Ausstellung : Ausstellung in Düsseldorf: Gerd Arntz, der Erfinder des Piktogramms

Die Hermann-Harry-Schmitz-Societät zeigt in Düsseldorfs kleinstem Museum Werke des Künstlers Gerd Arntz. Der Grafiker ist bekannt für seine kritischen Piktogramme.

Es hängst weder vom Etat eines Kulturinstituts, noch von seiner Größe ab, ob es ein gutes Kunstprogramm macht. Ausschlaggebend sind Ideen, Kontakte und Freunde. Dafür liefert Düsseldorfs kleinstes Museum im Uhrenturm das beste Beispiel. Träger dieses Winzlings ist die Hermann-Harry-Schmitz-Societät, die unter Klaus Lehmann und Marco Huppertz einige engagierte Mitstreiter hat, die Augen und Ohren offen halten. So kamen sie an den pensionierten Pädagogen für Deutsch und Geschichte, Rainer Möllering, der ihnen eine exzellente Schau zum Grafiker Gerd Arntz und dessen Piktogrammen lieferte. Wer will, kann ihn montags ab 18 Uhr erleben, wie er beredt durch die Schau führt.

Fabrikantensohn stand lieber auf Seiten des Proletariats

Gerd Arntz (1900 bis 1988) ist der Sohn eines Fabrikanten aus Remscheid, der sich weniger für Sägeblätter als für Arbeiterkinder interessierte. Er besuchte die private Kunstschule von Lothar von Kunowski in Düsseldorf, die auf den Besuch der Kunstakademie vorbereitete. Er brach jedoch diese Schule ab, und die Kunstakademie besuchte er gar nicht erst. Er engagierte sich eher für Spartakisten, fürs Proletariat, fürs Junge Rheinland, kurzum, für die linke Künstlerszene. Er soll sogar das Atelier von Otto Dix übernommen haben, als der Künstler Düsseldorf verließ.

Arntz liebte die knappe, strenge Darstellung, wenn er einen Farbigen am Galgen wiedergab oder bei den „Zwölf Häusern der Zeit“ auch ein Krankenhaus darstellte, mit weiß gekleideten Männern und einer nackten Frau, der die Blicke der neugierigen Männer sichtlich peinlich sind.

Sein berühmtestes Bild nannte sich „Drittes Reich“. Es hängt gleich im Eingang des Uhrenturms und musste auf Initiative von Hitler über den deutschen Botschafter in Amsterdam abgehängt werden, denn wer beim Aufbau der Nazi-Gesellschaft nicht mit machte, landete, so Möllering, letztlich im KZ.

Mit seinen berühmten schwarz-weißen Holzschnitten stand der Grafiker in den 1920er Jahren der Gruppe der Progressiven um Heinrich Hoerle und Franz Wilhelm Seiwert sehr nahe. Für Arntz war klar, dass gesellschaftliche Zusammenhänge, dass Krieg und Kapitalismus die Motive auf den Bildern sein sollten. Er hoffte, dass seine Kunst direkt in die Gesellschaft hineinwirkte.

Während der Düsseldorfer Gesolei-Ausstellung lernte er einen Professor aus Wien kennen, der das Museum Gesellschaft und Wirtschaft gegründet hatte und in Arntz den idealen Partner für typisierte Bilder sah. Von 1929 bis 1932 war Arntz grafischer Leiter dieses Museums, hatte zum ersten Mal eine feste Anstellung und entwarf einen Atlas für Bildstatistiken, dessen hundert Blätter heute als Ikonen der Gebrauchsgrafik angesehen werden.

Wo: Grafenberger Allee 300. Die Ausstellung ist bis 12. November geöffnet, montags von 18 bis 20 Uhr. Termine für Schulklassen und Studenten sind möglich.