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Tanzhaus NRW: Wenn Tanz aufs Digitale trifft: Von technisch hart bis sinnlich weich

Tanzhaus NRW : Wenn Tanz aufs Digitale trifft: Von technisch hart bis sinnlich weich

So war der erste Teil das Festivals Temps d’image am Tanzhaus, bei dem Performance digitaler Ästhetik begegnet.

Temps d’image, das Festival für Grenzbereiche zwischen Tanz, Performance, ja darstellende Kunst im Allgemeinen und Digitalität, ist im vollen Gange. Wie schroff sich aber Positionen, die das Festival zusammengetragen hat, unterscheiden können, zeigte schon der Eröffnungsabend. Während die große Bühne den harten technischen, bis in das Schmerzhafte das Maschinelle hinter der Realität heraufbeschwörenden, Arbeiten Hiroaki Umedas gehörte, wurde es in einer Eins-zu-eins-Performance mit Stéphane Gladyszewski sehr intim.

Auftakt zwischen kalter Technik und sinnlicher Begegnung

Umeda ließ zunächst auf einer mit hübschen digital erzeugten Lichteffekten versehenen Bühne drei namhafte Tänzerinnen der Streetdance-Szene Japans zu härtesten digitalen Klängen ihre Bewegungskunst vorführen. Im zweiten Teil stand er selbst auf der Bühne. Strukturen, die an Zellenwachstum oder DNA-Sequenzen erinnern mögen, wurden auf die Bühne projiziert. Mit diesen schwarzweißen Bilderfluten, die schnell zusammengeschnitten und querständig zueinander gestellt wurden, korrespondierten digital erzeugte Sounds. Umeda versuchte zu diesen übersteuerten technisch perfekten – aber auch nicht mehr – audiovisuellen Prozessen tänzerische Kommentare, die aber eher blass blieben und von Technik erstickt wurden. Eine gute Idee, die aber einfallslos überdehnt ist. Schöngeistigkeit, menschliche Wärme und vielleicht sogar ästhetische Reibung am Unvollkommenen erwartet man hier nicht.

Davon gab es indes in Gladyszewski „Tête-à-Tête“ auf so schöne und kunstvolle Weise mehr als reichlich. Zwei Menschen, die aufeinandertreffen, dies in einer metaphysisch anmutenden, von Gesten, und Bedeutungen, von Hermeneutik und Psychologie aufgeladenen Umgebung. Das sind die ästhetischen Grundsätze dieser „Begegnung“, die bei dem Besucher einen tiefgehenden und bleibenden Eindruck hinterlässt. Ein dunkler Raum, eine Fläche versehen mit einer Maske, in die der Besucher der Performance sein Gesicht schmiegen soll. Die Augen blicken auf einen spärlich beleuchteten Raum, und auf eine besondere – offenbar sowohl als Projektionsfläche und auch Spiegel fungierende – zunächst transparente Vorrichtung. Ein Mensch taucht auf und tut Dinge, zeigt, bewegt sich langsam und mal überraschend, mal sich nähernd, mal neugierig, mal performativ. Ein ästhetisches Zwiegespräch entspinnt sich und plötzlich kommt man sich näher als sonst in Performances überhaupt denkbar. Poetisch und intensiv. Mehr sei hier nicht verraten.

Neben vielem entzückte Temps d’image sogar mit einem Konzert – doch was am Samstag zu erleben war, wäre gewiss nicht passend zu diesem Festival gewesen, wenn es nicht viel mehr als nur ein Konzert gewesen wäre. Brigitta Muntendorf schafft Arbeiten, mag man es vielleicht noch Kompositionen nennen, die im besten Sinne des Wortes eklektisch sind. Sie tragen multimedial – hier passt der Begriff mal gut – zahllose Einflüsse, stilistische und ästhetische Strömungen zu audiovisuellen Gesamtkunstwerken zusammen. Da mischt sich Pop-Ästhetik mit avantgardistischen Strömungen elektronischer Musik, postmoderne Musik über Musik, mit Performance, Videokunst – nicht selten im Geiste von Musikvideos – und Grenzgebiete heutiger Produktionstechnik.

Fünf Arbeiten von Muntendorf präsentierten die Bandbreite ihrer Kunst, ob nun für ihr Ensemble Garage, für Solo – Gesang oder pianistisch am Synthesizer – mit viel visuellem Subtext oder minimalistisch. Bedeutungsvolle Klangfetzen vernetzen sich beredt mit dichten Geweben; Worte setzen Akzente und es wird auch überaus poetisch wie in „As present as possible“. Bei „Blurred five“ wurde das Video übrigens von Warped Type beigesteuert.

Ergänzt wurde dieser Reigen durch Michael Beils beeindruckende Performance „Caravan“. In dem in Echtzeit Videoschnipsel von den Performern von dem Ensemble Garage in wechselnden Farbkonstellationen live vor Ort aufgenommen wurden und diese sich zu einem großformatigen Videoclip zusammenfügten.

Das Festival geht noch bis zum 18. Januar weiter.

Alle Informationen unter:

tanzhaus-nrw.de