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Tonhalle: Höhenflüge eines Trompeten-Paganinis

Tonhalle: Höhenflüge eines Trompeten-Paganinis

Symphoniker: Sergei Nakariakov spielt als Solist beim achten Sternzeichen-Konzert in der Tonhalle.

Düsseldorf. Er gilt als Paganini der Trompete, der 30-jährige russische Musiker Sergei Nakariakov. Denn seine Spieltechnik scheint grenzenlos, und nicht umsonst verwendet sein Plattenlabel für eine von Nakariakovs CDs den Titel "No limits". Nun ist er zu Gast in Düsseldorf beim 8. Sternzeichen der Symphoniker in der Tonhalle und spielt Soloparts aus Konzerten von Wolfgang Amadeus Mozart und Alexander Arutjunjan. Solide, aber nur wenig inspiriert begleiten die Düsys unter der Gastleitung von Stefan Solyom. Dass die hiesigen Symphoniker ein versiertes Orchester sind mit A-Status, stellen sie stets und zuverlässig unter Beweis, in der Oper wie im Konzertsaal. Doch an manchen Abenden wirken die Instrumentalisten seltsam unbeteiligt und vermitteln den Eindruck, Dienst nach Vorschrift zu machen. Am Freitag war so ein Moment. Vielleicht liegt es auch an dem fulminanten Trompeter Nakariakov, der seinem Instrument mit verblüffender Mühelosigkeit die reinsten und flexibelsten Klänge entlockt, die man sich denken kann, gegen den ein bodenständiges Ensemble einfach etwas abfällt. In dem neuromantischen Konzert As-Dur des armenischen Komponisten Alexander Arutjunjan (geboren 1920) liefert das Orchester noch einen süffigen Sound. Doch für Mozarts Hornkonzert Es-Dur KV 447, das nun in einer Version für Flügelhorn erklingt, fehlt den Symphonikern eine verbindliche Tonsprache. Die äußere Virtuosität und innere Eloquenz, mit der Nakariakov eine Phrase gestaltet, findet kein Pendant im Orchester. So müssen die Höhenflüge des Trompeten-Paganini immer wieder im orchestralen Flachland aufsetzen. Der 29-jährige Gastdirigent Stefan Solyom aus Stockholm leitet die Symphoniker mit sichtbarem Engagement und Bemühung um Feinarbeit. Möglicherweise fehlt ihm dabei jenes Charisma, das ein großes Orchester mobilisiert, ein Äußerstes an Expressivität zu geben. Jedenfalls bleibt auch das Hauptwerk des Abends, Igor Strawinskys Ballett-Suite zu "Petruschka", blass und nüchtern. Man nimmt die spieltechnischen Hürden zwar souverän, doch lässt eine orgiastisch-wilde und surreal-wahnsinnige Musik wie diese den Hörer ratlos, wenn die Spieler nicht selbst eine Affinität zum Verrückten zeigen. So wird das fantastische Puppen-Ballett der Diaghilev-Ära zu einer Fassaden-Maskerade, die nicht zu verzaubern vermag. Das Konzert findet noch einmal am Montag, 20 Uhr, statt. Karten: Telefon 0211/899 61 23.