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Theater an der Kö: Im Kunstbetrieb der Eitelkeiten

Theater an der Kö: Im Kunstbetrieb der Eitelkeiten

Im Theater an der Kö setzt René Heinersdorff sich und den „Mentor“ gekonnt in Szene.

Düsseldorf. Der betagte Benjamin Rubin ist ein Zyniker, Nörgler und eitler Pfau, der Probleme mit dem Altern hat. Vor Jahrzehnten hat er ein bedeutendes Werk geschrieben, avancierte zur Kultfigur. Doch ruhig ist es um ihn geworden.

Das nagt an ihm, zumal im Beratungs-Gespräch mit Martin Wegner — einem aufstrebenden Jung-Autor, der dem Alten sein neues Werk vorstellen soll. Ort: ein Stiftungs-Hotel. Dort hat sich Rubin für 10 000 Euro als Mentor anheuern lassen. Um Geld und Ehre geht es in dem Stück „Der Mentor“ von Bestsellerautor Daniel Kehlmann, das im Theater an der Kö Premiere feierte.

Mit seinem exzellenten Ensemble (an der Spitze TV-Star Peter Bongartz, der subtil mit dem Klischee des frustrierten alternden Stars von früher jongliert) setzte Heinersdorff den „Mentor“ originell und temporeich in Szene. Und spielt obendrein noch den jungen Schriftsteller Wegner.

Diese Tatsache verleiht der Inszenierung eine süffisante Note. Denn Heinersdorff ist Multitasker, leitet nicht nur das Kö-Theater, spielt und inszeniert landlauf landab, sondern ist ebenso als Boulevard-Dramatiker erfolgreich. In doppelter Weise amüsieren daher manche Pointen und ironische Spitzen.

Kehlmanns effektvolles Theaterstück lebt von den sarkastischen Dialogen zwischen den Jung- und Alt-Schriftsteller, aber auch von der Eifersucht. Denn Wegners Frau Gina schwärmt seit Jugendzeiten für „Der lange Weg“ des reifen Herrn Rubin, weniger schätzt sie jedoch die Werke ihres Mannes Martin.

So kommt es kurz zu einer heftigen Ehekrise, Martin reist überstürzt ab, zerstört alle Spuren seines neuen Werks „Namenlos“. Und man ahnt es schon: Vermutlich verbringen Benjamin Rubin und Gina die Nacht miteinander. Eine Wendung fast wie in einem Kitschroman, die sich am nächsten Tag nur mühsam auflöst.

Vielleicht würde die Konstellation klarer über die Rampe kommen, wenn das 90-Minuten-Opus ohne Pause durchgespielt würde. Schauspielerisch glänzt Peter Bongartz als eitler Sprüche-Klopfer und leicht verschrobener, neurotischer Rubin, der Teppichböden hasst und nur eine bestimmte Whisky-Marke trinkt.

Echt wirken seine netten Boshaftigkeiten und seine Gockelallüren in Richtung Gina, die auf den Punkt gespielt wird von Vasiliki Roussi. Ebenso überzeugt Thomas Gimbel als hektischer Stiftungsfunktionär Wangenroth, der nebenbei malt. Heinersdorff spielt den Martin differenziert, schwankt zwischen Selbstbewusstsein, Ironie und Zweifel — und kann, als Theaterchef, am Ende zufrieden sein mit einem Theater-Erfolg.

“ Bis 9. November tägl. (außer Mo.), 20 Uhr; Sonn- und Feiertag, 18 Uhr, Karten: Tel. 0211/32 23 33.