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Uraufführung von Vuletics Klavierquartett beim Schumannfest

Uraufführung beim Düsseldorfer Schumannfest : Musikalische Reise in eine dunkle Zeit

Bojan Vuletics Klavierquartett erinnert an die Pogromnacht 1938. Jetzt erklang das Werk erstmals in der Tonhalle.

Das Unfassbare lässt sich häufig schlecht in Texten schildern. Doch gerade dann, wenn Worte versagen, können Harmonien und Melodien helfen, Gefühle abzubilden, Stimmungen einzufangen und auch die Erinnerung an grausame Ereignisse auf ihre Weise wachzuhalten. Denn Musik stößt so schnell nicht an ihre Grenzen. Die antisemitische Pogromnacht der Nationalsozialisten im November 1938 – verharmlosend lange Zeit als „Reichskristallnacht“ bezeichnet – ist Gegenstand einer Komposition von Bojan Vuletic für ein Kammer­ensemble geworden. Im Rahmen des Düsseldorfer Schumannfestes wurde das gut einstündige Quartett für Klavier, Klarinette, Violine und Cello jetzt in der Tonhalle uraufgeführt.

„Flügel, schwebend“ heißt das Stück, mit dem Vuletic aber gar nicht erst versucht, dem ungeheuren Schmerz und der Verzweiflung der Opfer Klänge zu verleihen. Eine andere Idee steht im Vordergrund: „Ich wollte der Würde der Instrumente im kurzen Moment vor ihrem Aufprall nach dem Sturz aus dem Fenster musikalischen Ausdruck verleihen“, sagt Vuletic im anschließenden Gespräch mit dem Publikum. Rund 100 Gäste waren im Saal, die das außergewöhnliche Konzert unter strengen Hygiene-Auflagen und mit negativem Corona-Test besuchen durften.

Es sei auch gar nicht sein Anliegen gewesen, besonders modern zu komponieren, daher bewege sich der Musikstil nah an den Epochen, die bis 1938 das Repertoire der Hausmusiker bildeten. Tatsächlich erinnert das Quartett hin und wieder an Schubert, auch an die romantischen Komponisten, etwas Schumann klingt an, ebenso Mendelssohn und Mahler, oft ist das Stück freitonal und rhythmisch entfesselt – wie viele Musikwerke im frühen 20. Jahrhundert. Wer mit einem Aufprall oder irgendeinem düsteren Knalleffekt rechnete, dessen Erwartungen oder Befürchtungen wurden nicht erfüllt. Der Komponist bleibt seiner Idee treu, den Schwebezustand der Instrumente zu konservieren, wodurch die Komposition weitgehend lyrisch wirkt.

Einen großen Anteil an der Feinnervigkeit des Konzerts hatten die vier Musiker: Alina Bercu (Klavier), Christoph Schneider (Klarinette), Egor Grechishnikov (Violine) und Nikolaus Trieb (Cello). Das nicht gerade einfach zu spielende Stück klang sehr sorgfältig einstudiert.

Das Zusammenspiel gelang famos, und die Soli besaßen eben die fragile Schönheit, die der Komponist wohl in unsere Zeit hinüberretten wollte.