Verjüngungskur für die Oper

Verjüngungskur für die Oper

Die Vorstellungen für Kinder boomen — und bringen auch Erwachsene zurück.

Düsseldorf. Es gibt Opernvorstellungen, in denen sich kein Mensch eine Mucksmäuschenstille wünscht, der Großteil des Publikums aber dennoch ganz bei der Sache ist. Generalintendant Christoph Meyer hat sie eingeführt, und sie lassen sich präzise mit nur einem einzigen Wort beschreiben: Kinder- und Jugendförderung.

Meyer, der in der Spielzeit 2009/2010 an die Rheinoper kam, hat den Bereich zur Sicherung seines Publikums konsequent ausgebaut und gestern anlässlich einer Scheckübergabe von 10 000 Euro an den Freundeskreis der Oper zu just diesem Zweck, Bilanz gezogen.

Bislang haben 12 000 Kinder seit Sommer die für ihre Altersstufe entwickelten Inszenierungen wie „Der gestiefelte Kater“ und „Der unglaubliche Spotz“ besucht. Bis zum Ende der Spielzeit sollen 23 000 junge Gäste kommen.

Dass dies gelingt, darauf deutet einiges hin: Viele Vorstellungen sind schon auf Wochen ausgebucht. Für die Düsseldorf-Premiere von „Der gestiefelte Kater“ am 8. Mai gibt es nur noch Restkarten, ähnlich verhält es sich bei den monatlich stattfindenden Familienführungen. Zwei Musikpädagoginnen stehen in Kontakt mit Schulen und Kitas, besuchen Klassen und beliefern Lehrer auf Wunsch mit Arbeitsmaterial.

Ein großer Aufwand, der, so hoffen Meyer und der Vorsitzende des Freundeskreises, Dieter Vogel, es möglich machen soll, „dass sich in drei Jahren das Durchschnittsalter der Opernbesucher gesenkt hat“. Eine kleine Umfrage, die der Freundeskreis vor eine Weile initiiert hatte, ergab, dass die Zuschauer zurzeit im Schnitt 56 Jahre alt sind.

Beobachtet haben jedoch der Opernchef und sein Team in jüngster Zeit, dass das Ballett unter Martin Schläpfer zunehmend Jüngere in den Saal lockt, „die“, wie Meyer sagt, „dann auch Opernaufführungen besuchen“.

Auch manche Erwachsenen kehren erst auf Umwegen zurück zu Mozart, Wagner und Massenet. „Wenn sie ihre Kinder zur Zauberflöte begleiten, kommen sie auf den Geschmack“, sagt Musiktheaterpädagogin Maike Fölling, „und stellen fest, dass ihr letzter Opernbesuch bereits zehn Jahre zurückliegt.“

Mit oder ohne Mama und Papa, Nick, der gestern die Morgenvorstellung der „Zauberflöte für Kinder“ im Foyer der Rheinoper gesehen hat, ist begeistert. „Es war ganz toll“, sagt der Junge strahlend. Sein Favorit ist, ganz klar, Papageno. „Weil der so lustig ist.“ Und weil er an diesem Morgen Federn an die jungen Zuschauer verschenkt hat.“ Genauso funktioniert’s. „Wir müssen die Kinder mit einbeziehen“, sagt Fölling.

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