Interview: „Tonhalle muss möglichst jeden Abend hell sein“

Interview: „Tonhalle muss möglichst jeden Abend hell sein“

Interview Neuer kaufmännischer Geschäftsführer der Tonhalle ist der gebürtige Düsseldorfer Torger Nelson. Er sprach mit uns über seine Pläne für das Haus.

Finanziell flexibler, moderner und serviceorientierter. Das sollte die Tonhalle schon längst werden. Das renommierte Konzerthaus am Rhein, das jahrzehntelang wie ein städtisches Amt (ähnlich wie Friedhofs- oder Gartenbauamt) geführt wurde, hat seit 1. August endlich dieselbe Geschäftsform wie die Konkurrenz-Philharmonien im benachbarten Essen oder Köln. Groß war die Erleichterung unter Veranstaltern und Konzert-Agenturen, als der Rat im März mit großer Mehrheit beschloss, die Tonhalle als gGmbH (gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung) zu betreiben. Gesellschafter sind die Stadt und die Freunde und Förderer. Um die Tonhalle zu führen, dafür sorgt jetzt eine Doppelspitze (wie bei Schauspielhaus und Oper): neben dem künstlerischen Geschäftsführer Michael Becker (weiterhin auch Intendant der Düsseldorfer Symphoniker) nun der kaufmännische Geschäftsführer Torger Nelson (39).

Geboren in Düsseldorf (Vater: Amerikaner, Mutter. Deutsche), aufgewachsen in Frankfurt und Genf, studierte Nelson Betriebswirtschaft und Musikwissenschaft in Berlin und Kalifornien, machte erste Erfahrungen in der Musikbranche in den USA, 2013 wurde er kaufmännischer Direktor im Salzburger Landestheater. Vor einem Jahr wechselte der Vater von zwei kleinen Kindern an die Alte Oper Frankfurt. Als Michael Becker, der Nelson seit Jahren kennt, ihn über die Planungen zur Gründung der gGmbH informierte, bewarb sich Nelson, machte das Rennen und bezog am 1. Oktober sein Büro im Parterre der Tonhalle. Noch ist es eine Baustelle. Wir sprachen mit ihm.

Tonhalle – nur eine Zwischenstation für Sie?

Torger Nelson: Nein. Es ist ein einzigartiger Konzertsaal mit breitgefächertem Programm, dessen Strahlkraft nach außen jedoch verbessert werden muss. Düsseldorf ist für mich der erste von Stadt oder Land unabhängige Posten als Geschäftsführer. Außerdem ist es für mich als gebürtiger Pempelforter ein echtes ‚coming home’.

Was sind Ihre ersten Pläne?

Nelson: Das Gebäude der „neuen“ Tonhalle ist inzwischen genauso alt wie ich (er lächelt). Der große Konzertsaal ist deutlich eindrucksvoller, als man es von außen erwartet. Die Bausubstanz ist in die Jahre gekommen, Wasserschäden haben Spuren hinterlassen. Die Fassade muss schnellstmöglich gereinigt und ausgebessert werden, besonders aufgrund hoher Feuchtigkeitsschäden. Zudem muss aus dem Springbrunnen auf dem Vorplatz wieder Wasser sprudeln.

Das sind doch nur Äußerlichkeiten.

Nelson: Ja, aber das Äußere eines Konzerthauses spielt bei Vermarktung und Besuchererlebnis eine große Rolle. Viele internationale Orchester und Künstler kennen die Tonhalle nicht mehr. Nur wenn die Optik, damit das Image stimmt und kein Gras aus Backsteinen herauswächst, wird es für renommierte Orchester und Künstler wieder attraktiv, hier zu gastieren. Dann sollte auch das Stadtmarketing die Tonhalle zu einem Aushängeschild für Düsseldorf machen, neben Altstadt und Hofgarten. Leider fehlt bisher der Kuppelbau auf 19 von 20 offiziellen Stadt-Porträts – trotz bester Rheinlage – das können wir nicht ignorieren.

Und wie ist das fürs Publikum?

Nelson: Üblicherweise kennen ganze 80 Prozent der Bevölkerung Konzerthäuser nur von außen, vom Vorbeifahren, aber alle finden toll, dass da eins steht. Der große Saal ist für allem die herein kommen, ein umwerfendes Erlebnis, das man von außen nicht erwartet. Um mehr Publikum anzulocken, muss die Tonhalle daher noch stärker ein positiver Erlebnis-Ort werden. Dafür müssen wir neben optischen Verbesserungen (zum Beispiel durch effektvolle Außenbeleuchtung) den ganzen Besuchereindruck verbessern, zum Beispiel auch das Dach über dem Eingang muss saniert werden.

Wie steht es mit den Finanzen der gGmbH?

Nelson: Die Zuschüsse von Stadt und Freundeskreis bleiben bestehen, sind aber sportlich bemessen. Die gGmbH muss daraus und aus Eigeneinnahmen die Pacht für das Gebäude und die Leistungen der Düsseldorfer Symphoniker an die Stadt zahlen. Wir können allerdings mit Mehreinnahmen (zum Beispiel aus gut laufenden Reihen wie „Sternzeichen“, „Ignition“ oder „Ehring geht ins Konzert)“ nun auch attraktive Gastspiele und Stars einladen. Und Extra-Events organisieren, damit wir die Tonhalle optimal auslasten.

Was heißt optimal?

Nelson: Als großes Konzerthaus auf dem freien Markt muss die Tonhalle möglichst jeden Abend hell sein, das heißt bespielt werden. Dafür müssen wir verstärkt Gastveranstaltungen einwerben.

Heißt das, dass Konzertkarten teurer werden?

Nelson: Nein. Bei den Abos verändert sich nichts. Bei Extra-Events mit Spitzenkünstlern müssen wir die Karten allerdings zu vergleichbaren Preisen anbieten wie private Veranstalter, zum Beispiel Heinersdorff.

Und was ist mit der Gastronomie? Häufig bilden sich in der Pause Schlangen vor den Buffets. Und es gongt, bevor viele ihren Drink bekommen.

Nelson: Das kommt im Stoßgeschäft leider überall vor, aber der Service im gesamten Publikumsbereich wird auf jeden Fall überprüft. Dazu suche ich gezielte Gespräche mit den Verantwortlichen.

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