Von 257ers bis Rin: Warum Düsseldorf tatsächlich eine HipHop-Stadt ist

Musikkolumne: Von 257ers bis Rin: Warum Düsseldorf tatsächlich eine HipHop-Stadt ist

Namhafte Künstler sind bei großen Düsseldorfer Label Selfmade Records und dessen Schwester-Label unter Vertrag. Das prägt die hiesige Popkultur, sagt unser Kolumnist.

HipHop hat sich in den letzten Jahren zum erfolgreichsten Musikgenre hierzulande gemausert, ohne dass der Trend in den Massenmedien allzu oft zum Thema gemacht wurde. Denn HipHop spielt sich meist auf digitalen Plattformen ab, auf den großen Musikstreaming-Portalen und Videokanälen. In Düsseldorf ist eines der umsatzstärksten HipHop-Labels Europas beheimatet, und das weitgehend unbemerkt von der etablierten Kulturszene. Doch das Label Selfmade Records und das kürzlich gegründete Schwester-Label Division Recordings haben nicht unerheblichen Einfluss auf die aktuelle deutsche Popszene beziehungsweise spiegeln aktuelle und zukünftige Trends wieder.

Im Gegensatz zum Berliner Plattenlabel Aggro Berlin machte Selfmade Records Gangster Rap nicht zum Programm, sondern ließ ihn neben anderen HipHop-Genres zu. Mit den Düsseldorfer Rappern Kollegah und Farid Bang veröffentlichten höchst umstrittene Künstler auf Selfmade Records mehrere Alben. Um die beiden Rapper gab es den Eklat um die Echo-Verleihung für ein Album, das bereits nicht mehr auf Selfmade Records erschienen war. Der Anspruch der beiden Labels, Selfmade und Division Records, ist es, das Ohr am Puls der Zeit und am Sound der Straße zu haben.

Ihre bekanntesten Acts sind im Moment die Fun-Rapper „257ers“ aus Essen und der aus Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart stammende Rin. Neu unter Vertrag genommene Künstler wie Jugo Ürdens aus Wien oder Kynda Gray, der wie Rin aus der Provinz stammt, repräsentieren den aktuellen urbanen Sound im HipHop, der inspiriert ist vom amerikanischen Trap & Cloud Rap. Die Texte drehen sich oft um banale Alltagsthemen wie Modelabels, schnelle Autos oder das neueste Handy. HipHop ist der Sound von heute und von morgen, eine Jugendbewegung ohne gesellschaftspolitische Vision. Aber trotzdem oder gerade deswegen mehr in der Postmoderne angekommen als jede andere Spielart des Pop.

Miguel Passarge ist der musikalische Leiter im Zakk. Foto: Judith Michaelis
Mehr von Westdeutsche Zeitung