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Tonhalle: Strauß-Gala mit Klangkultur und Walzerseligkeit

Konzert : Strauß-Gala mit Klangkultur und Walzerseligkeit

Ein authentischer Abend mit der Musik von Johann Strauß begeistert das Publikum in der Tonhalle — gewürzt mit wohl dosierten Balletteinlagen.

Es hat durchaus seine Berechtigung, Klassik-Tournee-Konzertreihen mit meist sehr wohlklingenden Namen mit gewisser Vorsicht zu begegnen. Sie tauchen jährlich in Konzertsälen als Gastveranstalter auf und präsentieren ihre Klassik-Show. Doch leider verbirgt sich hinter der glanzvollen Ankündigung nicht selten im besten Falle nur Mittelmaß. Oft entpuppen sich die großen Namen der „Klassikwelt“ als musikalische Akkordarbeiter, die von Konzerthaus zu Stadthalle gekarrt werden, um immer wieder mehr oder minder motiviert ihr Programm abzuspulen. Ein in mancherlei Hinsicht typisches Beispiel hierfür ist etwa „Die Nacht der 5 Tenöre“, die just auch am gleichen Wochenende in Düsseldorf gastierte und über die wir auch berichten.

Allerdings wird auch ein wenig geschummelt

Doch gibt es auch erfrischend positive Beispiele, Fälle bei denen die Verpackung, die Schlagzeile über dem Programm auch wirklich inhaltlich von dem Gebotenen gedeckt wird. Schummelt man vielleicht auch dennoch noch ein kleines bisschen. Die von DaCapo präsentierte Johann-Strauß-Gala, heißt sie auch „Wiener“, kommt nicht aus Wien, aber zumindest ist der Kopf hinter dieser Konzert-Tour, die sich inzwischen einen recht wohlklingenden Namen gemacht hat, ein Österreicher. Wie „wienerisch“ die im Orchester sitzenden Musikerinnen und Musiker sind, sei auch dahingestellt. Aber hiermit wäre auch das „Schummeln“, wenngleich es nur ganz kleine Sünden sind, auch schon abgehandelt, denn was das Publikum präsentiert bekommt, ist authentisch, beseelt und auf einem recht ansehnlichen Niveau. Natürlich sollte man Vergleiche mit großen europäischen Orchestern, die ihr Publikum zu Neujahr mit ähnlichen Programmen begeistern, gar nicht erst in Erwägung ziehen. Aber dennoch, die von Matthias Georg Kendlinger und seiner Frau Larissa 2002 gegründeten K&K Philharmoniker verstehen es Wiener Klang auf mehr als solide Weise zu transportieren.

„K&K“ steht für Kendlinger & Kendlinger, aber selbstverständlich sind Assoziationen zu der Donaumonarchie willkommen. Und dieses mittelgroße Symphonieorchester, das wahlweise von Kendlinger selbst – der Autodidakt steht seit 2004 am Pult – und weiteren Dirigenten, unter denen seit 2016 auch sein Sohn zu finden ist, geleitet wird, vermag das Publikum durchaus zu euphorisieren.

Mit ihren stets wechselnden Programmen, die auch mal weniger bekannte Schmankerl aus der Walzer-Ära in den Fokus rücken, gespielt mit respektabler Klangkultur, besuchen sie zahllose vornehmlich deutsche Städte.

Bei ihrem diesjährigen Besuch in der Tonhalle spürte man schon beim Auftakt mit der gar nicht so trivial zu spielenden Fledermaus-Ouvertüre, dass das Orchester mit Präzision und Inspiration zu spielen vermag. Nur ganz selten fallen kleinste Unsicherheiten ins Gewicht. Rhythmisch sicher, musikalisch ehrlich wirken sie dennoch fast immer. Ob nun beispielsweise bei Josef Strauß’ Polka „Vélocipède“, bei dessen Delirien-Walzer oder Eduard Strauß’ „Mit Dampf“. Natürlich dürfen am Ende die obligatorischen Zugaben („Donauwalzer“, „Radetzky-Marsch“) nicht fehlen.

Der Dirigent bewegt sich lieber in sicherem Fahrwasser

An dem positiven Gesamteindruck hat auch Kendlinger selbst großen Anteil, der zwar manchmal etwas spröde den Taktstock schwingt, als wolle er lieber in sicherem Fahrwasser bleiben, aber in großen Teilen ansprechende Interpretationen liefert. Sympathisches Augenzwinkern, spontan wirkende Moderationen und die liebevolle Anmutung des gesamten Abends – die Programmhefte sind eine Augenweide – lassen das Publikum mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Wohl dosiert eingesetzte Balletteinlagen, mit gut agierenden Tänzern in effektvollen Kostümen, würzen den Abend zudem mit Walzerseligkeit, die aber immer authentisch bleibend, anderen heutigen „Walzerkönigen“ einiges voraus hat.