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Vom Bett aus betrachtet: Ist diese Schau sexy?

Vom Bett aus betrachtet: Ist diese Schau sexy?

PRO: Keine Angst, das Stadtmuseum wird nicht zur Peep-Show. Dass Geschlechterbeziehungen mit Kultur zu tun haben, wird zeitgemäß umgesetzt. CONTRA: Etikettenschwindel im Stadtmuseum: Mit Sex hat die Ausstellung wenig zu tun. Eine oberflächliche Optik versperrt den Blick auf interessante Inhalte.

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p class="text"><strong>Düsseldorf. PRO: Puristische Ausstellungen zur Stadtgeschichte sind nicht jedermanns Sache. Die verklausulierten Botschaften von manch progressivem Kulturschaffenden verstehen auch nicht alle. Wenn sich eine Ausstellung mit einem Thema beschäftigt, was alle angeht, muss das also nicht schlecht sein. Dass die erfolgreiche TV-Serie "Sex and the City" dafür Pate stand, daraus wird auch gar kein Geheimnis gemacht. Warum auch? Zugegeben, ein bisschen schräg ist das Ganze geraten. Aber es gibt einen roten Faden, der das riesige Bett, von dem aus sich die Museumsbesucher mit Folgen von "Sex and the City" berieseln lassen können, und das Dokument der Schützen aus dem 15. Jahrhundert verbindet, in dem die Gleichheit zwischen Männern und Frauen festgeschrieben wird. Damals wie heute wurden die Beziehungen der Geschlechter von vielen äußeren Einflüssen - Kriegen, wirtschaftlichen Einwicklungen und sogar Architektur - beeinflusst. Die Wechselbeziehungen werden in der Ausstellung auf vielfältige Art beleuchtet. Mal mit historischen Dokumenten, dann wieder spielerisch mit lila Punkten, die zu dem "richtigen Partner" in den anderen Museumsräumen führen.

Dass ein Interview mit Bert Wollersheim, der drei Bordelle betreibt, neben Dokumenten über die Jagd der Nazis nach Homosexuellen in Fatty’s Atelier steht, passt zur Vielfalt des Themas. Und wer möchte, kann vor dem Spiegel den Tanz an der Stange üben. Also: Hingucken und mitmachen!

Männer und Frauen, ihre Liebesbeziehungen und Treffpunkte prägen das Stadtbild seit Jahrhunderten. Deshalb ist die Frage, in welchen Formen sich diese Begegnungen spiegeln, interessant. Gestapo-Akten über verfolgte Homosexuelle und männlich geprägte Architektur im Bankenviertel, an den Bahndamm verbannte Prostituierte und die höfische Heiratspolitik - das alles findet zu Recht seinen Platz in einer Ausstellung. Auch wenn es dabei nicht unbedingt um Sex geht.