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Wagners "Lohengrin" modernisiert: Schwanenritter in der Hochfinanz

Wagners "Lohengrin" modernisiert: Schwanenritter in der Hochfinanz

Rheinoper modernisiert Richard Wagners „Lohengrin“ zum Gleichnis für die Welt der Banken.

Düsseldorf. Die Figur des Lohengrin ist vielleicht zu schön um wahr zu sein. Ein strahlender Ritter, der wie gerufen kommt, um die Ehre einer zu Unrecht des Mordes bezichtigten Adligen wiederherzustellen, besitzt etwas Unwirkliches. Schon Richard Wagner lässt seinen Helden nur vorübergehend in der Idealität verweilen. Rasch legen sich Schatten über die Szene.

Das Frageverbot, das er seiner Geretteten, Elsa von Brabant, bereits im 1. Akt auferlegt, lässt nichts Gutes erahnen. Mit noch mehr Skepsis als Wagner selbst begegnen heutige Opernregisseure dem Märchenritter. Als solcher ist er nicht zu erkennen, auch nicht in der neuen Rheinopern-Inszenierung der Regisseurin Sabine Hartmannshenn.

Hier nun ist er ein leger gekleideter Vertreter der Occupy-Bewegung, der mitten im Glitzertempel der Hochfinanz auftaucht. Im Handumdrehen hat er den Ober-Bonzen König Heinrich und seine Vasallen von seiner Integrität überzeugt — ohne dass der Grund dafür klar wird. Gegen den Widersacher Friedrich von Telramund muss er erst gar nicht mit Schild und Schwert antreten. Jener Unglücksselige bekommt seine Entlassungspapiere samt Abfindungssumme in die Hand gedrückt, während sich Lohengrin plötzlich in Schlips und Kragen präsentiert.

Der Schwan, der Lohengrin an seinen Bestimmungsort gezogen hatte, und von dem allenthalben im Stück die Rede ist, taucht, wie auch in vielen anderen modernen Inszenierungen, gar nicht erst auf. Was vom Unverwechselbaren des Lohengrin übrig bleibt, ist ziemlich wenig. Am überzeugendsten gelingt Sabine Hartmannshenn noch die Personenführung und Chor-Choreografie, die immer zu Wagners Klang-Regie passt.

Sängerisch kann sich die Aufführung hören lassen. Tenor Robert Saccà erweist sich als souveräner Titelheld, allerdings geht von seiner Darstellung wenig romantischer Zauber aus.

Mit der Sopranistin Manuela Uhl erleben wir eine sehr lyrisch zarte Elsa von Brabant. Dazu bildet Mezzo Susan Maclean als Gegenspielerin Ortrud einen starken Kontrast: Sie agiert resolut mit Sinn fürs Boshafte und Heuchlerische. In hohen Lagen stößt sie stimmlich indes an Grenzen.

Keinen Wunsch offen lassen Hans-Peter König als imposanter Heinrich der Vogler sowie Simon Neal als Telramund und Bogdan Baciu als Heerrufer. Für musikalischen Glanz sorgen der Chor der Rheinoper (Einstudierung: Gerhard Michalski) und die Düsseldorfer Symphoniker unter Leitung von Axel Kober.