Vier Düsseldorfer Kulturpolitiker über Oper und Kultur am Hauptbahnhof

Interview : „Gut, dass die Stadt jetzt über die Oper diskutiert“

Interview Kulturexperten von vier Fraktionen sprechen miteinander über den Blaugrünen Ring, Kultur am Hauptbahnhof und natürlich die Oper.

Die Stadt plant den so genannten Blaugrünen Ring. Was können Sie tun, damit die Kultur dabei nicht bloß zum Alibi für ein Stadtplanungsprojekt, also der Verlängerung von Rheinuferpromenade und/oder-Tunnel wird?

Friedrich G. Conzen: Kulturpolitik gehört auch immer zu Stadtplanung, das kann man nicht trennen. Das wurde in Düsseldorf in vielen Punkten berücksichtigt und wird auch in Zukunft berücksichtigt werden.

Die Düsseldorfer Kulturpolitiker Friedrich G. Conzen (CDU, v.l.), Cornelia Mohrs (SPD), Clara Gerlach (Grüne) und Manfred Neuenhaus (FDP) beim Gespräch mit der WZ. Foto: Judith Michaelis

Cornelia Mohrs: Wir haben deshalb einen Kulturpolitiker und Planer in die Jury für den Blaugrünen Ring entsendet. Das war für uns eine wichtige Voraussetzung. Ein zentraler Faktor ist auch der Prozess der Öffentlichkeitsbeteiligung. Daher werte ich das von Anfang an als sehr positiv.

Clara Gerlach: Der Vorsitzende der Kunstkommission (Jörg Thomas Alvermann) ist auch Teil der Jury für den Blaugrünen Ring. Somit ist auch gewährleistet, dass Kunst im öffentlichen Raum thematisiert wird. Außerdem sind Vertreter der Kulturinstitute in der Jury präsent. Die werden die Interessen der Kultur ganz sicher vertreten.

Was sind die Ziele, die Sie erreichen wollen? Woran werden Sie messen, dass der Blaugrüne Ring auch aus kulturpolitischer Sicht ein Erfolg ist?

Mohrs: Ein Erfolg wäre, wenn wir eine Meinung haben, die von vielen Menschen getragen wird und diese auch umsetzen können. Das ist zurzeit noch eher verschwommen, es ist schwierig sich darunter etwas vorzustellen.

Manfred Neuenhaus: Es ist für die Gäste in unserer Stadt sehr schwierig, das gesamte Kulturangebot der Stadt wahrzunehmen. Der Blaugrüne Ring soll dabei helfen, einen Weg anzubieten, entlang dessen die Kulturinstitutionen liegen. Die Kulturbauten unserer Stadt sind oft durch Kleinigkeiten getrennt. Diese Erfahrung wird jeder schon selbst gemacht haben. Wenn eine vierspurige Straße zwischen mir und meinem Ziel ist, trete ich eher den Rückweg an.

Was passiert, wenn die Bürger sich vor allem für die Verlängerung der Promenade aussprechen und ihnen die Kultur nicht so wichtig ist?

Mohrs: Wir haben durch Umfragen schon festgestellt, dass Kunst und Kultur sehr wichtig sind in dieser Stadt. Wir sind die Stadt der kurzen Wege, wir müssen diese nur aufzeigen und verbinden.

Ein wichtiger Teil des Blaugrünen Rings ist der Ehrenhof. Dieser ist zerschnitten, die Tonhalle kehrt dem Rest in gewisser Weise den Rücken zu. Wie soll er als Ganzes erlebbar gemacht werden?

Conzen: Das Thema treibt uns schon lange um. Wir sind da in Diskussion mit dem Denkmalschutz, denn Gastronomie im Ehrenhof funktioniert nur, wenn wir eine Terrasse im Sommer anbieten können. Es wird gewiss beim Kunstpalast etwas passieren, aber es ist auch denkbar, am anderen Ende, bei der Tonhalle, Veränderungen zu überlegen.

Neuenhaus: Der Ehrenhof ist auf eine besondere Art ein Genuss für die Düsseldorfer. Man kann sich an einem Sommertag wunderschön hinsetzen. Es ist ein Stück, das nicht so sichtbar ist und im Frühling und Sommer eigene „Fans“ aus der Stadt hat. Mit der Verlängerung der Promenade würde man zudem natürlich andere Wegebeziehungen haben.

Gerlach: Auch wenn man es nicht auf Anhieb wahrnimmt, ist schon einiges passiert. Etwa mit der neuen Gastronomie im NRW-Forum, dem Pong. Das soll sich im Sommer auch erweitern. Es ist dann zur Großen Kunstausstellung auch ein Künstlerfest im Ehrenhof geplant. Und wir wollen schauen, wie wir den Ehrenhof zum Hofgarten öffnen können.

Neuenhaus: Wir sollten aber nicht versuchen, die Altstadt in den Ehrenhof zu verlängern – da lege ich viel Wert darauf.

Gerlach: Wir werden in der Nähe auch noch einen Stadtstrand haben. Das ganze Gebiet wird belebt, aber nicht in einem Maße, das schädlich wäre. Ich habe keine Angst, dass die Altstadt verlängert wird.

Der bauliche Zustand der Tonhalle wirft zumindest in Teilen Fragen auf, etwa die an vielen Stellen durch Wasserschäden marode Klinkerfassade. Wie steht es um zeitnahe Sanierungen?

Conzen: Das Wasser ist in der Tat eine große Schwierigkeit in der Tonhalle. Es gibt erhebliche Wassermassen – pro Stunde 200 Liter, die versickern –, die durch Bereiche der Tonhalle fließen. Jedoch weiß man nicht, woher diese kommen oder wohin diese fließen. Das kann nicht gut für ein Gebäude sein.

Gerlach: Unabhängig von der Tonhalle haben wir die ersten Grundzüge des Masterplans Kulturbauten vorliegen. Wir wollten eine Übersicht über den Sanierungsbedarf von Kulturbauten zu erhalten.

Ein Gebäude, das wahrscheinlich nicht ganz hinten auf dieser Liste steht, ist die Oper. Es stehen dabei drei Varianten zur Wahl: Sanierung im jetzigen Bestand, Sanierung mit Ausbau oder Neubau an gleicher oder anderer Stelle, zum Beispiel im Hafen. Eine Bestandsanierung dürfte nicht ausreichen, ein Neubau kaum finanzierbar sein. Steht die so genannte erweiterte Sanierung damit nicht schon fest?

Neuenhaus: Schön ist, dass die Stadt darüber jetzt diskutiert. So wird das Problem ins Bewusstsein gerufen. Wenn das Schauspielhaus fertig ist, wird es eine Stilikone mit modernster Technik sein. Wenn ich das gleiche Geld in die Oper investieren würde, wäre dies dann immer noch die gleiche Oper, die genauso aussieht und zudem zu klein ist. Wenn Sie mit dem Orchester reden, so hören Sie: Bitte baut uns eine neue Oper. Ich hatte die Hoffnung, einen Musik- oder Kunststandort im Hafen zu gestalten. Die Nutzer tendieren eher zum jetzigen Standort. Ich bin für diesen Diskurs dankbar.

Gerlach: Es ist wichtig, eine Vision zu haben. Das Gebäude muss untersucht werden, zeitgleich müssen wir darüber nachdenken, was wir für eine Oper für die Stadt wollen. Die Vorstellung, die Oper nach außen zu öffnen, ist großartig, das tragen viele Bürger immer wieder an uns heran. Dies würde die Oper auch zukunftsfähiger machen, als sie jetzt ist.

Mohrs: Das große Ganze sehen wir allerdings noch nicht. Wir müssen dies alles untersuchen und hoffen, dass wir Ende des Jahres Zahlen und Fakten auf dem Tisch haben. Es gibt ja auch Negativbeispiele wie die Elbphilharmonie.

Welche Kooperationsmöglichkeiten – zumindest in der Zeit des Umbaus der Oper – ergeben sich zwischen Schauspiel und Opernhaus?

Conzen: Eine intensivierte Zusammenarbeit wäre sicherlich nicht schlecht.

Neuenhaus: Schauspiel-Intendant Wilfried Schulz hat gezeigt, wie man ein Haus öffnet. Wie er dies gemacht hat, war für Düsseldorf neu. Bei der Oper sehe ich nur, dass man sich wenig öffnet. Wir haben eine Auslastung von 70 Prozent. Da ist allerdings mehr möglich durch auch entsprechende Programmgestaltung.

Gerlach: Sie unterschätzen die Oper. Intendant Christoph Meyer hat eine hervorragende Zusammenarbeit mit Bonn und Dortmund organisiert, was die Kinderopern betrifft. Die Oper macht ein grandioses Nachwuchsprogramm. Das ist wesentlich, um sich zu öffnen. Nicht die Auslastung ist der wesentliche Punkt, sondern dass ein abwechslungsreiches und hochwertiges Programm geboten wird. Es ist schon schwierig, wenn sich beispielsweise das Programm des Schauspielhauses mit dem der Boulevardtheater überschneidet.

An dieser Stelle eine Zwischenfrage: Inwieweit glauben Sie, dass Kulturpolitik Einfluss nehmen darf oder soll auf Programmgestaltung?

Conzen, Mohrs, Neuenhaus: Null.

Conzen: Wir haben einmal die Möglichkeit, wenn ein Intendant ausgesucht wird, dann nicht mehr.

Gerlach: Nachfragen und diskutieren, ja. Aber entscheiden können wir nicht, da sind wir uns einig.

Das Junge Schauspielhaus soll ins Central am Hauptbahnhof gehen. Warum tun Sie das dem Stadtteil Rath an?

Mohrs: Als ich von diesen Plänen erfahren habe, war ich davon angetan, dass das Junge Schauspielhaus ins Zentrum kommt. Aber für den Stadtbezirk 6 ist das anders. Das Junge Schauspiel hat dort viel bewirkt, gerade das Café Eden. Ich gehe dort von einer kulturellen Nachnutzung aus.

Gerlach: Ich befürworte den Umzug. Es gibt viele Kulturinitiativen, die die Räume in Rath gerne nutzen würden. Auch das FFT wird an den Hauptbahnhof umziehen, auch da wird die Frage sein, ob die ursprünglichen Räume erhalten werden. Es gibt viele Interessenten, insbesondere aus der freien Szene.

Wie geht es der freien Szene, die die Ampel-Kooperation fördern wollte? Wo hat sich ihre Lage verbessert?

Neuenhaus: Es ist ein sehr kulturfreundliches Klima in der Stadt. Es hat sich in der freien Szene herumgesprochen, dass Düsseldorf ein Ort ist, der versucht, zu helfen. So viel freie Szene wie heute habe ich hier noch nie erlebt.

Sehen das Vereine wie „damenundherren“ oder die „Brause“ wohl auch so, die beide verzweifelt eine neue Heimat suchen?

Gerlach: Die freie Szene lebt davon, dass man ihnen nicht etwas vorsetzt, sondern Dinge ermöglicht. Es ist schwer, für solche Vereine einen Ort zu finden, es braucht einen sehr kulturnahen Vermieter. Mit den bald ehemaligen Räumen des FFT an der Jahnstraße hätten wir eine große Chance – auch für die freie Tanz- und Theaterszene.

Bleiben wir noch am Hauptbahnhof. Was macht das KAP 1 (Konrad-Adenauer-Platz 1) mit den kleinen Häusern wie dem Theatermuseum?

Conzen: Der Umzug birgt große Chancen für das Theatermuseum. Den Standort im Hofgarten zu erhalten, wäre wünschenswert gewesen, aber ich glaube, dass das Museum im KAP 1 sehr viel mehr wahrgenommen werden kann.

Was passiert mit dem Hofgärtnerhaus?

Conzen: Es ist ein großes Manko in der Stadtverwaltung, dass oft viel zu spät überlegt wird, was mit solchen Gebäuden passieren soll. Ein solches Beispiel ist auch der jetzige Sitz der Zentralbibliothek am Bertha-von-Suttner-Platz – da müsste heute schon darüber nachgedacht werden, was dort zukünftig passieren soll. Beim Hofgärtnerhaus ist es das gleiche.

Gerlach: Das Gärtnerhaus soll weiterhin öffentlich zugänglich sein und darf nicht verkauft werden.

Mohrs: Nach Möglichkeit sollte es auch eine gastronomische Nutzung geben.

Neuenhaus: Das Problem ist allerdings, dass es da überhaupt keine Parkplätze gibt. Dann kann man nicht mal halten.

Sie haben der Komödie – einer privaten Einrichtung – Geld gegeben, um sie zu retten. Was machen Sie, wenn andere private Theater in eine ähnliche Situation kommen?

Neuenhaus: Es gibt nur zwei Boulevardtheater in Düsseldorf, die ein unterschiedliches Programm bieten. Das wollen wir erhalten.

Gerlach: Wir haben einen Kompromiss gefunden und diese Förderung zeitlich begrenzt. Beim Puppentheater an der Helmholtzstraße haben wir uns auch für den Erhalt eingesetzt. Wir sind immer gesprächsbereit.

Neuenhaus: Wir sparen nicht am Kulturhaushalt. Das ist etwas, das uns alle vier immer verbunden hat.

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