Kunstakademie: Überraschungen beim Sommerrundgang

Kunstakademie: Überraschungen beim Sommerrundgang

33 Studenten machen Abschluss und zeigen bis Sonntag eine museumsreife Schau.

Düsseldorf. Der Sommerrundgang am Eiskellerberg ist eröffnet. Im Gegensatz zur Totale im Winter nehmen daran ausschließlich Absolventen teil, die am Freitag den Akademiebrief erhalten. 33 Studenten machen mit und präsentieren hochkarätige Arbeiten. Dabei zeichnen sich gewisse Trends ab, im Mix der Technik, im Verschnitt von Bildern und Skulpturen sowie im unbeschwerten Umgang mit Materialien.

Foto: Julia Michelis

Bei Louisa Clement (Gursky-Klasse) wirken die Fotos wie Malerei. Die Studentin hat 50 Köpfe von Schaufensterpuppen mit dem Iphone von der Straße aus fotografiert, durch das Schaufenster hindurch. Sie hat weder an den Motiven noch den Hintergründen etwas geändert. Mancher Blitz auf einer Stirn, manches Abtasten der Kontur hängt von den Schaufenster-Dekorateuren ab. Sind die Kleidungsstücke der Puppen bunt, dann strahlt die Farbe ab. Scheiben spiegeln ihrerseits die Reflexe der Umgebung. Durch die Strahler im Schaufenster mischt sich das elektrische Licht mit den Farben der Umgebung. Louisa Clement scheint das Werk des Bauhaus-Künstlers Oskar Schlemmer in den Schatten zu stellen, denn bei ihr spielt der sinnliche Genuss eine Rolle.

Mit Julia Wilczewski macht eine Bildhauerin Abschluss, die stets bei den Rundgängen überraschte. Die Tutorin der Deacon-Klasse verlässt mit ihrem Bildhauer-Professor das Haus. Sie hat Witz und eine Freude am Experimentieren. So hat sie die Keramikwerkstatt heimgesucht. Entstanden ist ein Eisbär, dessen zotteliges Fell reinste Fingerarbeit ist. Der Kerl aus gebranntem, glasiertem Ton liegt auf abgefackelten Holzscheiten und dreht den Kopf einer Blume entgegen. Dazu erzählt die Künstlerin: „Der Eisbär hat zum ersten Mal in seinem Leben den Duft einer Blume wahrgenommen. Seine Backe ist gequetscht, weil die Nase zur Blume will.“ In einer Zeichnung lässt sie eine Schlange auf ein gen-manipuliertes Kaninchen mit geschecktem Panzer treffen. Die Schlange weiß allerdings nicht, ob sie tatsächlich ein Kaninchen vor sich hat.

Julia Gruners großer Druck (Grosse-Klasse) füllt eine hohe Halle. Eine perfekte Kombination aus Strenge und Zufall, Malerei und mikroskopischen Fotos, Computer und Pinsel. Sie hat mit Farbklumpen gedruckt, die Teile am Computer zusammengesetzt und in der Fotowerkstatt geplottet. In der lichtdurchfluteten Halle wirkt die serielle Form federleicht. Julia Gruner bricht die Struktur auf, indem plötzlich ein Fisch oder ein Vogel aus dem Abdruck hervorlugen.

Der Architekt Michael Damm (Kiecol) gehört zu den Freunden, die sich beim Abbruch der Horten-Fassade am Kaufhof Oststraße 800 Alu-Kacheln sicherten. Wie ein geordnetes Ruinenfeld liegen 200 Module inmitten eines Turms aus Hohlkammerziegeln auf dem Boden. Damms demonstrative Geste besagt, dass man die Ressourcen besser nutzen muss und nicht alles abreißen sollte. Altes und Neues lassen sich durchaus kombinieren.

Abschied nimmt auch Christoph Beyer (Doig-Klasse). Die große Disco-Kugel ist zerbrochen, die Hälften werden durch ausgelatschte Turnschuhe notdürftig gehalten. Wie nach einer Party schaut dies aus, wenn alles vorbei ist. Beyers herausragende Linolschnitte spiegeln sich darin. Sie lassen ahnen, dass selbst in einer Malereiklasse die Druckgrafik neuerdings wichtig ist.

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