1. NRW
  2. Düsseldorf
  3. Kultur

Theaterstück: Das Eheleben der Schumanns

Theaterstück: Das Eheleben der Schumanns

Schumann-Jahr: Martina Gedeck und Sebastian Koch beleuchten im Opernhaus „Szenen einer Ehe“.

Düsseldorf. Mittendrin im illustren, aber auch von Schicksalsschlägen erschütterten Eheleben von Clara und Robert Schumann fühlte man sich als Gast der musikbegleiteten Lesung "Szenen einer Ehe" mit den Schauspielern Martina Gedeck und Sebastian Koch im Opernhaus. Sehr lebendig und emotional, aber ohne Übertreibungen rezitierten die beiden aus dem Ehe-Tagebuch des berühmten Künstlerpaars.

Das Opernhaus hatte sich bis zum dritten Rang gefüllt, um dieser Lesung zum Schumann-Jahr beizuwohnen. Die große Bekanntheit der beiden Schauspieler wird stark zu dem beachtlichen Zulauf beigetragen haben. Sebastian Koch war im vergangenen Herbst noch in der internationalen Fernsehproduktion "Der Seewolf" zu sehen.

Und Martina Gedeck hatte ihren großen Durchbruch in dem Film "Das Leben der Anderen". In der Rolle der Clara Schumann ist sie unterdessen keine Unbekannte. Im Film "Clara" von Helma Sanders-Brahms, der vor anderthalb Jahren in der Düsseldorfer Tonhalle Premiere feierte, spielte Gedeck die Hauptrolle. Man wurde aber auch keineswegs enttäuscht, denn die Dramaturgie des Abends erzeugte mehr Spannung als man es von einer Tagebuch-Rezitation erwarten durfte.

Auf den ersten Blick wirkte das Konzept konventionell. Schließlich saßen Martina Gedeck und Sebastian Koch ja bloß an zwei kleinen altertümlichen Tischen mit Glas, Karaffe und Schreibfeder, dazwischen ein Biedermeier-Sofa nebst Instrumental- und Sängergruppe für die musikalischen Zwischeneinlagen. Jedoch erweckte das Mimenpaar das Ehe-Tagebuch zum Leben. Durch die subtile Kunst der Betonung gewannen die Eintragungen an Profil und Persönlichkeit.

Claras überschwängliches Bekenntnis zur Unterordnung mag heute etwas altbacken wirken, ebenso wie Roberts gebieterische bis gönnerhafte Attitüde fast schon erheitert, doch erweisen sich die Niederschriften an vielen Stellen als spannende Zeitdokumentation.

So erfährt man neben privatem Glück und Unglück auch viel über die Einstellungen zu Kollegen, etwa dass die Freundschaften zu Mendelssohn und Liszt von deutlicher Ablehnung deren Musik flankiert ist. Die vollkommene Zuneigung wurde offenbar einzig dem jungen Johannes Brahms zuteil.

An dem Abend gab es zudem noch eine tolle sängerische Entdeckung: Bariton Paul Armin Edelmann. Der Sohn und Schüler des einst weltbekannten Opernsängers Otto Edelmann (1917-2003) sang mit warmem, vollem Timbre und starkem Ausdruck Lieder von Brahms und natürlich von Clara und Robert Schumann.