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Tonhalle: Ein Mann sitzt am Engelsinstrument

Tonhalle: Ein Mann sitzt am Engelsinstrument

Harfenist Xavier de Maistre begeistert beim Konzert mit den Symphonikern.

Düsseldorf. An der Harfe verortet man spontan Damen; auch bei den Symphonikern sitzen zwei Frauen hauptamtlich an den großen romantischen Saiteninstrumenten. Doch als Solist beim 5. Symphoniekonzert nimmt ein Mann an einer golden verzierten Harfe Platz, der Franzose Xavier de Maistre. Er spielt den Solopart im Harfenkonzert des Amerikaners André Previn (geb. 1929) und begeistert noch mit zwei Zugaben.

Maistre spielt elegant und bravourös, nicht der geringste Missklang ist zu vernehmen. Allerdings gibt Previns Konzert für Harfe und Orchester nicht unbedingt so viel her. Die Musik klingt angenehm nach amerikanischer TV-Serienmusik der 80er Jahre. Die dramatischsten Passagen würden zu einer gefährlichen Parkhaus-Szene passen, und ein paar schöne, gefühlvolle Akkordfolgen suggerieren ein Happyend - Klänge so angenehm wie ein wohliges Wannenbad.

Previns Konzert, mit dessen europäischer Erstaufführung die Düsseldorfer Symphonikern den Wiener Philharmonikern soeben zuvorgekommen sind, tut niemandem weh, reißt aber auch nicht vom Stuhl. In der virtuosen Kadenz kann der Harfenist Virtuosität unter Beweis stellen, doch noch besser kommt seine Kunst in zwei Zugaben zur Geltung. Beispielsweise entlockt er der Harfe in Claude Debussys "Clair de lune" ihren ganzen stimmungsvollen Zauber.

Das Orchester steht unter der Gastleitung des 31-jährigen Kolumbianers Andrés Orozco-Estrada, ein begabter Musiker mit Temperament und Rhythmusgefühl. Bei Bruckners 4. Symphonie Es-Dur, "Romantische", stößt er jedoch an gestalterische Grenzen. Zwar zeigt er Sinn für das große Drama in Form von Dynamiksteigerungen und Kulminationspunkten, doch dazwischen kommt es zu Durststrecken. Gerade das gehaltvolle Sanfte gerät bei Orozco-Estrada blass und leichtgewichtig.

Bruckner bleibt wohl immer eine große Herausforderung - auch für talentierte Newcomer wie Orozco-Estrada. Noch einmal am Montag, 20 Uhr. Karten unter Tel. 0211/899 61 23.