfügung stehenden orchestralen Ausdrucksmittel sehr effektvoll. Und dennoch ist es keine Filmmusik, die er gemacht hat. Sind es auch oft „Geschichten“, über etwa „Der Herr der Ringe“ oder auch „Casanova“ die seine Musik erzählen will.

Aber bei dem kommenden Ignition-Konzert in der Tonhalle – das Programme speziell für ein jüngeres Publikum unter einer Marke vereint – wird sowohl seine Musik, als auch ein Film und Filmmusik selbst eine Rolle spielen.

Kurz erklärt: Johan de Meijs Werk wurde von Gustav Holsts Suite „Die Planeten“ inspiriert. Musik, die sich allen Planeten unseres Sonnensystems widmet, aber eben nicht der Erde. Diese fehlte und für eben unseren Planeten hat de Meij seine „Planet Earth“-Symphonie geschrieben. Mit Bezügen zu Holst, die aber nur eine Art erste Keimzelle für seine Symphonie darstellen. Bei ihm gibt es spacige Geräusche, sogar Zitate auf Altgriechisch zu Ehren der personifizierten Erde „Gaia“. Gesungen von einem Chor (Brabant Koor).

Weil diese Musik aber so filmisch klang, hatte seine Frau die Idee, dass man doch trefflich einen Film zu dem Stück drehen könne, berichtet de Meij uns. Dies tat sie auch, perfekt passend zu der Musik, wie er uns erzählt, mit besonderen Naturaufnahmen. Also wurde aus Musik, die eigentlich keine Filmmusik ist, aber eine solche Sprache spricht, nun doch Filmmusik. Aber umgedreht. Mit einem Film zur Musik und nicht Musik zum Film. Film und Musik werden in Düsseldorf zum ersten Mal live zusammen zu erleben sein – eine Weltpremiere (Regie Jörg Mohr, Media Artist Fritz Gnad).

Ein weiterer Aspekt, der das Konzert am Freitag, 7. Februar, um 18 Uhr mit den Düsseldorfer Symphonikern unter der Leitung von Jesko Sirvend so besonders macht ist: De Meijs Musik wird umrahmt von Musik, die eine sehr ähnliche Sprache spricht. Holsts „Planeten“ selbst, aus dem „Mars“ und „Jupiter“ zu hören sein werden und John Williams „Imperial March“ (aus Star Wars). Denn auch jene Musik aus Hollywood bediente sich ungeniert an Holst und anderen. Und de Meij wiederum schreibt Musik, die John Williams’ gar nicht so unähnlich ist, ist seine Musiksprache auch individuell und natürlich eigenständig. Dennoch wie bei Williams, so auch bei de Meijs mag gelten – wie er selbst sagt: „Steal from the best“ (Klaue von den Besten). Was übrigens Komponisten immer schon – mal mit größerem, mal mit weniger großem Erfolg – getan haben.

Aber de Meijs Musik ist abseits aller Anklänge an den großen Hollywood-Sound einfach Musik, die einen zum Träumen anregen kann – ganz niederschwellig die Emotionen der Hörer anspricht und dennoch mit Liebe zum Detail geschrieben ist. Was will man mehr bei einem Konzert speziell für junges Publikum, das vielleicht danach sich auch mal an die großen alten Meister der Spätromantik wie Mahler herantraut?

Alle Infos und Karten unter:

tonhalle.de