Theaterkantine: Rosa erklärt die Poesie der kleinen Dinge

Theaterkantine: Rosa erklärt die Poesie der kleinen Dinge

„Trattoria“ heißt das neue Stück der Theaterkantine. Heike Fabry bezaubert als empfindsame Rosa.

Düsseldorf. Die schönste Aufforderung zum Wohlfühlen beginnt in der Theaterkantine mit einem leeren Glas. Als der Gast es der Bedienung am Prosecco-Stand mit den Worten "Kann ich das hier abgeben" entgegenstreckt, lächelt die junge Frau ihm aufmunternd zu: "Ja. Aber man kann auch auffüllen lassen."

Ein Besuch in der Theaterkantine ist wie eine Streicheleinheit nach einem Tag, an dem nichts so richtig, aber vieles gerade so schief gegangenen ist, dass die Brust voller kleiner Seufzer steckt. Glücklicherweise ist jedoch Verlass auf die charmante Rosa, der es im Handumdrehen gelingt, selbst unsichtbare Wölkchen vom Seelengrund zu vertreiben.

Rosa (gespielt von Heike Fabry) dürfte dem Publikum aus den Erfolgsstücken der Theaterkantine, "Rosa" und "Bleibt Liebe", bekannt sein. Sie serviert - neben einem schmackhaften italienischen Essen im Anschluss an jede Vorstellung - die Poesie der kleinen Dinge: unglückliche und glückliche Amouren, Kindheitsträume und nützliche Lebensweisheiten.

Jetzt ist Rosa in einer neuen Inszenierung, in "Trattoria" zu sehen. Rüdiger Fabry, Regisseur, Chef der Theaterkantine und Ehemann von Heike Fabry, hat das Stück geschrieben. Und natürlich zeugen die Geschichten der charakterfesten Hauptfigur wieder von jener Alltagsphilosophie, die den Männern wie Frauen, Jungen wie Alten im Zuschauerraum ein seliges Lächeln ins Gesicht zaubert.

Diesmal ist Rosa, die gerade in Italien Urlaub macht, auf dem Weg zum Flughafen, um ihren Liebsten abzuholen. Sie stoppt in einer kleinen Trattoria, denn sie muss mal. In der Toilette passiert ihr jedoch ein folgenschweres Malheur - sie bricht den Schlüssel ab. Ihre Hilferufe verhallen ungehört, denn die Gäste schauen ein Fußballspiel der Squadra Azzurra im Fernsehen an und machen einen Höllenlärm.

Als Rosa so dahockt, alleine und fern der Welt, fallen ihr allerlei Begegnungen und Erlebnisse ein. Die entsetzliche Autofahrt im "goldenen Mercedes" des Vaters, die Hagebuttentee-Zeit im holzgetäfelten Waldorfkindergarten, die ruinöse Einkaufstour, die sie nur antritt, weil sie das Schaufensterversprechen "Wir lieben Sie" ernst nimmt.

Rosa kann naiv, und sie kann böse. Aber sie muss schon all ihren Mut zusammennehmen, um zu grollen, wenn ihr ein kleinlicher Mensch das Leben schwer macht. Salvatore, der gutgelaunte Wirt der Trattoria ist glücklicherweise ein aufrichtiger Kerl, der das Schicksal seines empfindsamen Gastes in die richtige Richtung lenkt. Und Rosa wäre nicht Rosa, wenn ihr am Ende nicht selbst ein Ausweg aus ihrer misslichen Lage einfiele.

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