Theater: „Manchmal singt der halbe Saal mit“

Theater: „Manchmal singt der halbe Saal mit“

Gesprächsversuche auf Platt, Autogrammwünsche — die Schauspieler aus „Schneider Wibbel“ haben viele Anhänger.

Düsseldorf. Wenn Moritz Führmann schnell genug ist, trifft er nach seinem Auftritt noch ein paar Zuschauer im Foyer des Savoy-Theaters. Das Ziegenbärtchen, den mausgrauen Anzug und die fisseligen Haare hat er dann längst abgelegt, und trotzdem ist er fürs Erste weiterhin der Schneider Wibbel.

Als dieser steht Führmann seit Ende des vergangenen Jahres in einer aktuellen Schauspielhausinszenierung auf der Bühne und hat sich in die Seele des Düsseldorfers eingefühlt. Ganz tief. Nach mehr als drei Wochen Showbusiness aus der Feder von Hans Müller-Schlösser ist der gebürtige Kasseler der Seele des Rheinländers sogar noch mal näher gerückt.

Wenn der Schauspieler auf der Bühne das Lied „Wir sind alles Düsseldorfer Jungs“ anstimmt, singt an manchem Abend der halbe Saal mit, es gibt Autogrammwünsche sogar aus dem Bergischen Land.

Szenenapplaus gibt es, sobald Anton Wibbel angesichts seiner vorgetäuschten Beerdigung schnurrt „Wat bin ich ’ne herrliche Leich’“, und in der Pause, wenn sich das Ensemble auf der Balustrade direkt hinter der Bühne für einen Moment hinsetzt, kommen Zuschauer, klopfen den Schauspielern auf die Schulter und kommentieren: „Jut gemacht.“

„Da ist der Düsseldorfer ganz nah“, sagt Führmann und hat überhaupt nichts gegen ein Pläuschen mit den Besuchern. Problematisch wird es allerdings, wenn dieses auf Platt ablaufen soll. „Da müssen wir passen. Das, was wir können, haben wir für unsere Rolle auswendig gelernt.“ Jedoch sei er sicherer geworden. „Das Stück hat an Tempo gewonnen“, sagt Führmann.

Drei Mal hat bislang auch Wilibald Gregor seinen Moritz angeschaut. Wie die WZ berichtete hat Gregor, der bei Verdi in Düsseldorf die Senioren betreut, mit dem Schauspieler das Düsseldorfer Platt eingeübt.

Stolz und zufrieden ist er, zumal Schauspielhaus-Intendantin Amélie Niermeyer, die als Regisseurin für den erkrankten Frank Panhans in den letzten Wochen vor der Premiere eingesprungen ist, ihn in der aktuellen Inszenierung verewigt hat. Und so nimmt Führmann an einer Stelle Bezug auf Willi und die Gaststätte Antoniushof am Friedrichplatz, wo sich die beiden kennen gelernt haben.