Thomas Geisel im Gespräch über Alain Bieber, Oper und Fotozentrum

Interview : Geisel: „Ich hoffe, dass Bieber nun doch bleibt“

Oberbürgermeister Thomas Geisel im Kulturgespräch über die Personalie Bieber, den laut ihm notwendigen Abriss der Oper und Ideen zum Fotozentrum.

Oberbürgermeister Thomas Geisel ist Aufsichtsratsvorsitzender oder Vorsitzender des Kuratoriums der vier wichtigsten Kulturinstitute der Stadt. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt er, warum er die Oper abreißen, die Junge Bühne nicht ins Central bringen und Ideen zu einem Fotozentrum noch einmal aufgreifen will – und auch, warum er an Alain Bieber festhalten will.

Beginnen wir mit dem Neuanfang im NRW-Forum: Soll man ein Foto-Festival herunterbrechen anstatt zunächst die Leitung für das NRW-Forum zu klären, die dann auch das neue Festival verantwortet?

Thomas Geisel: Erst einmal: Ich habe mich dafür eingesetzt, dass Alain Bieber an Bord bleibt. Und wenn es so kommt, freue ich mich darüber. Ganz unabhängig davon muss der Leiter des NRW-Forums ja nicht zugleich der Kurator des Foto-Festivals sein.

Mit oder ohne Vertragsverlängerung von Alain Bieber: Welches Konzept sehen Sie perspektivisch für das NRW-Forum? Foto? Design? Ein nichtmusealer Ort? Kunstpalast-Chef Felix Krämer hat inzwischen einige Ideen von Biebers Vorgänger Werner Lippert wie Design und Mode in sein Programm übernommen.

Geisel: Die Arbeitsteilung, dass im Kunstpalast klassische Ausstellungen und im NRW-Forum Design, Mode und Fotografie stattfinden, war schon damals nicht zwangsläufig. Alain Bieber hat das NRW-Forum weiterentwickelt, indem seine Projekte gewissermaßen den digitalen Zeitgeist widerspiegeln. Diese neue Nische gab es zu Zeiten von Werner Lippert noch nicht. Andererseits hat Bieber dem Kunstpalast auch neue Freiräume eröffnet, die Felix Krämer jetzt nutzt, ohne dass sich die beiden Einrichtungen gegenseitig kannibalisieren.

Nun zum Kunstpalast. Sie wollen das Haus für über 17 Millionen Euro sanieren. Bleibt es dabei?

Geisel: Die Planung liegt in der Regie der Museumsleitung. Sie arbeitet derzeit an einer genauen Kostenschätzung. Was mich freut, ist, dass es hier nicht nur um Brandschutz und Barrierefreiheit geht. Felix Krämer hat das Verständnis dafür, dass das, was im Kunstpalast gezeigt wird, und das Museum selbst erst das Gesamtbild ausmachen. Und das muss attraktiv sein.

Wie weit sind die Umbaupläne gediehen?

Geisel: Die Vorbereitungen sind schon angelaufen. Die Bauarbeiten starten 2020.

Der Zwischenflügel, der für das Restaurierungszentrum gedacht war, ist statisch instabil und darf nicht betreten werden. Wie lange noch?

Geisel. Ein Fachmann hat mir dazu gesagt: Wenn man die gleichen statischen Prinzipien, die zur Schließung des Gebäudes geführt haben, generell zugrunde legen würde, dann dürfte der Kölner Dom schon lange nicht mehr stehen. Der Trakt, der in den Ehrenhof hineinragt, soll in den nächsten Jahren saniert werden, damit das Restaurierungszentrum von der Franklinstraße wieder mit allen Abteilungen im Ehrenhof vereint ist. Hier laufen die Untersuchungen, denn die Sanierung ist nicht ganz trivial.

Gibt es einen Zeitplan?

Geisel: Nein, noch nicht. Ganz flott wird es nicht gehen, aber es soll so schnell wie möglich sein. Wir können es uns nicht leisten, Flächen in einer Kultureinrichtung 18 Jahre lang nicht zu betreten. Das ist ein Wahnsinn, wie lange wir den Schaden am Dach des Kunstpalasts nicht repariert haben. Es ist auch unwirtschaftlich, sich ewig rumzustreiten, statt diese Flächen zu sanieren, um sie dann nutzen zu können.

Zur Oper: Neubau oder Sanierung? Können Sie sich wirklich ein Multifunktionshaus nach dem Vorbild der abgerissenen Mercatorhalle in Duisburg vorstellen, die zum austauschbaren City-Palais geworden ist, wie es HPP vorschlägt? Sollte die Oper nicht weiterhin ein Alleinstellungsmerkmal haben?

Geisel: Ich tendiere klar zu einem Neubau. Das muss kein reiner Ersatzbau sein. Auch ein Operngebäude, das noch andere Funktionen hat, ist eine Oper. Wir haben einen hohen städtebaulichen Anspruch, was unsere Kulturgebäude angeht, und werden keine Mercatorhalle bauen. Selbst die berühmte Elbphilharmonie ist ja keineswegs nur ein Konzerthaus mit großem und kleinem Saal, sondern wird auch noch anders genutzt. Was an Entwürfen kursiert, ist sicherlich noch vorläufig und nicht das, was am Ende realisiert wird. Für mich klingt es aber albern, wenn man von vornherein darauf besteht, dass es nur eine klassische Oper sein darf.

Was wollen Sie denn als Wunschadresse?

Geisel: Ich habe mich soweit festgelegt, dass der gegenwärtige Standort der Oper der richtige ist. Das hängt auch mit den ersten Erfahrungen zum Blaugrünen Ring zusammen. Eine so zentrale Kultureinrichtung sollte am Hofgarten stehen. Wie das Gebäude dann aussieht, ist eine andere Frage. Ob es nur eine Oper ist oder ein Gebäude, in dem man zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit noch andere Funktionen integriert, will genau bedacht werden. Auch das Geld dürfen wir nicht ganz aus dem Blick verlieren, denn wir reden ja schon über dreistellige Millionenbeträge für den Bau. Da müssen wir als Verwaltung genau überlegen, wie wir die Kosten

im Griff behalten.

Probleme machen ja nur Bühne und Technik. Kann man nicht die eine Hälfte des Opernhauses neu bauen und die andere lassen? Treppenhaus und Foyers sind architektonisch erstklassig.

Geisel: Einmal begonnen, ist eine Sanierung oft ein Fass ohne Boden, das müssen die Kölner gerade schmerzlich erfahren. Auch ein Neubau wird immer teurer, siehe Elbphilharmonie.

Warum wollen Sie partout die Vorfahrt von der Heinrich-Heine-Allee auf die Kö-Seite legen, so dass Sie das Gebäude drehen müssen?

Geisel: Weil dies der nördlichste Punkt der Königsallee ist, der aber im Moment als solcher gar nicht wahrgenommen wird. Derzeit kehrt das Gebäude der Kö den Rücken. Wir müssen es zur Kö, aber auch zum Hofgarten öffnen. Dort stehen heute Container herum und ergeben ein ziemlich trostloses Bild.

Die Oper ist denkmalgeschützt. Das Treppenhaus gilt als Meisterwerk der 1950er Jahre, das bewahrt werden sollte. Muss eine Oper immer nur im Opernhaus spielen? Der Schauspiel-Intendant macht vor, wie man den Standort wechselt und dabei neue Zuschauer gewinnt?

Geisel (lacht): Fragen Sie mal Wilfried Schulz, wie er und das Ensemble diesen Zustand finden.

Was geschieht nach dem Auszug des Jungen Theaters ins Central?

Geisel: Die Idee von Schauspielintendant Schulz hat Charme, weil dann womöglich mehr Leute ins Central gehen als ins Junge Schauspiel. Trotzdem bin ich nicht richtig glücklich über diesen Vorschlag. Es wurde seinerzeit eine sehr bewusste Entscheidung getroffen, mit der jungen Bühne in einen Stadtteil zu gehen und nicht alle großen Kultureinrichtungen mitten in der Innenstadt zu platzieren. Der Stadtbezirk 6 will nicht, dass die Einrichtung nun abwandert, ohne dass etwas Adäquates diese Lücke schließt. Bisher ist nichts gefunden.

Das heißt, das letzte Wort über Central und Junges Schauspiel ist noch nicht gesprochen?

Geisel: Solange es keine neue kulturelle Nutzung für das Gebäude in der Münsterstraße gibt, die den Kulturstandort Rath aufwertet, wird man, glaube ich, kein Geld in einen Umzug des Jungen Schauspielhauses stecken.

Akademierektor Karl-Heinz Petzinka und Sie sind Freunde. Gibt es in den Entwürfen für den Blaugrünen Ring Anregungen zur Aufwertung der Kunstakademie?

Geisel: Ein Grund für den Wettbewerb ist es, die extrem unglückliche Verbindung zwischen Ehrenhof und Grabbeplatz zu verbessern. Praktisch alle Entwürfe verzichten auf die Oederallee oder die Fritz-Roeber-Straße. Diese Straßen – und dazwischen die Oberkasseler Brücke – zerstören jede städtebauliche Lösung und damit die Verbindung zwischen Ehrenhof und Kunstakademie. Ich bin sehr dafür, das neu zu überdenken.

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