Konzert: Tonhalle Düsseldorf: Venzago kürzt Gustav Holsts Planeten

Konzert : Tonhalle Düsseldorf: Venzago kürzt Gustav Holsts Planeten

Bei dem Sternzeichen-Konzert in der Tonhalle stand unter anderem Holsts Planeten-Suite auf dem Programm. Der Schweizer Dirigent Mario Venzago spielte mit den Symphonikern indes eine an vielen Stellen gekürzte Version.

Spätestens bei dem Schluss des sechsten Satzes – Uranus, der Magier – von Gustav Holsts „Die Planeten“ unter der Leitung von Mario Venzago in der Tonhalle dürfte es zu Irritationen gekommen sein. Zumindest bei den Zuhörern, die das Anfang des 20. Jahrhunderts entstandene Werk schon kennen. Was war geschehen?

Bei dem Sternzeichenkonzert mit den Düsseldorfer Symphonikern gastierte erneut der Schweizer Dirigent Mario Venzago. Dem hiesigen Publikum bekannt als „Schumanngast“ der Düsseldorfer Symphoniker. Nun brachte er – wie passend in das Planetarium der Musik – Holsts Planeten-Suite mit. Programmmusik, die wahrhaft wirkt wie Filmmusik zu einem imaginären Science-Fiction-Film. So verwundert es nicht, dass die so malerisch sphärischen Planeten-Klänge Holsts zahlreiche Filmmusiken über die Jahre inspirierten, ja vielleicht sogar die Musiksprache Hollywoods als solche maßgeblich mitgeprägt haben dürften.

Die Symphoniker schlugen sich recht gut. Spielten die verwinkelte Partitur Holsts mit nicht überragender, aber durchaus ansprechender Qualität. Ähnliches gilt für die Damen vom Chor des Musikvereins, denen im letzten Satz eine sphärisch schwebende Rolle zukommt. Venzagos Dirigat indes tendiert nicht selten zu einer gewissen Kleinteiligkeit, wenn nicht gar Hektik, die dem unaufhaltsamen Fluss Holstschen Klanges etwas den Atem nahm. Hilfreich ist es auch nicht, wenn der Dirigent nicht selten derart vertieft in die Partitur blickt, dass man das Gefühl hat, der so wichtige Augenkontakt zum Orchester leide.

Doch das eigentliche Problem war nicht Venzagos Dirigat. Das wirklich Irritierende waren seine Eingriffe in Holsts Werk. Wohlgemeinte Schnitte in – oft aus Sicht des Dirigenten verbesserungswürdige – Werke hört man heute nur noch selten. Doch Venzago ließ bei seiner Interpretation diese Praxis ungeniert wiederaufleben. Oder gibt es eine neue Version von Holsts Partitur, in der diese Schnitte irgendwie historisch begründet werden? Wenn ja, wäre ein Hinweis im Programmheft hilfreich. Doch wahrscheinlicher ist, dass Venzago eigene Gründe dafür hatte, nahezu an allen Sätzen Hand anzulegen. Schon bei Mars, 1. Satz, mit fesselndem Fünf-Viertel Takt gefüllt mit einem der wohl prägnantesten Marschrhythmen, schnitt er kurzerhand eine zentrale Passage aus der Partitur. Was dabei verloren ging, ist ein mitreißender Bruch, ein Zusammensturz, den Holst in diesen ansonsten sehr vorwärts strebenden Satz hineinkomponiert hat. Weitere noch umfassende Kürzungen folgen auch im 2. Satz, bei dem just ein Violin- und Cello-Solo geopfert werden. Anderenorts werden etwa Steigerungen abgekürzt. Und dann kam Uranus, der besagte sechste Satz, in dem die von Venzago gespielte Version das Ende sprichwörtlich umpolt. Die letzten gut zwei dutzend Takte fehlen.

Man kann durchaus über die musikalische Qualität von Holts Werk streiten, doch derartige Eingriffe verändern die Proportionen, sogar teilweise die Gesamtwirkung. Wenn einem in einem Werk so vieles überflüssig erscheint, dann wäre es konsequenter von einer Aufführung Abstand zu nehmen.

Doch bot das Konzert nicht nur Holst, vor der Pause zelebrierte man Bernd Alois Zimmermanns 100. Geburtstag mit seiner „Photoptosis“, das eine nicht enden wollende Flut an Zeitströmen zusammenführend, auch mal etwas erschrecken mag. Doch ist diese Musik voll von Urkräften, die sich ihren Weg in die Seele des Publikums suchen.

Weniger inspiriert war das Doppelkonzert für Klarinette, Viola und Orchester von Max Bruch, der vornehmlich durch sein Violinkonzert Bekanntheit erlangte. Zwar ansprechend interpretiert durch Nicole Schrumpf und Ralf Buchkremer – beide Mitglieder der Düsseldorfer Symphoniker –, ist es reaktionär epigonale Musik. Sie spricht eine Sprache, die zur Zeit ihrer Entstehung (1911) schon längst als antiquiert galt. Dennoch konnten hier die Düsys ihre stilistische Wandlungsfähigkeit erneut überzeugend unter Beweis stellen.

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