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Ursula Krechel stellte im Düsseldorfer Heine-Institu neuen Essayband vor.

Lesung im Heinrich-Heine-Institut : Ursula Krechel stellt Essayband vor

Ursula Krechel las bei den Literaturtagen im Heine-Institut aus ihrem neuen Essayband. Darin beschreibt sie auch die denkwürdige Begegnung mit Rolf-Dieter Brinkmann.

Die Schriftstellerin Ursula Krechel war schon oft in Düsseldorf. Dort hat sie 2009 den Literaturpreis der Stadtsparkasse erhalten. Richtig gelebt aber hat die Autorin mehrere Jahre in der rheinischen Nachbarstadt Köln. Als Debütantin des Schreibhandwerks fand man in den 70ern dort die besten Bedingungen, wie sie bei ihrer Buchvorstellung im Heinrich-Heine-Institut sagte. Krechels neuer Essayband trägt den Titel „Gehen. Träumen. Sehen. Unter Bäumen“ und ist nach ihrem eigenem Verständnis eine Auslese ihres poetischen Nachdenkens über mehrere Jahrzehnte.

In Köln wohnte die 1947 in Trier geborene, frisch promovierte Theaterwissenschaftlerin in der Nachbarschaft von Rolf-Dieter Brinkmann. Und hatte, wie vermutlich viele andere Jungliteraten auch, den großen Wunsch, dieses „Enfant terrible“ kennen zu lernen. Der Essay „Aufdringliche Nähe“, den sie im Rahmen der Düsseldorfer Literaturtage las, handelt von einer akademisch gestelzten und prompt harsch abgewiesenen Interview-Anfrage. Der aber dann eine zufällige Begegnung und eine lange „Gesprächsnacht mit Weinbegleitung“ folgte. Dabei hatte sie mit einem Autor gesprochen, der sich jeder literarischen Anpassung verweigerte. „Die Toten bewundern die Toten“ lautete Brinkmanns Urteil über eine „mit üppigen Honoraren geschmierte Schreibmaschine“. Und in der langen Nacht hatte er Krechel ein weiteres Verdikt in die Feder diktiert: „Die Sprache ist Abfall. Sie ist nur ein Hund, der an der Leine geführt wird.“

Inzwischen ist die vielfach ausgezeichnete Autorin längst am oberen Ende der literarischen Erfolgsleiter angekommen und wurde mit zahlreichen Preisen geehrt. Vor zwei Jahren wurde sie neben Christoph Hein zur zweiten Ehrenpräsidentin des Pen-Zentrums gewählt. Damit aber geriet sie in den andauernden Streit zwischen den jüngeren und älteren Mitgliedern der „Poets, Essayists and Novelists“, für deren Vereinigung das Kürzel steht. Bei deren Jahrestagung in Gotha kam es dann vor drei Wochen zu einem längst erwarteten Eklat. In der Folge trat nach dem Präsidenten Deniz Yücel auch der gesamte Vorstand zurück.

Krechel lässt, wie sie auf Nachfrage im Heine-Institut erklärte, ihre Ehrenpräsidentschaft „ruhen“. Gleichzeitig aber wird sie Mitglied eines neuen Pen Berlin werden, zu dessen konstituierender Sitzung sich mehr als 230 Autorinnen und Autoren noch an diesem Wochenende im Berliner Literaturhaus zusammenfinden werden. Die Autorin blickt hoffnungsvoll in die Zukunft: „Unser Ziel wird weiterhin bleiben, bedrängten und verfolgten Autoren in aller Welt zur Seite zu stehen.“

Info Ursula Krechel: „Gehen. Träumen. Sehen. Unter Bäumen“, Jung und Jung, 480 Seiten, 30 Euro.