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Theater: Erst die Wut, dann die Trauer

Theater: Erst die Wut, dann die Trauer

Das Stück „Verlassen“ zeigt das komische Leid von Frauen, die von ihren Männern abserviert wurden.

Düsseldorf. Wenn ein Mann am Telefon sagt: "Ich muss mit dir reden", verheißt das nichts Gutes. So haben es jedenfalls Daisy, Donna und Dagmar erlebt, denn das Ende der Rede war: "Ich liebe dich nicht mehr." Ein Schock, der schwer zu verdauen ist, eigentlich wieder nur mit Reden: Wann hat er es gesagt, wie und vor allem warum bloß?

Tina Müller hat sich in ihrem Stück "Verlassen", das vor einem Jahr den ersten Preis des Autorenlabors des Düsseldorfer Schauspielhauses gewann, einem traurigen Thema gewidmet und seine komischen Seiten herausgearbeitet. Erstaunlich, wie stereotyp sich Männer vom Acker machen, aber auch, wie ähnlich diese individuellen Tragödien von Frauen erlebt werden. Erst kommt der Schock, dann die Wut, dann erst die Trauer.

Es sei denn, man nimmt es einfach nicht zur Kenntnis, wie Donna, die 30-jährige Schriftstellerin, die ihren ach so intellektuellen Partner derart idealisiert, dass sie auch in der Trennung nur eine vorübergehende Prüfung sieht. Claudia Hübbecker wandelt wie eine antike Tragödin auf dem runden Laufsteg des Leidens, den Ausstatterin Claudia Kalinski um ein reizendes Blumengärtchen herum ins Central eingebaut hat.

Mit verklärtem Blick sieht sie in die Ferne der goldenen Zukunft, nur wenn ihr die Illusion zusammenbricht, wütet sie in den Kunstblumen: die Hohepriesterin wird zur Megäre.

Irdischer kommt Lisa Arnold als Daisy daher. Sie träumt von einem Rachefeldzug bei dem Sender, bei dem sie ihrem Loser-Freund einen Job verschafft hat - und ihren eigenen verlor, auf sein Betreiben hin. Mit großem Temperament stürzt sie sich in ihre Wutanfälle ebenso wie in ihren Schmerz. Dagmar hingegen (Anke Hartwig) überlässt sich ganz der Verzweiflung, schließlich verbindet sie mit ihrem Ex ein langes gemeinsames Leben.

Autorin Tina Müller, die hochschwanger zum Applaus erschien, setzte ihrem Stück als Motto ein Zitat von Roland Barthes voran, der Liebesleidende als Schauspieler einer Rolle definiert. Diese Verhaltensweisen will das Stück zeigen, weniger die individuellen Geschichten erzählen.

Das macht es manchmal etwas dünn, auch wenn es in der Analyse genau und witzig ist. Regisseurin Daniela Löffner treibt die Darstellerinnen in die Komik hinein, bis hin zum Klamauk. Gleich zu Beginn wird der schrille Ton vorgegeben. Eine Heul-Arie zu dritt mit Gartenschläuchen als verstärkten Tränendrüsen.

Man könnte den Text sicher auch melancholischer inszenieren, aber es gibt gelungene Szenen, etwa eine Tirade von Selbstvorwürfen ("Ich habe nicht genug an uns geglaubt.") als Selbstkasteiung, bei der sich die Frauen mit Blumen peitschen. Da gab es, wie auch zum Schluss, herzlichen Applaus.

Stück: 4 von 5 Punkten
Regie: 3 von 5 Punkten
Ausstattung: 4 von 5 Punkten
Ensemble: 5 von 5 Punkten