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Tonhalle: Musikalische Meisterwerke ohne Magie

Tonhalle: Musikalische Meisterwerke ohne Magie

Die symphonische Umsetzung von Songs der legendären Rockband Pink Floyd scheitert an der Größe des Originals.

Düsseldorf. Wer sich an monumentale Musik wie die von Pink Floyd herantraut, muss sie entweder aus dem Effeff beherrschen oder dazu etwas Eigenes, zumindest aber Neues beizutragen haben.

Für das Fabulous Rock Philharmonic Orchestra, das in der Tonhalle vor 600 Besuchern eine Auswahl von Pink Floyd Songs in Arrangements für Orchester spielt, trifft aber weder das eine noch das andere zu. Die Idee, eine zu ihrer Zeit als Symphonic Rock bezeichnete Musik heute tatsächlich symphonisch aufzuführen, ist naheliegend.

Aber was die Rockbands damals als Provokation intendierten und was das Establishment erfolgreich Sturm laufen ließ, klingt in den Händen des Orchesters altbacken, meistens fad und manchmal sogar albern.

Wer die Lieder von Pink Floyd im Ohr hat, erkennt an diesem Abend zwar die Melodien, vermisst aber schmerzlich die Subtilität, die Eleganz und die Größe des Originals, die hier unter einem Klangbrei begraben werden. Schon das zu Beginn gespielte "Sorrow" ist erschreckend flach und ohne jede rhythmische Finesse, obwohl hier in etwa das Zehnfache an musikalischer Arbeitskraft verfügbar ist.

Dirigent und musikalischer Leiter Michel Machee drängt seinen Musikern zudem noch viel zu schnelle Tempi auf, die solchen Songs wie "Wish You Were Here", "Another Brick In The Wall" und vor allem dem wunderbaren "Shine On You Crazy Diamond" jede Magie nehmen.

Statt das schwebende g-moll zu Beginn auszukosten, hetzt man weiter in den allseits bekannten Refrain. Im Rang ist dabei von Streichern und den Stimmen des Vokalisten-Quartetts "Q Vox" kaum etwas zu verstehen.

Derart leb- und lieblos heruntergenudelt zu werden, hat kein Lied der Welt verdient. Im Zentrum des Orchesters steht eine elektrische Gitarre, unterstützt von E-Bass und Schlagzeug. Typische Vertreter der Rockmusik also, den Transfer in die Welt des klassischen Orchesters hat man dennoch nur halb geschafft.

Zwar vermag Gitarrist Jerry Sova die Soli und den Sound von David Gilmour gut zu imitieren, andererseits ist die Tonhalle für eine E-Gitarre nicht gemacht. Anzuerkennen ist, dass man sich mit "See Emily Play" und "The Gnome" auch zwei Songs des genialen Bandgründers Syd Barrett angenommen hat.

Weiter punkten kann das Orchester, wenn es nah am Original bleibt, so bei "When The Tigers Broke Free", das schon bei Pink Floyd mit Orchester gespielt wurde. Hier wird für einen Moment Gänsehaut erzeugt. Das reicht dem Großteil des Publikums anscheinend, um das Orchester trotz allem mit großem Jubel zu verabschieden.