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Düsseldorf: Weltliteratur gastiert im Wohnzimmer

Düsseldorf : Weltliteratur gastiert im Wohnzimmer

Lyrikerin Konstanze Petersmann empfängt viele Dichter und Denker in den eigenen vier Wänden.

Düseldorf. Es läuft eine recht exotische CD: Mit chinesischen Zither-Klängen aus vergangenen Jahrtausenden empfängt Konstanze Petersmann Gäste. Die Düsseldorfer Lyrikerin, die früher hauptberuflich in der Krankenpflege arbeitete, betreibt einen privaten Kultur-Salon. Im Jahr 2006 kamen die ersten Besucher zu der Saloniere. Zuletzt ging es um Literatur und Malerei rund um China. Gast war unter anderem der Künstler Yang Qi mit seiner Bilderreihe „Yang Qi - trifft Goethe - trifft Konfuzius“.

Den Zeitpunkt, ihres allerersten Salons habe sie sehr bewusst ausgewählt, sagt Konstanze Petersmann: „Das war genau 200 Jahre, nachdem Johanna Schopenhauer ihren literarischen Salon in Weimar eröffnete.“ An diese Tradition habe sie nun zwei Jahrhunderte später anknüpfen wollen.

Rund 20 geladene Gäste verteilt Frau Petersmann auf Stühlen und Couchen in ihrem Wohnzimmer im nördlichen Teil von Düsseltal. Der große Sessel ist für den jeweiligen Rezitator reserviert, darunter Schriftsteller und Wissenschaftler aus aller Welt, auch aus Düsseldorf, wie der Goethe-Forscher Prof. Volkmar Hansen. Die Vortragenden bekommen kein Honorar und die lauschenden Gäste müssen auch keinen Eintritt zahlen. Doch allen kredenzt die Saloniere prickelnden Crémant und herzhafte Canapés.

Demnächst solle es in ihrem Salon um den Erzähler Franz Kafka gehen. Beim Blick auf die Programmzettel vergangener Veranstaltungen fällt aber auf, dass meist nicht so bekannte Schriftsteller wie Kafka Thema waren, sondern vorwiegend ausgefallene Oeuvres im Mittelpunkt standen.

Im Oktober 2013 lud Konstanze Petersmann Kenner des österreichischen Schriftstellers Hans Lebert (1919-1993) aus Anlass von dessen 20. Todestag zu sich ein. „Die Wolfshaut“ lautet der Titel seines bekanntesten Buches. Neben Volkmar Hansen sei auch der Generalkonsul der Republik Österreich, Hajo Riesenbeck, dabei gewesen und habe ein Geleitwort gesprochen.

Zuweilen habe es auch internationalen Austausch gegeben. Drehte es sich im Herbst vergangenen Jahres in ihrem Düsseldorfer Salon um den polnischen Dichter Cyprian Kamil Norwid (1821-1883), so wurde Frau Petersmann nach dem polnischen Hirschberg (Jelenia Góra) ins dortige Gerhart-Hauptmann-Haus eingeladen. Dort habe sie aus ihren Gedichten auf Deutsch gelesen, während ein Übersetzer die polnische Übertragung rezitierte.

Noch kürzlich wurden Gedichte von Petersmann („In den Gärten der Plejaden“) in eine Fremdsprache übersetzt, dieses Mal ins Serbische.

Die Düsseldorfer Dichterin lässt den Leser in ein romantisches Fantasie-Gefilde mit Nymphen eintreten. Im Druck erschienen sind beide Fassungen, die nur deutsche in der Edition Virgines.