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Viktors Alltagspoesie macht glücklich

Viktors Alltagspoesie macht glücklich

Das neue Stück der Theaterkantine ist eine eindrucksvolle Ein-Mann-Show. Die verfügt über eine Direktverbindung zum Leben.

Düsseldorf. Viktor Dubio lernt seine Frau im Bett kennen. Brunhilde, die trotz Hochzeit nie „seine“ Brunhilde werden wird, landet nach einer durchzechten Nacht auf dem Kissen neben Viktor. Der ist Ingenieur für Kanalbauwesen, was ein Versehen war. Ebenso verhält es sich mit der Heirat mit Brunhilde, „als das Jawort von einem leeren Stuhl kam“ — weil er eigentlich gar nicht anwesend war. Nein sagen kann so verdammt schwierig sein, das kennt jeder.

Einem Besucher der Theaterkantine entfährt beim Premierenabend denn auch ein geräuschvolles „Ach du Scheiße“. Es war einfach nicht zu halten. Derart inbrünstig, wie der Kommentar aus dem Publikum zu hören ist, gibt sich nur ein Mitwisser. Einer mit Direktverbindung zu Viktors Erlebnis.

Wenn das Zusammenspiel zwischen Zuschauern und Schauspieler so gut klappt, ist auch Rüdiger Fabry, Theaterleiter und Viktor-Darsteller, zufrieden. Es ist für ihn der beste Beweis, dass Viktors Alltagspoesie eine Schnittmenge mit dem Leben seiner Gäste hat. Darum ist es in der Theaterkantine immer schon gegangen und geht es auch in dem neuen Stück „Mensch Viktor, eine Geschichte über das Stolpern“, das jetzt auf der Bühne an der Ronsdorfer Straße zu sehen ist.

In dieser eindrucksvollen Ein-Mann-Show erzählt die Kunstfigur Viktor Dubio wahre Begebenheiten aus der Biografie von Rüdiger Fabry. Dieser hat einiges mit Fiktion übertüncht, damit sich niemand schlecht fühlt, auch er selbst nicht. Aber manchmal stimmen sogar die Namen, und man sieht sie alle vor sich: die Omma aus dem Sauerland „mit Gicht im Rücken und Wasser in den Beinen“, die nicht locker lässt, bis ihr der Enkel ein Missgeschick gesteht. Den puterrotgesichtigen Lehrer, der Viktor den ersten Schultag zur Hölle macht und buchstäblich in Grund und Boden brüllt. Und Toni, einen komplett durchgeknallten Pantomime-Lehrer, der Viktor zu einem riskanten Projekt in der Toskana überredet, das ihn schließlich zu seiner großen Liebe führt (von Brunhilde und den ungünstigen Vorzeichen dieser Beziehung war ja schon die Rede).

Fabry schlüpft in alle Rollen und braucht dazu nur wenig. Damenjäckchen, Spumante, Smoking und Musik von Paolo Conte. Charmant häuft er all die Stolpersteine an, die sein Dasein so reich gemacht haben, weil er sich in die Unberechenbarkeit des Schicksals hat hineinplumpsen lassen wie in ein dickes Federbett, in dem man sich am Ende meist immer noch wohlgefühlt hat.

Viel Applaus gibt es an diesem Premierenabend für das gelungene neue Stück und für Rüdiger Fabry. Wenn man im Anschluss an die Vorstellung an der wundervoll gedeckten Tafel bei feiner Suppe und köstlicher Pasta mit fremden Tischnachbarn freundschaftlich über das eigene Leben plaudert, hat das mit dem Zauber des kleinen Theaters zu tun, der den Besucher schon beim ersten Eintreten ergreift. Und mit ein wenig Glück bleibt er für eine kleine Weile erhalten.