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Von Kunstharz bis Kunstrasen

Von Kunstharz bis Kunstrasen

Sieben Künstler stellen sich in einer Ausstellungsserie vor.

Düsseldorf. Das Atelierhaus an der Walzwerkstraße bietet jungen Künstlern nicht allein 77 Ateliers zu günstigen Konditionen, sondern gibt ihnen auch in vier Ausstellungsräumen die Möglichkeit, ihre Arbeiten zu präsentieren. Ziel der Initiatoren ist, junge, experimentelle Kunst zu zeigen und zu fördern. Derzeit stellen sich sieben Künstler im Rahmen einer neuen Ausstellungsserie vor.

Die Sammlung "Philara" hat den Berliner Künstler Ruprecht von Kaufmann (35) eingeladen, der in den Räumen der Sammlung neben einem großformatigen Ölgemälde seine "Fahnenbilder" zeigt. Diese sind in Kunstharz erstarrte Leintücher, auf denen er collagenartig Farbe, Tusche und andere Stofffetzen aufgetragen hat.

Sie sind bevölkert von alptraumhaften Gestalten, übergroßen Insekten und Pferden in wilder Flucht. Die Fahnen hängen frei von der Decke schwebend im Raum, haben durch ihre Starre aber jede Leichtigkeit verloren und wirken wie Spukbilder aus vergangenen Zeiten.

Im dritten Obergeschoss des Hauses zeigt der Verein "Pilotprojekt für Kunst" die Künstlergruppe "Rachel". Die drei jungen Frauen Yun Lee, Veronika Peddinghaus und Thyra Schmidt, zeigen Foto- und Videoarbeiten. Schmidt hat Foto-Collagen, die weite Landschaften zeigen, kurze sehnsuchtsvolle Texte gegenübergestellt, die sie von Freunden schreiben ließ. "Deine Hände glühen ja" oder "Sie gefallen mir" steht neben einer schneebedeckten Berglandschaft. So fängt sie Momente der Sehnsucht und des Verlangens ein.

Ein Stück weiter möchte Veronika Peddinghaus dem Widerstand gegen Faschismus ein Gesicht geben. Sie spürt in ihren Videofilmen dem Schicksal norditalienischer Partisanen in den 30er und 40er Jahren nach und erinnert an die vielen getöteten jungen Männer in einer gebundenen Dokumentationsmappe mit vielen Fotos.

Im Untergeschoss folgt die Künstlergruppe "liaison controverse" ihrem Konzept, die Arbeiten ausgewählter Gastkünstler in Beziehung zueinander zu setzen. Die Ausstellung "Broken Images" zeigt Werke der Berliner Bildhauerin Natalia Stachon und des russisch-ukrainischen Künstlers und Architekten Sergei Sviatchenko.

Während Sviatchenko vor knallfarbigen Hintergründen Fragmente aus Magazinen, Ausschnitte aus historischen Fotografien und Architekturbilder zusammenfügt, arbeitet Stachon mit Objekten aus Plexiglas und Felsbrocken. Beide spielen mit der Vorstellungskraft des Betrachters, der unterbewusst versucht, aus den Fragmenten die er erkennt, etwas Neues zu konstruieren.

Im Raum "WalzWerk 0 - Raum für digitale Kunst” präsentiert der Medienkünstler, Filmemacher und Opernregisseur Ralph Goertz aus Krefeld auf grünem Kunstrasen eine multimediale Installation.

Die vier Ausstellungen im Atelierhaus Walzwerkstraße14 laufen noch bis 6. Juli. Öffnungszeiten sind samstags von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung.