Kultur Vikingur Ólafsson spielt die Goldberg-Variationen in der Düsseldorfer Tonhalle

Düsseldorf · Würdiger Nachfolger auf dem Bach-Thron.

Vikingur Olafsson – hier bei der Opus Klassik Verleihung Anfang des Monats in Berlin.

Vikingur Olafsson – hier bei der Opus Klassik Verleihung Anfang des Monats in Berlin.

Foto: IMAGO/APress/IMAGO

Bei rasanten Akkorden thront er kerzengerade über der Klaviatur. Dann, wenn er immer langsamer wird, beugt er so sehr nach vorn, dass sein Gesicht beinah die Tasten des Steinway-Flügels berührt. Er macht es sich nicht leicht mit Bach und nimmt sich reichlich künstlerische Freiheiten heraus. Jede Variation wägt er ab – schwankt zwischen präzisen barocken Pracht-Ornamenten bis zu stark romantisch aufgeladenen Emotionen und Verzögerungen. Man spürt: Vikingur Ólafsson hat seit Jahren mit den Goldberg-Variationen gerungen. Er spricht selber von 25 Jahren. Jetzt spielte der 39-jährige Pianist aus Island die sogenannte ‚Bach-Bibel‘ bei der Deutschen Grammophon ein. Vor zehn Tagen kam die CD auf den Markt – pünktlich zum Auftakt einer Welttournee, während der Ólafsson an 88 Topadressen der klassischen Musik dieses Meisterwerk spielen wird, also 88 Mal. Auch in Japan und Australien. Sicherlich ein rekordverdächtiger Plan. „An jedem Abend wird es aber anders klingen“, verspricht er in einem Interview.