Uni Düsseldorf tagt zu kooperativer Rhetorik

Fachtagung : Tagung der Düsseldorfer Heine-Uni: Wie man feindselige Sprache entschärft

Germanisten, Redenschreiber oder Sprecherzieher wollen mit Vorträgen und Workshops der grassierenden rechtspopulistischen Rhetorik begegnen. Ihr Gegenmittel: Gespräche, die auf Kooperation setzen.

Seit Donnerstag veranstalten Germanisten der Heinrich-Heine Universität  eine öffentliche Fachtagung zum Thema „Kooperative Rhetorik in Theorie und Praxis“. Bis zum Samstag werden Germanisten, Redenschreiber oder Sprecherzieher Vorträge darüber halten, wie man Gespräche als Partner und nicht als Gegner führt. Ebenso geben sie Workshops dazu, wie man mit einer auf Kooperation ausgerichteten Rhetorik populistischer Argumentation begegnen kann.

Anlass für die Fachtagung bildet die verrohte Rhetorik, die mit der rechtspopulistischen Renaissance in Europa und in den USA aufgekommen ist und inzwischen zum festen Bestandteil politischer und gesellschaftlicher Debatten gehört. US-Präsident Donald Trump hat die aufrührerische Rhetorik salonfähig gemacht. Kritische Reporter nennt der 45. Präsident der Vereinigten Staaten „Volksfeinde“, kritische Berichterstattung über seine Politik bezeichnet er als „Fake News“, seine einstige Kontrahentin im Präsidentschaftswahlkampf, Hillary Clinton, diffamiert er bis heute als „cooked Hillary“ (“betrügerische Hillary“).

Durch die AfD ist die deutsche Debattenkultur rauer geworden

Aber auch die AfD setzt auf eine toxische Rhetorik. Davon zeugen Äußerungen von AfD-Chef Alexander Gauland wie „Wir werden die Kanzlerin jagen“. Seit die rechtspopulistische Partei im Bundestag sitzt, stellen Rhetorik-Experten eine Veränderung der Debattenkultur in Deutschland fest. Die Zahl der Zwischenrufe im Parlament ist gestiegen, auch das gehässige Lachen bei Reden von Abgeordneten anderer Fraktionen habe zugenommen. Was passiert da?

Im Grunde genommen nichts Neues, wenn man die Geschichte der Rhetorik heranzieht. So finden sich in den Reden vom Trump oder AfD-Politikern rhetorische Strategien, die der Philosoph Arthur Schopenhauer bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts in seinem Buch „Eristische Dialektik“ niedergeschrieben hat, erklärt  Marita Pabst-Weinschenk. Es handelt sich um Redemittel, die nicht der Wahrheitsfindung dienen, sondern dazu, in einem Streitgespräch als derjenige zu erscheinen, der Recht hat. Einer dieser rhetorischen Kunstgriffe besteht zum Beispiel darin, vom inhaltlichen Gegenstand eines Disputs abzuweichen und den Anderen zu beleidigen.

Ein anderer rhetorischer Trick, den die Sophisten in der griechischen Antike anwandten, ist der Wiederholungseffekt. Das bedeutet, dass der Redner etwa eine Beleidigung so oft wiederholt, bis sie sich in der Öffentlichkeit etabliert hat. So etwa die Begriffe „Lügenpresse“ oder die „betrügerische Hillary“. Damit einhergeht aber auch eine weitere rhetorische Strategie: die des Framings. Das Schema: Es wird ein Wort in die Welt gesetzt, das seine Deutung gleich mitliefert Zum Beispiel „Altparteien“ oder „Systemparteien“. Damit meint die AfD etablierte politische Gruppierungen wie die Union, SPD oder Grüne. Hinter den Begriffen steckt aber noch mehr: Es ruft die Assoziation hervor, dass da ein in sich geschlossener, korrupter Apparat agiert, der dem eigenen Volk schadet. Doch warum sind rechtspopulistische Bewegungen mit solchen brachialen Rede-Methoden erfolgreich? „Ihnen gelingt es, jene Bürger für sich zu gewinnen, die zornig sind. Etwa darauf, dass sie nach der Wende in der Bundesrepublik benachteiligt wurden. Durch eine Sprache der Beleidigung lenken Rechtspopulisten diesen Volkszorn auf bestimmte Leute, die aber für die Probleme nichts können und nur als Blitzableiter funktionieren“, erklärt Rhetorik-Dozent Ortwin Lämke, der  von der Uni Münster nach Düsseldorf gereist ist.

Wie funktioniert eine Rhetorik, die auf Kooperation setzt?

Wie aber wollen die Rhetorik-Experten die feindselige Sprache im öffentlichen Diskurs entschärfen? Sie setzen auf das Konzept der kooperativen Rhetorik, das der Sprechwissenschaftler und Theologe Elmar Bartsch (1929-2010) entwickelt hat. Es sieht vor, dass zwei „Gesprächsgegner“ sich an einen Tisch setzen und versuchen, die Auffassung des anderen zu verstehen und sich idealerweise von plausibleren Argumenten überzeugen zu lassen. Erfolgreiche Beispiele seien etwa die von mehreren Medien initiierte Aktion „Deutschland spricht“ am vergangenen Sonntag. Bundesweit haben sich mehr als 8000 Menschen mit einem Unbekannten getroffen und diskutiert: über Trump, #MeToo oder Tierhaltung. Besonders wichtig sei es aber, an Schulen eine Kultur des partnerschaftlichen Gesprächs zu etablieren, meint Pabst-Weinschenk. Ein gutes Beispiel hierfür sei der bundesweit ausgerichtete Schülerwettbewerb „Jugend debattiert“. Dabei prämiert eine Jury diejenigen Debattanten, die folgende Kriterien am besten erfüllen: Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft.

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